Einstellungen zu Cookies und Barrierefreiheit

Cookies

Auf dieser Webseite werden ausschließlich essentielle Daten in Cookies gespeichert, um wichtige Funktionen der Website zu ermöglichen. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.

Barrierefreiheit

Hier können Sie die Farbkontraste auf dieser Webseite erhöhen. Sie können diese Einstellungen jederzeit deaktivieren.
Skip to main content Skip to page footer

Chronik

Die Schnürpflinger Chronik wurde 1950 von Herrn Lehrer Kurt Schebesta geschrieben. Sie ist sehr interessant und umfangreich.
Schauen Sie rein, es lohnt sich.

Historisches aus Schnürpflingen vor 1950

Hast du, lieber Leser, schon einmal mit brennenden Augen zu den Sternen aufgeblickt, fern der Heimat, zu der keine Brücke führt, die dich hinübertragen könnte auf dieses geliebte Stückchen Erde? Bist du schon einmal im fremden Land abends an den erleuchteten Fenstern eines Hauses vorübergegangen und hast mit verlangenden Augen hineingeblickt, die Menschen um ihre Geborgenheit beneidend, du, der du kein Daheim mehr hattest?
In solchen Stunden weißt du was Heimat ist.
Dann erst merkst du, dass du ein Teil ihrer selbst bist. Dann erst wird dir jedes Fleckchen dieser fernen Erde lieb und kostbar, wenn du auch vorher achtlos daran vorübergegangen bist. Dann wünschst du dir, noch einmal durch die alten Straßen, über die Felder, durch die Wälder streifen zu können, um alle Bilder in dir aufnehmen zu können. - Zu spät! - Was dir dann noch bleibt, ist das unstillbare Sehnen.
Wenn du aber lieber Leser zu den glücklichen Menschen gehörst, die noch eine Heimat besitzen, dann danke aus ganzem Herzen Gott. Vielleicht treibt dich das Schicksal auch einmal hinaus in die Fremde um dann zu erkennen, dass es nichts Köstlicheres als die Heimat gibt.
Daher gehe nicht blind umher. Nehme die Heimat mit wachen Sinnen in deine Seele auf, sie spricht überall zu dir, man muss nur hören. Sie tritt überall vor dich, man muss nur sehen. Diese Chronik soll dir Helfer sein. Sie soll allen Bewohnern dieses Ortes ihre Heimat näher bringen. Der Jugend soll sie helfen, die Heimat verstehen und lieben zu lernen, sie mit wachen Augen zu durchwandern und Gott für diesen köstlichen Schatz zu danken.
Diejenigen aber, die als Heimatvertriebene in diesen Ort kamen, mögen Vieles darin finden, was sie an ihre alte Heimat erinnert.

Schnürpflingen, im Oktober 1950 Kurt Schebesta

Lage: Schnürpflingen gehört zum Land Württemberg-Baden und liegt im südlichen Teil des Kreises Ulm-Land. (Bis 1938 gehörte Schnürpflingen zum Kreis Laupheim)
Meereshöhe: 545m über.N.N.

Der Ort liegt in den "Holzstöcken", einem waldreichen Bezirk zwischen den Tälern der Iller und der Roth gelegen und wird von der Weihung durchflossen. Der Name Holzstöcke stammt von einer Sitte, die stehenden Waldstämme 4 Fuß über dem Stock abzulösen. (Das Königreich Württemberg,Bd.i~Stgt1882,S.:241) .

Das Dorf liegt an einem Hang, welcher sich vom W nach 0 abflacht .Es ist ein Reihendorf mit einer Länge von 1100m.
Im Gegensatz zum Unterland und der Alb finden wir in Oberschwaben hauptsächlich die weiträumige Dorfanlage. Auch Schnürpflingen ist in dieser Art angelegt. Jedes Haus steht für sich, mit seinem eigenen Hof, meistens mit einem Garten umgeben.

Von den alten Fachwerkhäusern findet man im Dorfe nur mehr wenige. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, finden "wir überall die massiven" Steingebäude. Dass man noch kaum Fachwerkbauten findet und der Ort verhältnismäßig aufgelockert ist, mag seinen Grund
in dem Brand von 1852 haben, wo der größte Teil des Dorfes abbrannte. Wohnung und Stallungen sind meistens unter einem Dach, nur bei den Neubauten finden wir Wohn- und Stallgebäude getrennt.

Die Verkehrslage von Schnürpflingen ist wie bei den meisten Orten in den Ho1zstöcken ungünstig. Durch den Ort führt eine Landstraße 11. Ordnung. Außerdem führen 2 Ortsverbindungsstraßen von Sehn. an die Landstraße 1.Ordnung, die von Ulm über Oberkirchberg nach Laupheim führt und dort in die Bundesstraße Nr.3o mündet. Der erste Ortsverbindungsfahrweg führt von Schnürpflingen nach Weinstetten, der zweite von Schnürpflingen über die Teilgemeinde Ammerstetten an die angeführte Landstraße 1.Ordnung und mündet in die etwa 1,5 km SW von Weinstetten.

Entfernungen:
Schnürpflingen - Ulm: 18, 6 km
Schnürpflingen- Bahnst. Vöhringen,-Bahnlinie
Ulm - Kempten: 58,00km
Schnürpflingen - Bahnst. Bronnen,-Bahnlinie
Schwendi - Laupheim: 8,00km
Schnürpflingen – Laupheim: 11,6 km

An öffentlichen Verkehrsmitteln ist das seit 1945 bestehende Omnibus unternehmen Huber zu nennen, welches den Linienverkehr zwischen Schnürpflingen und Ulm unterhält. Das Omnibusunternehmen fährt 3 mal täglich in beiden Richtungen.

Sonstige Öffentliche Verkehrsmittel berühren den Ort nicht.

Das Klima ist rauh aber gesund.

Unsere Gegend liegt wie ganz Oberschwaben in dem großen Becken zwischen Donau und dem Bodensee, das teils mit Mollasse, teils mit den dieselbe überlagernden Dilluvial- und Alluvialgeschieben ausgefüllt ist. (Das Königreich. Württemberg Bd.ll stgt 1882,,3.:712) .Auf unser Markung finden sich auch weiße Kalkspatadern. ( Gefunden bei den Schachtungsarbeiten zum Wasservorratsbehälter im Frühjahr 1950).Torf findet sich auf Dilluvialgeschiebe 1agernd im Tale der Weihung.

Die Dilluvialgeschiebe sind größtenteils alpinisch und bestehen vorherrschend aus bläulichem, oder gelblich-grauem, mitunter auch schwarzen Alpenkalk (O!A.-Beschreibung von Laupheim,S.:21ff.). Diese Dilluvialgeschiebe stammen aus der Eiszeit, wo sich gewaltige Gletscher von den Alpen bis zur Donau erstreckten. Dadurch dass das ganze Markungsgebiet von Schuttgeröllen und Sand unterlagert wird, ist der Boden etwas nasskalt.

  1. Abstammung: Die Bevölkerung gehört zum Volksstamm der Schwaben, jedoch mit der Einschänkung, dass unter der Bevölkerung viele Typen mit dynarischem und bayuvarischem Einschlag zu finden sind. Die Erklärung ergibt sich aus der Tatsache, dass nach der Gegenreformation der Ort fast menschenleer war. Graf Albert Fugger ließ daher in der Folgezeit Familien aus der Schweiz, Tirol und Bayern ansiedeln.
  2. Beschäftigung: Die Gemeinde ist ein Bauerndorf. Sie zählt 100 landwirtschaftliche Betriebe, davon 83 unter 10 ha. Von diesen 83 Betrieben sind wiederum 49 Betriebe unter 5 ha, also Kleinlandwirte. Außerdem befinden sich im Dorfe noch 25 Gewerbebetriebe, welche fast durchweg Einmannbetriebe sind. Ca. 100 Einwohner fahren in andere Orte als Arbeiter. Davon fahren ca. 85 nach Ulm.

Sie ist heute schon gänzlich unbekannt. Jedoch muss sie um 1850 noch teilweise vorhanden gewesen sein. Sie wird folgendermaßen beschrieben. Männertracht: Ein dunkler Tuchrock. Schwarze oder dunkelgrüne Brusttücher von Manchester mit silbernen Rollknöpfen oder Geldstücken. (12 oder 24 Kreuzerstücke), kurze schwarze Lederhose., ein runder Hut mit breitem Samtband und stählernen und silbernen Spangen bei den ledigen Burschen zuweilen mit einer goldenen Borte. Dabei darf die mit Silber reich beschlagene Ulmer Tabakspfeife mit silberner Kette und die Uhr nicht fehlen, an deren schwerer silbernen Kette verschiedene Zierraten hängen.

Das Weibliche Geschlecht kleidet sich meistens buntfarbig, (sog, Kappe) gewöhnlich von schwarzen Chenillen ist eine große Radhaube. Sonntags von Gold und Silber, war auch um 1850 kaum mehr zu sehen dafür umso mehr das kleine Bandhäubchen, mit großer über den Rücken hängender Schleife und einem goldenen oder gestickten Boden. Bei den Vermögenderen sah man an Feiertagen nicht selten seidene, mit Gold und Silberfransen besaumte Schürzen und Halstücher. (O.A.Beschreibung von Laupheim,S.:36ff.)

Nach dem Stand vom 1.9.1950
841 Einwohner
davon Flüchtlinge: 215
Evakuierte: 11

  • Gesamtmarkungsfläche: 1072 ha
  • Die landwirtschaftliche Nutzfläche betr: 672 ha
  • davon sind Ackerland: 350 ha
  • Wiesen: 300 ha
  • Haus und Nutzgärten: 2 ha
  • Der Rest besteht aus
  • Wald: 395 ha
  • Ödland: 2 ha
  • Gebäude, Hofflächen und Wege: 23 ha
  • Der aufgeführte Wald verteilt sich wie folgt:
  • Dr. Clemens Graf Fugger: 346 ha
  • Staatswald: 14 ha
  • Graf Reutner von Weyl: 14 ha
  • Stiftungswald der Pfarrgemeinde: 13 ha
  • Privatwald, aufgeteilt auf kleinere Parzellen: 7 ha
  • Eigentum der Gemeinde: 1 ha

Durch die Markung fließt die Weihung. Diese berührt den Ort im Osten. Die Weihung ist ein Fluss, der bei Autenweiler entspringt und bei Unter- Kirchberg in die Iller mündet. (Beschr. des O.A. Laupheims) Das sonst harmlose Flüsschen kann bei stärkeren Regenfällen oder zur Zeit der Schneeschmelze zu einem gefährlichen, reißenden Fluss werden. Er richtet dann stets großen Flur und Gebäudeschaden an. Deshalb wird von der Bevölkerung die vom Gemeinderat beschlossene Weihungskorrektur sehr begrüsst.

Schul- und Rathaus, Schwesternhaus , Armenhaus, Spritzenhaus.

Molkereigenossenschaft, Spar- und Darlehenskasse.

Die Gemeinde ist an das Stromnetz der Energie- Versorgung Schwaben angeschlossen. Sitz Biberach.
Die Wasserversorgung wurde im Jahre 1933 aus eigenen Mitteln erbaut. Der Wasserturm steht am westlichen Ortsausgang , an der Straße nach Bihlafingen. Im Frühjahr 1950 wurde noch zusätzlich ein Wasservorratsbehälter und ein Sandfangschacht gebaut.

Schnürpf1ingen ist ein Pfarrdorf. Dazu gehören die Teilgemeinden Ammerstetten und Beuren. Von Ammerstetten sind allerdings nur 8 Häuser eingepfarrt, die übrigen gehören zur Pfarrei Hüttisheim.
Jedoch gehört ganz Ammerstetten zum Schulverband Schnürpflingen.

Die Schule ist zweiklassig und besteht aus zwei ständigen Stellen.

Schülerzahl am 1.9.1950: 104

Im Schwesternhaus besteht noch ein Kindergarten, welcher von zwei Ordensschwestern geführt wird. (Kloster Reutte)

Schnürpflingen ist Sitz der gräfl. fuggerischen Försterei.
Gegenwärtig besetzt durch Rev: Förster Bailer.

Wappen

Die Besiedlung unserer Heimat

Die frühesten Einwohner Württembergs wie Südwestdeutschlands überhaupt, waren die Kelten, verwandte Völkerschaften der Bewohner Galliens, der Bewohner des heutigen Frankreichs.
"Der Keltische Volksstamm mag in Diesem Landstrich besonders durch die Cimbern und Teutonen überwältigt worden sein, welche von hier aus in Gallien und Noricum ( in der Römerzeit das von den Kelten bewohnte Gebiet zwischen den Provinzen Rätien und Pannonien. . . . Der Neue Herder ) . eingerückt zu sein scheine"
(Stählin, Wttbsche Geschic~te,I.Teil,Stuttgart 1841 S.:5)

Um die Zeit aber, in welcher mit dem Erscheinen des großen Römers Julius Cäsar, des Eroberers von Gallien, am Rhein das Land im Osten dieses Stromes zum ersten Male in der Geschichte auftritt, nämlich um das Jahr 60 v.Chr.- 80 Jahre, nachdem germanische Scharen unter dem Namen Cimbern und Teutonen in Italien selbst erschienen waren,- finden wir bereits germanische Völkerschaften in unseren Gegenden und zwar solche, welche zu dem weitverbreitetsten Zweig dieses Volkes, den Sueben gehörten. (Stählin, Wttbgsche Geschichte, Br I, S9':~) Etwa im Jahre 15 v.Chr. eroberten die Stiefsöhne Drusius und Tiberius des damaligen römischen Kaisers Augustus das Land bis zur Donau. Somit kam auch unser Gebiet unter römische Herrschaft und wurde der neuen Provinz Rätien einverleibt. Etwa bis 400 n..Chr. blieben die Römer Herren des Landes. Sie haben etwa 100 n.Chr. die Grenze über die Donau bis auf die Alb vorgeschoben.

Zum Schutze ihres Reiches bauten sie den Limes, einen gewaltigen Schutzwall gegen die Germanen.
Im 5. Jahrhundert erschienen die Alemannen in unserem Gebiete, vertrieben die Römer und zerstörten im wilden Hass das von den Römern kultivierte Land. Heute noch finden wir im Boden immer wieder Zeugen einer hochentwickelten Kultur der Römer.

Wenn auch in Schnürpflingen direkt keine Spuren zu finden sind die auf eine römische Ansiedlung schließen lassen, so finden sich doch in unmittelbarer nahe des Dorfes zahlreiche Spuren aus der Römerzeit. So führte eine Römerstraße etwa eine 1/4 Stunde östlich an Dorndorf vorbei, heute bekannt als Waldstraße. Aber auch auf unserer Markung, nämlich in der Teilgemeinde Ammerstetten führte eine Römerstraße auf den Rommelsberg, etwa eine Viertelstunde östlich von Bihlafingen, also etwa auf dem halben Wege von Schnürpflingen nach Bihlafingen. Sie heißt heute ebenfalls Waldstraße.

In der Nähe des Rommelsberges soll einer alten Sage nach eine Stadt gestanden haben. Einzelne römische Ziegel u.s.w. die hier gefunden wurden, lassen eine Römersiedlung vermuten.
Auf alle Fälle waren in unserer unmittelbaren Nähe Römersiedlungen, wie zahlreiche Funde in den Nachbarorten wie Dorndorf, Staig, Steinberg, beweisen.

S. Wetzel, Lehrer in Rt, befasste sich intensiv mit den römischen Ansiedlungen in unserem Gebiete. Er forschte von Rot aus und entdeckte die Römerstraße nach Bihlafingen, also die, welche von Ammerstetten auf den Rommelsberg führt. (Fundberichte aus Schwaben, Stuttgart 1911, S.43)

Anfang des 5. Jahrhunderts wurden die Alemannen Herren unserer Heimat. Über die Vorgeschichte dieser Alemannen herrscht Unklarheit. Nach Prof. Dr. Reuschle und Dr. Stählin handelt es sich um die alten Semnonen, das Hauptvolk der Sueben, das zu Tacitus Zeiten, 98 n.Chr in der heutigen Lausitz wohnte und das Nationalheiligtum der gesamten Sueben, den Götterhain pflegte.
(Der Name Sueben wurde später zu Suaben; Schwaben umgestaltet.)

(Das Königreich Württemberg, Bd.I, S.& ff) Am Ende des 5. Jhdts. kam unser Gebiet unter die Schutzherrschaft des Ostgotenreiches, unter seinem König Theoderich des Großen. Jedoch im Jahre 536 kam das ganze Gebiet zum Frankenreiche. Die Ostgoten wollten infolge eines langdauernden Krieges die Gunst der Franken erwerben, indem sie freiwillig den ganzen südöstlichen Teil Alemanniens an das Frankenreich abtraten.

Aus dem Geschlecht der Frankenkönige ragt Karl der Große hervor. In die karolingische Zeit fällt die erstmalige Nennung Laupheims im Jahre 778 (Louphaim ) Beschr. des O.A.Laupheims,S.:75)
Karl der Große hatte zahlreiche Burgen, Pfalzen und Maierhöfe. Von einem eigentlichen Wohnsitz des Kaisers kann keine Rede sein. Wohl hielt er sich meistens in Aachen auf, jedoch residierte er auch längere Zeit auf seinen Burgen und Pfalzen in seinem gewaltigen Reiche. Eine solche Kaiserpfalz war auch Ulm. Sie bildete den Kern für die Entwicklung der Stadt Ulm.

Die Pfalz Ulm befand sich an der Stelle des heutigen Neuen Baus. Zu der Pfalz gehörte auch. der heutige Weinhof und an der Stelle wo das heutige Schwörhaus steht, stand damals die Kapelle zum hl. Kreuz. In der Nähe der Pfalz standen noch einige Maierhöfe, so z..Bsp. die "Villa Schwaighofen". (D.A.Schultes, Chronik von Ulm 1937,8.4 ff) In dieser Zeit wurde das Land in Gaue eingeteilt. Fast das ganze frühere O.A. Laupheim kam zum Rammagau, außer dem östlichen Teil des Oberamtes. Dieser kam zum Illergau und somit wohl auch unser Ort. "Unter den Grafen des Rammagaues und des Illergaues zählte wohl manchen Ahnherrn diejenige Grafenfamilie, welche sich, seit es im 11. Jahrhundert Sitte wurde, sich von Burgen zu benennen, von Kirchberg nannten der älteste "bekannte, welcher sich ausdrücklich Graf von Kirchberg nennt, ist Hartmann; er wird wenigstes von einem gleichzeitigen Schriftsteller Bernold unter dem Jahre 1093 und in einer Urkunde Papst Urbans II vom 3.April 1093 als solcher bezeichnet. "Auch Schnürpflingen gehörte dem Grafen von Kirchberg. Hundert Jahre später, also 1193 wird die Teilgemeinde Ammerstetten zum ersten Male genannt. Es erscheint am 13. Mai 1193 Eberhardus de Amerstede als Zeuge Kaiser. Heinrichs IV. für das Kloster Salem. (Beschr. des G.A.Laupheims,S.75 ff).

Einführung des Christentums

Mit der Herrschaft der Franken über die Alemannen, kam auch das Christentum in unsere' Gegend. Eine genaue Jahreszahl lässt sich nicht angeben. Sämtliche Kirchen gehörten zum Bistum Konstanz. Die Kirchen unseres Gaues standen unter dem Archidiakonat Illergau. Auf alle Fälle kam das Christentum schon sehr früh zu den Alemannen. "Ohne Zweifel, ließen' sich die benachbarten Bischöfe von Augst (Basel) und Wiridisch, Kanton Aargau, sowie jene von Augsburg und Straßburg die Missionierung der Alemannen angelegen sein. Nach älterer Annahme wurde sogar der Bischofsitz von Windisch etwa im Jahre 533 nach Konstanz verlegt, also weiter ins Alemannenland hinein.

Nach neueren Forschungen, wäre aber Konstanz eine Neugründung, während Windisch nur vorübergehender Sitz eines burgundischen Bischofs war. Als erster Oberhirte in Konstanz wird Maximus genannt; der erste geschichtlich sicher bezeugte Bischof ist Gaudentius (gest. 613). Die Grenze des Bistums Konstanz, das auch einen großen Teil der Schweiz und Badens umfasste, lief von Kempten die Iller hinab, dann über die Ulmer und Geislinger Alb zum Rechberg und Hohenasperg, von dort in die Gegend vom Freudenstadt...Um das Jahr 700 war das Alemannenland im ganzen christlich. Beweis dafür ist, daß unter Herzog Lautfried (717- 7;1.9) erlassene "Gesetz der Alemannen" (Lex Alemanorum)

Dieses wichtige Gesetzbuch mit seinen 96 Kapiteln ordnet in drei Teilen die Rechte der Kirche, des Herzogs und des Volkes...

Ein Volk, dem solche Gesetze gegeben werden, ist schon ein christliches denn alle diese Gebote und Verbote (Sonntag, Ehegesetz, Eid) setzen eine bestimmte geordnete kirchliche Einrichtung notwendig voraus." (Dr, August Willburger, Abriß einer Geschichte der katholischen Kirche in Württemberg, Rottenburg .a.N. 1925 . S. 7 ff) Durch die Stiftung des Klosters Wiblingen im Jahre 1099 durch Graf Hartmann von Kirchberg erhielt das christliche Leben in unserer Gegend einen Mittelpunkt. Auch die Klöster Roth, Söflingen und Salmannsweiler waren in dieser Gegend begütert.
(Besehr. qes O.A. Laupheims, S. 83)

Geschichtliches über Schnürpflingen

Die älteste Geschichte unseres Ortes liegt im Dunkel, lediglich die Teilorte Ammerstetten (1193) und Beuren (1228) werden genannt. Jedoch läßt sich mit Sicherheit aus dem Namen und der Lage des Ortes annehmen, daß er mit zu den ältesten im Kreise Ulm gehört. Denn, die ältesten Orte sind die mit den Endungen -ingen und -heim. Sie stammen in der Regel von einem Sippennamen (Familiennamen) ab. "Was vollends' Georg Grupp über die westegermanischen Ansiedlungen sagt, daß sie gern am Fuße eines Berges, oder der Abdachung eines Hügels und in der Nähe des Wassers gelegen" seien kann man auch von Schnürpflingen sagen.(Dr. Johann Alb.

Aich Laupheim bis 1570, Blaubeuren 19l4,S.17) Es ist also anzunehmen, schon lange ehe es das erste mal genannt wird, bestanden hat. Denn das Dorf liegt an einem Abhang und in der Nähe des 'Wassers (Weihung). Zieht man noch in Betracht, daß überall in der Nähe Römersiedlungen waren, so ist die Annahme wahrscheinlich, daß die Alemannen die Römersiedlungen in Besitz nahmen. Somit dürfte auch Schnürpflingen eine Alemannensiedlung sein.

Die erste geschichtlich sichere Nachricht von Schnürpflingen stammt aus dem Jahre 1352. Der damalige Herr von Schnürpflingen, Otto Besserer, Sohn des Ulmer Stadtrechners Heinrich Besserer soll der Stifter der Kirche in Schnürpflingen gewesen sein. Vorher gehörte Schnürpflingen zur Pfarrei Beuren, ebenso wie Dorndorf.. Im Jahre 1278 wurde jedoch die Kirche zu Beuren zerstört uns später erscheinen Schnürpflingen und Dorndorf als eigene Pfarreien.

1352 starb Ötto Besserer und seine Hausfrau Edelheid Streiterin.
Noch im Jahre 1784 war eine Gedenktafel in der Kirche unmittelbar an der Epistelseite des Hochaltars zu sehen mit der Inschrift:

Ano domini MCCCLII starb Otto Besserer und sin husfrow Adelheit Striterin.(Pfarrbuch VIII,S. 47,Pfärrarchiv Schnürpflingen)

Auf einem losen Blatt ohne Angabe des Datums, findet sich noch folgende Aufzeichnung: "Anno 1372 da ward erschlagen zu Altheim an dem Mittwoch nach St. Ambrosi Tag der from und recht Heinrich Beßerer der zur Zeit gemeiner Städt Hauptmann gewesen ist, dem Gott gnädig und barmherzig sei, in der Kirch zu Schnirpflingen zu setzen." Auf dem selben Blatt findet sich noch eine Aufzeichnung:
"Anno 1388 da ward erschlagen zu Weil vor St. Bartholomäi Tag' der from und recht Conrad Beßerer der zu der Zeit gemeiner Städt Hauptmann gewesen ist, dem Gott gnädig seye, diß Epithap ist in der Kirch zu Schnirpflingen zu setzen! "Zweifellos handelt es sich um eine Nachschrift. Der Schrift nach zu schließen von Pfarrrer Franz Josef Dilger. Es ist in diesem Zusammenhang anzunehmen, daß Pfarrer Dilger, dem wir fast alle Aufzeichnungen aus älterer Zeit verdanken, bei der Erweiterung der Kirche im , Jahre 1784 diese Grabinschriften abschrieb, da bei dieser Gelegenheit die Gedenktafeln entfernt wurden. ( Epithap = Grabinschrift, Grabmal, im Mittelalter oft mit figürlicher Darstellung.
Nach den Neuen Herder.)

Jedoch handelt es sich bei Heinrich und Conrad Besserer nicht um die Schnürpflinger Linie, sondern um die Ulmer Linie der Besserer {Pfarrbuch VIII, Pfarrarchiv Schnürpflingen)
1435 kauft Ulrich Besserer den Groß-und Klein-zehnten um 120 fl von Schnürpflingen und Beuren, für die Pfarrei und Kirche zu Schnürpflingen (Familiengeschichtliche Blätter,15.Jg ,Hefttl 1919).In diese Zeit fallen auch die Ereignisse ,die, wenn auch nicht direkt Schnürpflingen berühren, so doch Einfluß auf die Geschichte des Dorfes haben. Schnürpflingen gehörte wie schon erwähnt, zur Grafschaft Kirchberg und teilte so auch ihr Schicksal.

Am 19.Juni 1481 verkauft Graf Wilhelm zu Kirchberg die Grafschaft Kirchberg, das Schloß Illerzell, die Herrschaft Wul1enstetten mit allem Zubehör um 31000ß fl. an den Herzog Georg in Bayern. Dieser überlässt dem Grafen das Schloß Kirchberg jedoch pflegeweiße.

Um das Jahr 1500(1498 oder 1499) zog der erwählte römische König Maximilian das Besitztum Georg von Bayern wegen dessen Ungehorsam ein.

Am 20.Dezember 1507 wird der Einzug der Güter im Donau-Illerland durch die Herzöge Albrecht und Wolfgang von Bayern bestätigt.

Dies bedeutet für die Grafschaft Kirchberg, für die Stadt und Herrschaft Weißenhorn mit den Nebenherrschaften Wul1enstetten, Marstetten, Pfaffenhoffen, Buch u.a., Daß sie dem Vorderösterreichischen Lehensverband eingegliedert wurden. Der immer geldbedürftige deutsche König und spätere Kaiser benutzte die Herrschaft um sie zunächst pfandweiße an den Grafen Eitel Friedrich von Zollern. um 20000 fl auszuleihen. Dies bezeugt eine Urkunde vom Jahre 1514, die ein Wiedereinlösungsrecht der Grafen von Kirchberg regelt.

Der Hohenzoller muß auf die Grafschaft verzichten und zurücktreten als Maximilian für ihn weit günstigeres mit ihr ausführen will. Er löst die Grafschaft zunächst ein, um sie gleichfalls in Form einer Pfandschaft, die allerdings dann nie mehr eingelöst wurde, an den zahlungsfähigsten Mann in seinem Reiche, an Jakob Fugger zu verkaufen. (Jakob Fugger der Reiche).

Das geschah am 27.7.1507 in Konstanz. Der Verkauf fällt in die Zeit größter Inanspruchnahme der fuggerischen Bank seitens Maximilians, der jetzt Geld für die Italienfahrt und für seine Kaiserkrönung benötigt. So steht die Erwerbung einer Grafschaft durch einen Augsburger Bürger mit der Erwerbung des Kaisertitels für Maximilian 1. (Trient 1508) in Zusammenhang..(Frhr. von Pölnitz, Jakob Fugger 1.Kap.VIII Tübingen 1949,S.:167-204)

Die Grafschaft Kirchberg und mit ihr die Stadt Weißenhorn sind die ersten erworben Herrschaften Jakob Fuggers. Ihnen folgen l509 Schmiechen an der Paer, 1514 Biberach mit Markt bei Wertingen.
Mit der Grafschaft Kirchberg erhie1t Jakob Fugger das Schloß Illerzel, die Herrschaft Wullenstetten und Pfaffenhofen und die Vogtei über das Kloster Wiblingen um 25000 fl zum Kauf, mit Weißenhorn, Stadt und Herrschaft, die Herrschaften Marstetten und Buch mit allem Zubehör um 12000 fl (Erst. und gräfl.Fuggersches Familie , u.Stiftungs-Archiv,Archiv Signatur 27.1.4. und 213,1)
Unter den empfangenen Herrschaften war die Grafschaft Kirchberg die größte mit 60 größeren und kleineren Dörfern. (Ernst Hering, Die Fugger,S.194 Leipzig 1939).

In ihr waren acht oder neun Ritter und Edelleute ansässig, die einen Herrensitz mit dem dazugehörigen Dorf als freies Lehen hatten.( Hering,. Die Fugger, S.195)
Da diese gewisse Hoheitsrechte, meist grundherrlicher Art beanspruchten, blieb eine Auseinandersetzung mit den Inhabern der Grafschaft nicht aus. So kommt es zum Beispiel im Jahre 1511 zu einem Vertrag zwischen Jakob Fugger und Eitel Besserer wegen der niederen Gerichtsbarkeit zu Roth und Schnürpflingen.

Jakob Fuggers Neffe Anton, der Begründer der Antoniuslinie des Hauses Fugger, protestiert gegen Ansprüche Eitel Hans Besserers zu Ulm -Schnürpflingen bezüglich niederer Gerichtsbarkeit. . .

wird Eitel Hans Besserer mit einem neuerbauten Häuslein außerhalb des Etters zu Schnürpflingen belehnt.(Reversbrief vom 12. Dez. 1567) Jenseits des Etters scheint die grundherrliche Zugehörigkeit umstritten gewesen zu sein, denn in dem Jahre 1572 kommt ein Vertrag zu Stande zwischen Christoph Fugger und Eitel Hans Besserer, der die Frage niederer Gerichtsbarkeit außerhalb des Etters, des Geäckerichs und des kleinen Weidwerkes regelt. Christoph Fugger ist der Sohn des bereits 1536 zu Mickhausen verstorbenen Raymund Fugger (der Bruder Anton Fuggers) der Begründer des Raymundusstammes, des Ahnherr des jetzigen Grafen Fugger Oberkirchberg wurde.

Der Vertrag hat folgenden Wortlaut:
Copia
Schnirpfligischen Vertrags zwischen der Grafschaft
Kirchberg uffgericht Anno 1572.
zu wissen und kund sei menniglichen nach dem sich zwischen dem wohlgeb. Herrn Herrn Christoph Fuggern, Herrn zu Kirchberg und Weißenhorn etc. eines- und dann dem Edlen und Ehrenvesten Eitel Hans Besserer dem Aelteren zu Sch. andernteils; erstlich w/ der Nidergerichtl. Obrigkeit zu Sch. ausserhalb Oetters; dann des Geäckerichs halb auf des Besserers Hölzer daselbst, letzIich w/ des kleinen Weidwerks, Spän und Irrungen gehalten, dass vorgenannte beide Teile sich auf folgende Mittel und Punkte gütlich und freundlich, jedoch auf ratifizierung und Bewilligung des Erzherzogs Ferdinand als Eigentumsherren der Grafschaft Kirchberg, vereinigt und vertragen haben.

  1. 1. soll w/ der Nidergericht. Obrigkeiten gelten, dass diese dem Eitel Hans Besserer zustehen soll, und zwar nicht allein innerhalb, sonder auch ausserhalb Etters, soweit sein Grund und Boden, Zwing und Bänn um Sch. gehet, doch mit dem ausbedingten Unterschied der sich ausserhalb Sch. Etters auf solchen Gütern einiger Schlaghandel, dessen Frevelstraf der nidergericht. Obrigkeit anhängig, zutrüge, soll ein Vogt oder Amann zu Sch. bei seinem geschworenen Eidt so er dessen halber gen Kirchberg auch geloben solle, ohne allen geschewlichen Aufzug solches alsbald gen Kirchberg dem Verwalter daselbst, und mit ihrem Vorwissen und guten Willen, selbige zu Sch. zu berechtigen oder in Güte anzunehmen schuldig sein, und alsdann einem Inhaber Sch. darum nicht mehr denn der halbe Teil, der Grafschaft Kirchberg verfolgen und zugestellt werden.
  2. Fürs andere w/ das Geäckerich in den Hölzern zu Sch. Wurde bestimmt, dass wenn die Amtleute zu Kichberg dasselbe beschlagen und Schwein einnehmen wollen, dessen sie dann Gewalt, Macht und Recht haben sollen, die Zeit desselben währenden Aeckerich, das Eicheln schütteln oder schlagen oder klauben, auch in den Hölzern von Sch. nach landläufigem Gebrauch männiglich zu verbieten und die Uebertreter zu bestrafen, und sollen alsdann die Kirchbergische Amtleute eines Inhabers Sch. desgleichen seines Pfarrers, und Amtmanns und dann der armen Leuth daselbst Sauen vor anderen bedenken und einer jeden Feuerstatt zwo Sauen, nicht darüber einzunehmen schuldig sein, dass sie dann das Äckergeld halber gleich anderen gehalten werden, und aber im selben einem Inhaber Sch. und seinem Amtmann und Pfarrer daselbst,. allen dreien miteinander acht Sauen des Äckergelds frei sein sollen, dafür soll der Amtmann darauf sehen, das niemand Eicheln schüttle, schlage oder klaube.
    Sollten jedoch in einem Jahr die Amtleute zu Kirchberg auf das Äckerich verzichten, so soll es einem Inhaber zu Sch. Unbenommen sein, seinen armen Leuten zu vergonnen, in den Hölzern seines Grund und Bodens Eicheln schütteln, schlagen oder klauben zu lassen, oder es ihnen aber nach seinem Willen zu verbieten, wie mit Alters herkommen.
    Ausgenommen von dieser Abmachung soll ein dem Besserer gehöriges hölzlein, der Khagnach genannt, sein, über das die Amtleute zu Kirchberg bezüglich des Eckerich nichts zu bestimmen haben, sonnder allein Besserer.
    3) Was das Waidwerk angelangt, so soll sich ein Inhaber Sch.. desselben ganz enthalten ausserhalb des folgenden Bezirks: Von Sch. Auf zwischen unser Frauen Holz und Ammerstetten MedIen, und das Teuch hinab bis gen Ammerstetten, von dannen gestrackten Weg schnurgerad der Weihung zu, auf den Steig so von Sch. gen Weinstetten gehet, von dannen ungefähr zwischen dem oberen und mittleren gathslöchlein den nächsten hinab in die Weihung Gwand oberhalb Steinberger Weihers und von der Weihung hinauf bis wieder gen Sch. Innerhalb des genannten Gezirks mögen künftighin die Inhaber Sch. hezen oder jagen nach Füx und Hasen, von Michaelis bis zu Lichtmess, und darvor und darnach nit mehr und also zu keinem anderen Zeiten.
    Daneben soll ihnen zugelassen sein, sich der Vogelherd zu gebrauchen und von der Hand zu beizen, doch ist ihnen dabej aus sonderen gutem nachbarlichen Willen vergunnt und zugelassen, wann sie bis weilen samt ihrem Frauenzimmer oder vor sich selber nach Jakobi gen Sch. nauskommen mögen, sie nach Hasen ihren Lust wohl suchen, doch mit dem Beding, wann sie zu der Zeit zwischen Jakobi und Michaeli einig Garn richten und nach Hasen jagen wollten, dass sie solches zuvor Gen Kirchberg jederzeit der Herrschaft daselbst oder ihren Verwaltern, ob es ihnen Wildbret halber nicht schädlich, anzeigen, da es sich befinde, dass, selbiger Zeit dem Wildbret schädlich, sollen sie sich dessen enthalten, desgleichen zu solchen kleinen Waidwerk solche gemeine Jagdhunde ungewöhnlich gebrauchen, die zu Füx und Hasen und dem kleinen Waidwerk dienstlich und also in allweg soviel möglich dem Wildbret nit schädlich seien.
    Beide Teile ab angesagter Punkten und Sachen gericht und geschlicht, geeint und vertragen sein, und was sich für Unwille und anders bishero darunter gehalten, und getragen, soll genzlich aufgehebt, tot und ab sein.
    Dieser Vertrag soll der Grafschaft Kirchberg an ihrer hochgerichtlichen Obrigkeit zu Sch. Inner- und ausserhalb Etters, auch an ihrer forstlichen Obrigkeit, dem Inhaber aber ah seiner Nidergerichtl. Obrigkeit, In allen anderen Fällen, so diesem Vertrag nicht zuwider, unnachteilig und unpräjudizierlich sein.
    Und dem nach aber der obgemeldt Eitel Hans Besserer der Alt vor Verfertigung dieses Vertrags von dem lieben Gott aus dieser Zeit erfordert worden, hat doch Eitel Hans Besserer, sein nachgelassenen Sohn, und jetzt als Inhaber Sch. solchen Vertrag obgehörter Massen und Gestalten beliebt und angenommen.

Schlussformel,
Freitag nach Hillarij, 18.Jenner 1572.
Christoph Fugger
(Staatts- Filialarchiv Ludwigsburg)
Eitel Hans Besserer
von und zu Schnirpflingen.

Die Differenzen mit den Inhabern von Schnürpflingen führten wahrscheinlich zu einer Verschärfung des Verhältnisses zwischen Besserer und Fugger. Eine Loslösung von jeder fuggerisehen Gerichtsbarkeit erreichte Eitel Hans Besserer zu Schn. 1577 von Kaiser Rudolf II. durch ein Gerichtsprivilmg, das Eitel Hans Besserer zu Schnürpflingen und seine Erben, Angehörigen und Untertanen die Exemption von fremden Gerichten verleiht.
Bereits damals hatte Eitel Hans Besserer Grundbesitz in Beuren. Ein Vertrag zwischen Phillip Eduard Fugger und Oktavian Sekundus Fugger und Eitel Hans Besserer zu Schnürpflingen, Güter zu Beuren betreffend, wird 1582 zu Augsburg bestätigt (Fürstl. u. Gräfl. Fuggersches F.u.St. Archiv)
Die schon erwähnten Spannungen zwischen den Fuggern und Besserern
dürften in dieser Zeit in erster Linie in konfessioneller Hinsicht zu suchen sein. Während die Fugger eine streng katholische Familie war, führten die Besserer in Schnürpflingen die Reformation durch. Der genaue Zeitpunkt der Reformation ist nicht bekannt. Der einzige Anhaltspunkt findet sich in einer Veröffentlichung von Dr. Giefl im Diözesanarchiv von Schwaben, III.Bd.S.83,u. 94 ff und zwar in dem Extrakt der im Jahre 1557 abgehaltenen Kirchenvisitation im Gebiet der Reichsstadt Ulm durch Superintendent Dr. Ludwig Rabus.
Danach gehörte der Flecken dem Eitel Hans Besserer zu und der damalige lutherische Pfarrer Johann Liebmann wurde 1577 im Examen als ein ungelehriger halsstärriger Mann befunden, der voller Irrtümer steckt und die Schrift fälschlich anzieht. (Wttbgsche Vierteljahreshefte, NF.1918 S. 126 fr)

Wappen der Besserer

Geschichte der Besserer

Über die Reformationszeit findet man nirgends Schriftstücke.
Ebenso ist die Reihe der Predikanten während der Zeit da Sch. evangelisch war, bekannt.

Als Besitzer des Reichslehens Beuren empfangen die Besserer einen Lehensbrief Kaiser Rudolf II., der für die Brüder Eitel Hans und Eitel Hyronimus über Güter, Hof und 4 Sölden und Rechte zu 'Beuren ausgestellt ist.

Nochmals wird ein Ausgleich betreff gerichtlicher Zugehörigkeit nötig. Ein Vertrag zwischen den Inhabern der Grafschaft Kirchberg und Eitel Hans und Eitel Hyronimus Besserer zu Schnürpflingen wegen der Gerichtsbarkeit auf einem neuerbauten Häuschen zu Beuren außerhalb des Etters, trägt das Datum vom 3.10.1607

wird von Kaiser Matthias zu Regensburg dem Eitel Hans und Eitel Hyronimus Besserer zu Schnürpflingen das von Kaiser Maximilian II. durch den 24.70 1576 erteilte Schutzprivileg gegen die Juden neu bestätigt.

empfangen dieselben einen Lehensbrief gleichen Inhalts wie 1601 von Kaiser Ferdinand II.

Um das Jahr 1630 erscheinen ebenfalls als Besitzer von Schnürpflingen.
die von Berlichingen. Diese kamen durch Einheirat in den Ort. Die Anna Regina von Berlichingen war eine geborene Besserer von Schnürpflingen.

2. Dezember, unter diesem Datum findet sich ein Vergleichsrecept.
Es betrifft die künftige Kaufsumme des Anteils der Besserer an dem frei, eigenen, adligen Rittergut Schnürpflingen zwischen Hans Wilhelm von Borsch und seiner Frau Mutter Anna Rosina von Schlirba, gebe von Wollwarth Witwe und Johann Hoffmann Obrist Leutnant, im Namen seiner lieben Hausfrau Maria Margaretha, geb. von Wollwarth und Gottfried Eberhard Besserer von und zu Schnürpflingen und Schnaitheim." Eberhard Besgerer verpflichtet sich, an seine Basen über kurz oder lang den Anteil an Schnürpflingen zuerst abzugeben und zu billigem Wert.

Von diesem Vertrag muß Graf Albert Fugger gehört haben und er verwahrt sich dagegen. In einem Schreiben an den Prälat in Wiblingen schreibt er:

Daß aber andere und zwar Lutherische diese Güter affectieren und darauf kommen sollen, sind dieses lähre ainbildungen und lather Thräume, und gesetzt, daß ein oder anderer Lutheraner solche Güther kaufen sollte, so gebührt mir doch dabei das Jus retractus " (Wttbgschs Staatsarchiv Fasz .1', -597)

Graf Albrecht Fugger muß mit seinem Protest Erfolg gehabt haben, denn vom 5.6.1662 stammt eine Obligation des Grafen Albrecht Fugger über 5000 fl als Schuldrest an dem Kaufschilling von 6000 fl samt 100 fl Leihkauf für das adelige Gut und Dorf Schnürpflingen, welches er von Anna Margaretha Aiblinger und der Witwe Maria Jacobea von Neuhausen, beide geborene von Berlichingen käuflich erworben. (Fürstl. und Gräfl. Fuggersches F.ugST. Archiv Sign. 221,1)

Am 10. Juli 1669 starb Gottfried Eberhard Besserer von Schnürpflingen und Beuren. Dieser Gottfried Eberhard Besserer war zum katholischen Glauben übergetreten. Da Schnürpflingen bereits verkauft war, hatte er nur noch sein Reichslehen zu Beuren. Güter, Hof und 4 Sölden und Rechte zu Beuren.

verleiht Leopold I. dieselben Güter und Rechte zu Beuren den Vormünden der Söhne des Gottfried Eberhard Besserer.

Am 12.8. verkauft jedoch Johann Phillip Besserer, Sohn des Gottfried Eberhard Besserer" sein Reichslehensgütlein in dem Weiler Beuren um 2000 fl an den Abt von Wiblingen. Doch bleibt es nicht bei Wiblingen. Wie und wann es fuggerisch wird, ist nicht zu ersehen, doch belehnt 1766 Kaiser Josef II. Joh. Nepomuk Fugger und Agnaten damit. (Fürst. U.Gräfl. Fuggersches FTU.St. Archiv Sign. 221,1 - 219,3,-214,3)

Mit dem Verkauf Beurens haben die Besserer ihren letzten, Besitz in Schnürpflingen verloren. Über das weitere Schicksal der Besserer von Schnürpflingen ist nichts mehr bekannt.

Zusammenfassend sei die Geschichte der Besserer wiedergegeben, wie sie Pfarrer Gustav Merk in den Familiengeschichtlichen Blättern veröffentlicht hat.

Schnürpflingen an der Weihung im württembergischen Oberamt Laupheim nannte ein adeliges Geschlecht sein eigen, das sich Besserer von Schnürpflingen nannte. Es entstammte der Familie des Otto Besserers, Sohn des Ulmer Stadtrechners Heinrich Besserer. Der Liber manualis ad usum et informationem parochi Scbnürpflingani von 1776 besagt, daß nach einer Mauerinschrift auf der Epistelseite des Hochaltars in der Kirche zu Schnürpflingen Otto Besserer und seine Hausfrau Adelheid Streiterin im Jahre 1356 gestorben wären.

Er solle der Stifter der Kirche daselbst gewesen sein. Nach einer anderen Inschrift an der Kirchenmauer auf der Evangelienseite starb 1614, den l, April zwischen l2 und 1 Uhr die, edle Frau Anna Maria Besserin von Schnürpflingen, geborene Deuflin von Bürksee zu Schwarzfeld, ihres Alters 9 Tag weniger als vierzig zwei Jahr, dero der allmächtige Gott gnädig seyn wolle und ,am jüngsten Tag mit allen christgläubigen seelen ein fröhlich auferstehung zu besitzug ewiger freid und seligkeit verleihen wolle.

"Ob ich wandle im finsteren ThaI,
fürcht ich kein unglück überal,
weil ich Herr christe habe dich,
dein stab und stecken tröste mich.“

Dieser Grabstein lag aber später auf der Besserschen Gruft in der Kirche. Am 7.Mai 1784 ließ dieselbe der Pfarrherr Franz Josef Dilger in Schnürpflingen vor Beginn der Kirchenrenovation öffnen, um sich zu vergewissern, ob dieselbe die vorzunehmende Vergrößerung der Kirche aushalte. Sie befand sich damals im Chor der Kirche; eine gute steinerne Treppe führte zu derselben hinab. Jetzt befindet sie sich nach dem Neubau der Kirche 1885 ein Stück hinter dem linken Seitenaltar und der Zugang zu derselben unter den ersten Kirchenstühlen ist durch einen alten breiten Stein kenntlich gemacht In der Länge mißt sie 13 Schuh 4 1/2 Zoll und ist 10 Schuh breit und 7 Schuh hoch. im ganzen barg. sie 1784 sieben damals schon zum Teil ganz verfaulte Särge, wovon heute nur noch Überreste vorhanden seien. Bis zum Jahre 1784 habe man in Schnürpflingen nur soviel gewußt daß eine Gruft in der Kirche sei, aber nicht wo, und die meisten Leute haben geglaubt, daß sie sich im Langhaus befinde.

Als ältestes bekannte Glied der Familie Besserer in Schnürpflingen tritt uns Ulrich Besserer, Bürger zu Ulm entgegen in dem am 7.Mai 1435 erfolgten Lehenskauf des Groß- und Kleinzehnten von Schnürpflingen und Beuren für die Pfarrei und Kirche zu Schnürpflien um 120 fl. Das Verzeichnis der Besserschen Lehensgüter zu Beuren führt auf, das Haus und zwei Gärten des Jakob Hönlin mit 38 Jauchert Ackr 15 Tagwerk Wiesen und 2 Hölzern, ferner Haus und Stadel des Konrad Aublin mit Garten, 7 1/2 Jauchert Acker und 5. Tagwerk Wiesen, Hofstatt und Garten des Jacob Schmid mit 4 Jauchert Acker und 1 Tagwerk Wiesen, Hofstatt und Gärtlein des Michael Baader, Hofstatt und Garten des Hans Konamann, mit 4 Jauchert Äcker und 1 Tagwerk Wiesen, Hofstatt und Garten des Hans Mayer mit 4 Jauchert Acker und 3 Tagwerk Wiesen, eine halbe Hofstatt und eine halben Garten des Jacob Kaufmann, während die andere Hälfte dem Grafen von Kirchberg gehörte.

Nach den Pfarrbüchern werden in Schnürpflingen zwei Schlösser aufgeführt und daraus schloß man, daß 2 Brüder Besserer dase1bst gewesen sein sollen. Urkunden und Akten aber schweigen hierüber. Nur soviel ist gewiß, daß zur Zeit der Reformation der Flecken Schnürpflingen dem Eitel Hans Besserer (1557) zugehörte und bei dem Versuch der Durchführung des Restitutionsedikts durch den Grafen Hans Ernst Fugger von Kirchberg im Jahre 1630 die Witwe des Hieronymus Besserer; Maria Amalia, geborene von Aurbach und Hieronymus Christophorus von Berllichingen mit seiner Gemahlin in Schnürpflingen Sitz und Wohnung hatten. Die angestrebte Gegenreformation hatte aber keinen Bestand. Die Ulmer Verwandten der Amalie von Besserer .und Christoph von Berlichingen erhoben dagegen Einspruch und der neue katholische, von der Fugger= Kirchbergischen Kommission eingeführte Pfarrer Michael Hörlin wurde von den Schweden vertrieben und die Pfarrei Schnürpflingen blieb lange Zeit ohne jeglichen Geistlichen weder des einen, noch des anderen Bekenntnisses.

Die Besserer aber seien nach Ulm gezogen. Nach dem Westfälischen Frieden verkauften die Besserer Schnürpflingen an das Kloster Wiblingen, von da kam es an Albert Fugger, den Sohn des Hans Ernst Fugger von Kirchberg. lm Jahre 1657 gelang es Albert seinen Plan durchzuführen, Schnürpflingen wieder dem alten Glauben zuzuführen. Die Einwohner wurden vertrieben und eher ließen sie ihre Habe zurück, als vom lutherischen Bekenntnis abzugehen.

Für die früheren Einwohner, die sich in benachbarten Orten, wie Oberholzheim und Ehingen niederließen, kamen von 1664 an hauptsächlich Schweizer, Tiroler, Österreicher, Bayern und wurden zu Kirchberg= Fuggerischen Untertanen an = und aufgenommen. (Zum Beispiel der Name Jans und Isser ist schweizerischer Herkunft.

1772 wird der Bauer Gabriel Jans noch als der Schweizersbauer bezeichnet. Ebenso erinnern viele andere Namen wie z.B. Paulmaier, Obermaier, Ziesel, Nothelfer, Regenbogen etc. an die bayrische, bezw. tirolerische Herkunft. -Anm. d. Verf.) In der Folgezeit erscheint nur ein katholisches Glied der Besserer, Gottfried Eberhard Besserer von Schnürpflingen und Beuren mit seiner Ehefrau Margaretha Bessererin de Beyren. Nach dem Taufbuch III nannte er sich Besserer a’ Schneitten. Es wurden ihm zu einer Zeit, da in Schnürpflingen kein Pfarrer war, in Steinberg, dessen Pfarrer Jacob Mundig Schnürpflingen versah, folgende Kinder getauft:
1664 März 7 Gabriel Besserer de Schnürpflingen
1666 Juni 13 Conradus von dem Pfarrer Christian Schwarzmann in Schnürpflinen
1668 April 21 Johann.Phillip Besserer
1670 Januar 5 Anna Besserer
Über den Lebensgang dieser Bessersehen Abkömmlinge ist aus den Kirchenbüchern nichts zu ersehen. (Anmerkung des Verfassers:Laut Fürstl. Gräfl. Fuggerschen F.u.St. Archiv Sign. 219,3- siehe unter 1694, muß der 3. Sohn des Gottfried Eberhard Besserer, Johann Phillip Besserer der Erbe der noch vorhanden Güter sein, da er diese im Jahre 1694 verkauft.) Der Vater Gottfried Eberhard Dominus in Schnürpflingen et Beyren starb sm 10. Juli 1669 und wurde in der Gruft beigesetzt. Seine am 13. März 1691 verstorbene Gemahlin Margaritha fand neben ihm die letzte ruhestätte.

Die von Gottfried Eberhard Besserer gestiftete Jahrzeit soll jedjährlich am 13. August mit Vigil, Nocturn und Vesper an der Gruft mit 3 Priestern gefeiert werden.

Der Chronist Dilger von Schnürpflingen berichtet, daß ihm ein angesehener alter Mann der Pfarrei versichert habe, eine Person aus der Familie der Besserer gekannt zu haben. dieselbe sei in dem von Konrad Kiechle in Beuren bewohnten Hause gewesen und habe an Kleidung und Lebensaufwand bäuerlich Bund ärmlich gelebt. Sonst habe er auch von seinen Eltern nie über die Besserer erzählen hören.

Über die Zeit, da Schn. evangelisch war, kann man nichts in Erfahrung bringen. Auch über die Zahl und Reihenfolge der Prädikanten läßt sich nichts sagen. Nur einer unter ihnen machte von sich reden. Es war der Prädikant Thomas Veit der 5 Jahre lang im Ort war und im Jahre 1622, nachdem er vom evangelischen Glauben abgefallen war, ein Buch schrieb mit dem Titel: Laquei Lutherani. Pfarrer Dilger weiß darüber folgendes zu erzählen:

Thomas Veit bereitete seine Bekehrung ganz im Geheimem vor, so dass niemand etwas ahnte. Er wurde vom Abt Franz von Wiblingen unterwiesen. Außerdem wurde er noch von dem Jesuiten Laurentius Forerus unterrichtet worden. Es wird erzählt, daß er öfters mehr des Weines voll als der Unterweisung aus dem Kloster Wiblingen zurückkam. Im Jahre 1621 schwor er dann dem lutherischen Glauben ab und ging mit seiner Frau nach Dillingen, wo er bei Bischof Heinrich von Augsburg als Kanzleimitglied Unterschlupf fand.

Die Wohnung des Prädikanten sei in einem Kornspeicher gewesen und hieß noch zur Zeit seines Vorgängers, des Pfarrers Jakob Stempfl (19.März 1733 - +29.2.1764) "dz predikamten stüble".
Pfarrer Stempfl ließ aber das Haus niederreißen. (Pfarrbuch 111, S.147,Schnürpflingen)
Der erste Versuch der Gegenreformation wurde im Jahre 1630 durch den Grafen Ernst Fugger gemacht. Lassen wir jetzt wieder Gustav Merk erzählen, der an Hand der Pfarrbücher in den Württembergischen Vierteljahresheften NF Jg. 1918, 8.124 ff. einen Aufsatz Veröffentlicht hat, unter dem Titel "Die Gegenreformation und das Ende der Besserer."

Der erste Versuch der Restitution des alten Bekenntnisses zu Schnürpflingen wurde laut Instrument (Abschrift im Pfarrbuch 111, Schnürpflingen) des Notars Andreas Faber, Bürgers zu Augsburg und Fuggerscher Obervogt der Herrschaft Brandenburg, am Sonntag den 1. September 1630, .gemacht. Im Auftrage des Grafen Ernst Fugger zu Kirchberg und Weißenhorn hatten die Fuggerschen Räte Marx Lutzenberger und Raymund Murer. als Kommissäre des Erzherzogs Ferdinand von Österreich, die Kapitelsdekane von Ehingen und Laupheim Dr. theol Hildenbrand, Pfarrer von Griesingen und Jakob Abbt, Pfarrer von Rißtissen als bischöfliche Kommissäre mit zwei Zeugen das Werk zu vollbringen.

Am 31.August ließ man an die Witwe Maria Amalie Besserer von Schnürpflingen, geb., von Aurbach und dem Hieronymus Christoph, von Berlichingen, oder in seiner Abwesenheit seiner Ehefrau Anna Regina gegen Bescheinigung von Kirchberg ein Schreiben zugehen mit der Aufforderung, ihre Untertanen alt und jung, Manns= und Weibspersonen, Knecht und Mägde anzuhalten, am Sonntag 1.September neuen Kalenders, morgens 7 Uhr auf dem Platz vor der Kirche zu erscheinen, den gräflichen Befehl zur Reformation anzunehmen und zu befolgen. und gegen den neuen Pfarrherrn sich so zu bequemen, daß man keine Ursache habe, sich zu. beklagen. Weiter wird verlangt, daß die seit der Abstellung der alten wahren katholischen Kirche und Einführung des lutherischen Irrtums vorhandenen Kirchenparamente, Kelche, Messgewänder Kreuz und Fahnen, auch andere Ornamente in der Gerichtsherrschaft Schnürpflingen unweigerlich nach Kirchberg, in das Amtshaus geliefert werden sollen, damit sie dem von den Bischöflich- konstanzschen .Kommissären bestellten Pfarrer und katholischen Priester eingehändigt und übergeben werden können. Weil Hieronymus von Berlichingen nicht anwesend war, beratschlagten sich die beiden Frauen ,und sandten ihren Vogt Thomas Meyerhauser zu den Kommissären ab, der seinerseits wieder den Frauen seine Meinung sagte. Sie ließen den Empfang des Schreibens und des Befehls bestätigen und, gaben der Hoffnung ausdruck, man werde sie mit der vorhabenden Religionsverrichtung verschonen und die selbe einstellen, weil das Gut Schnürpflingen ohne Mittel, ein freiadeliges ritterliches Gut sei und jederzeit, wie, jetzt noch zur Ritterschaft zugeteilt, aller Freiheiten fähig, von dem Religionsfriedensvertrag zu Passau und des Reichsabschieds befreit sei und die Witwe Besserin mit ordentlichen Beiständen noch nicht vorstehen könne und der Ehevogt der Frau von Berlichingen auch nicht bei der Stelle sei.

Die Antwort der Kommissäre ab er lautete, daß alle diese Umstände von Erzherzog Leopold und Graf Hans Ernst Fugger wohl erwogen und bedacht worden seien. Da die Besserer weder den Passauer Vertrag noch den Rechsabschied zuzunehmen zugelassen haben, so sei festgesetzt, daß die Herrschaften und Obrigkeiten, denen die unmittelbare hohe Obrigkeit zustehe, dieselben auch in Religionssachen zu bestimmen haben und weil die Grafschaft Kirchberg und deren Inhaber über Schnürpflingen die Zivil= und hohe Malefizobrigkeit immediate haben, so werden sich die Kommissäre nicht abhalten lassen, das durchzuführen, was sie den Frauen gestern bekanntgegeben hätten.
Es wird angedeutet, daß sich die Frauen ohne Widiersetzen und gutwillig dazu bequemen und daß sie nicht Ursache geben, etwas zu erwecken, das ihnen hernach schwerfallen möchte, was der Vogt anzeigen und referieren möge.Zu dem ersten Geschäft bei der Ankunft der Kommissäre in Schnürpflingen gehörte, nach dem lutherischen Prediger zu senden, ihn vorzuladen und durch Lutzenberger zu vernehmen. Es wurde ihm befohlen, daß er mit den Seinigen bis morgen 10 Uhr den Pfarrhof und Flecken Schnürpflingen räumen solle, auch weiter mit einigen Untertanen der Religion halber keine, auch nicht die wenigste Gemeinschaft habe, und weder heimlich noch öffentlich verkehren und besonders der Kirch und der Kanzel sich ganz enthalte. Der Prädikant wendete ein, daß er als ein Deiner der beiden Junker bestellt und angenommen sei, wenn er von denselben entlassen werde, wolle er sich fügen. Es wurde ihm aber zu verstehen gegeben, daß er hiemit kraft gnädigsten Befehl abgeschafft sei und dass zu anderem nicht Anlaß gebe. Auf seine weitere Einwendung dass es ihm unmöglich sei, sobald mit leerer Hand abzuziehen, weil er mit den Heiligen und mit dem Junker abzureuhnen habe, wurde ihm kurzweg befohlen zu gehorchen. Beim Heiligen oder von des Heiligen wegen gestand man ihm keine Schuldforderung zu und wenn der Junker ihm etwas schuldig sei, werde er schon wissen, wo er sein Guthaben zu suchen und zu finden habe.

Unterdessen hatten sich die Kommissäre auch bei den beiden Frauen anmelden lassen. Die Witwe Besserer ließ sich entschuldigen, dass sie nicht wohlauf und sich im Bett befinde und ließ zugleich sagen, daß sie ihren bereits erwähnten Vogt zu den Kommissären, wohin es dieselben belieben werde, abordnen wollen. Die Frau von Berlichingen aber stellte es anheim, zu ihr ins Schloß zu kommen oder sie wolle zu den Herren ins Wirtshaus, wo der Notar anwesend war, gehen. Die ganze Kommission begab sich aber in den oberen Schloßhof, wo im Namen der Witwe Besserer auch der Vogt sich eingefunden hatte. Die Kommissäre erinnerten nachmals an das Ankündigungs = und Untersuchungsschreiben und die Notwendigkeit, daß den Untertanen befohlen werde, sich zur Änhörung der erzfürstlichen Befehle einzustellen. Sollte dies aber wider Verhoffen nicht geschehen, so müsse man sich anderer Mittel bedienen, wozu es aber die Frauen nicht werden kommen lassen.. Nach Entfernung der Kommissäre fand eine Unterredung zwischen dem Prediger, dem Vogt und der Frau van Besserer statt, die nochmals versicherte, daß sie auch dem Schultheißen anbefohlen habe, daß die Untertanen sich gehorsam einstellen. Im übrigen wisse sie die Untertanen in dieser als einer Gewissenssache nich " zu nötigen noch zu zwingen,“ sondern einen jeden glauben, was er in seinem Gewissen getraue zu verantworten. Auch die Kirchensachen, Ornate und Paramente, Dokumente und Register sollten den Kommissären ausgeliefert werden, damit man wisse, was zur Kirche und zur Pfarrei gehöre. Darauf antwortete die Frau van Berlichingen, daß zwar einige Sachen in der Hauskapelle aufbewahrt werden, sie wisse aber nicht, was es sei und sie könnte nicht dazu, weil ihr Junker die Schlüssel dazu habe, man wolle bis zu seiner Ankunft zuwarten. Von Schriften und Registern wisse sie ebenfalls nichts, als was in der Heiligenbüchse zu finden sei.

Es wurde befohlen, nichts zurückzuhalten oder zu verschlagen; es seien Kaufbriefe vorhanden, daß das
Gut Schnürpflingen samt dem großen Zehnten vor vielen Jahren (1435) verkauft worden sei. Die beiden Frauen wurden nochmals erinnert, die Untertanen zum Besuch des Gottesdienstes und Anhörung der Messe und Predigt andauernd weder abzuhalten noch abzumahnen. Darauf antwortete sie nachmals, „sie lasse einen jeden glauben, was er getraue zu verantworten, könne diesfalls niemand zwingen."
Bis die Untertanen zusammenkamen, hatte man eine Stunde und noch länger warten müssen und die Kommissäre meinten, daß sich auch die Weiber einstellen sollten. Allein ungefähr um 9 Uhr erschienen nur die Mannspersonen allein und in ziemlich großer Anzahl. Auf dem Kirchhof hielten ihnen die Kommissäre Vortrag und verlasen das Wiederherstellungsinstrument. Sowenig es den vorherigen Inhabern von Schnürpflingen, den Besserern, zugestanden sei, die "Reformation und die Veränderung der alten wahren katholischen Religion und die Einführung des lutherischen Irrtums" zu bewerkstelligen, sowenig habe es dem unlängst verstorbenen Eitel Jeronimus Besserer gebührt, der beabsichtigten Abschaffung der lutherischen Sekte und Wiederaufrichtung der alten, wahren Religion de facto und mit Trotz sich zu widersetzen. Auf Betreiben des Bischofs Johann von Konstanz habe Erzherzog Leopold von Österreich dem Grafen Hans Ernst Fugger, Graf zu Kirchberg und Weißenhorn, als rechtmäßigen Administratoren der Grafschaft Kirchberg befohlen, den lutherischen Prädikanten alsbald ab = und hinwegzusetzen und statt dessen einen exemplarischen Priester einzusetzen und die Untertanen zum gebührlichen Gehorsam gegen denselben, soviel die Religion betriff t, zu erinnern und anzuhalten.

Sie, die Kommissäre, haben sich nun hierher begeben, das Vorhaben der Religionsreformation sowohl den Gerichtsherrschaften als auch den gesamten Untertanen bekannt zugeben und sie zu ermahnen dem präsentierten Pfarrer, den sie vorstellen werden, in allen Kirchenglaubenssachen gebührenden Respekt und Gehorsam zu erzeigen und etwaigen Zweifel ihm zu offenbaren. Er werde ihnen in allem zur Zufriedenheit begegnen, daß sie schließlich mit Händen greifen können, wie übel sie und ihre Voreltern von den sektischen Lehrern und Prädikanten verleitet und verführt worden seien und Gott danken, daß sie aus solchem Irrtum so väterlich erlöst und zu dem wahren alleinseligmachenden Glauben wieder bekehrt und gebracht worden seien. Da zum glücklichen Eingang und Anfang ein Lobamt "der Hl. Meß und predig" gehalten werden solle, so werden sie sich samt und sonders zur Anhörung derselben gehorsam in der Kirche einstellen und so jederzeit sowohl an Sonn= und Feiertagen, als auch sonst, wenn der Pfarrer einen Gottesdienst dem neuen Kalender nach anstellen, und halten werde, demselben mit gebührlichem Eifer und Adacht beiwohnen. Bei Vermeidung erstlicher Strafe solle keiner sich anmaßen, an anderen sektischen Orten unkatholischem Religionsexerzitio weiter Verpflichtung zu machen oder beizuwohnen und wer dabei betreten werde, solle derart bestraft werden, daß" sich dessen weiter Keiner gelüsten zu lassen, auch andere derab zu erspiegeln " haben sollen.

Da die Kommissäre den lutherischen Prediger ab = und hinweggeschafft haben, so stellen sie im Namen des Bischofs Johann von Konstanz den Pfarrkindern von Schnürpflingen Michael Hörlin als Pfarrer und Seelsorger persönlich vor mit der Mahnung, ihm in Religion und geistlichen Sachen schuldigen Gehorsam und Respekt zu erweisen und wünschen ihnen allerseits den Segen Gottes, auch viel Glück und Heil.

Nach dieser Präsentation wurde von dem Dekan des Kapitels Laupheim, Jacob Abbt, Pfarrer in Rißtissen, die Predigt gehalten, worauf von Michael Hörlin das Amt gehalten wurde, dem die Untertanen in ziemlicher Anzahl beiwohnten. Im Pfarrhof, "im andern oberen Stock". wurde hernach Hörlin eingesetzt und ihm befohlen, sowohl den Pfarrhof als auch die pfarrlichen Rechte und Gerechtigkeiten fleißig zu handhaben. Dem lutherischen Prediger aber wurde nochmals nahegelegt, den Pfarrhof und Flecken Schnürpflingen in bezeichneter Zeit mit den Seinigen zu verlassen und in Religionssachen mit den Untertanen nicht mehr zu verkehren. Er beschwerte sich aber über den kurzen Termin und, verlangt Aufschub bis kommenden Samstagabend. Es wurde ihm aber zuerst rundweg abgeschlagen und erst auf Bitten der Frau von Berlichingen ihm der Abzug auf Sonntagabend oder Dienstag früh schließlich verlängert. Die Kommissäre begaben sich hierauf wieder nach Kirchberg zurück.

Wie lange diese durchgeführte Restitution anhielt, ist nicht genau zu bestimmen, Nur soviel ist sicher, daß infolge großen Opposition der Verwandten der Frau Amalia Besserer in Ulm und des Hieronymus Christoph von Berlichingen der erste katholische Pfarrer sich nicht lange halten konnte und von den Schweden vertrieben wurde. Der Flecken Schnürpflingen selber blieb vielmehr bis zum Jahre 1656 lutherisch Erst dem Grafen Albert ´Fugger von Kirchberg, Sohn des Johann Ernst Fugger, war es vorbehalten nicht aus Anhänglichkeit an zeitlice Güter, sondern aus Eifer für die Religion", das alte Bekenntnis in Schnürpflingen auf radikalere Weise, als sein Vater es getan, wiederherzustellen.
Der Hofkanzler Baron Girardi war ihm dazu sehr behilflich und durch ihn erreichte er auch im Jahre 1656 vom Erzherzog Ferdinand Erlaubnis und Vollmacht, Schnürpflingen zu reformieren.
Er besorgte alsdann die Veröffentlichung des Mandats in Schnürpflingen und die einzelnen Einwohner mußten entweder verkaufen, und auswandern, oder sich zum römisch- katholischen Glauben bekennen.

Denjenigen aber, die nicht verkaufen konnten oder wollten,. wurde von Graf Albert ein gerechter Preis geboten, dann wurden sie, welche nicht freiwillig gehen wollten, mit Gewalt vertrieben; alten und kranken Personen wurde erlaubt bis zu ihrem Tode zu bleiben. Wunderbar sei es, wie die Überlieferung bezeuge, daß alle ohne Ausnahme auswanderten und nicht einer gefunden wurde, der aus Liebe zu seiner Habe die wahre Religion angenommen und behalten hätte. Die Emigranten aus Schnürpflingen ließen sich in verschiedenen Nachbarorten und Landesteilen nieder. Sicher ist, daß zu Oberholzheim und Ehingen verschiedenen Schnürpflinger Auswanderer gestorben sind. Dem Grafen Albert Fugger wäre es lieber gewesen, wenn bei dem Mangel an Menschen und Einwohnern die Leute nach Lossagung von der Häresie geblieben und nicht ausgewandert wären.

Nach Vertreibung der hartnäckigen Pfarrkinder lutherischen Bekenntnisses war bisher einzig und allein der lutherische Pfarrer da, der gegen dieses Vorgehen energisch protestierte und sich mit Händen und Füßen wehrte, die Kirchenschlüssel herauszugeben.

Endlich habe er dem Pfarrhaus und der Kirche den Rücken gekehrt und sei nach Ulm gegangen. Dann seien Leitern an den Fenstern angelegt und die Kirchenschlüssel geholt und der „wahre Diener Jesu Christi, ein Priester" eingeführt worden. der bisherige lutherische Pfarrer sei dann nach Urspring gegangen und dort zum Mesner gewählt worden, wo er in Abwesenheit des Predigers die Kanzel bestieg und dem Volk, da er Pastor war, das Evangelium auslegte. Er wäre auf eine andere Pfarrei promoviert worden, da er aber zu Schnürpflingen ein Mietling" (tamquam inutilis mercenarius) war, wurde er seiner Stelle beraubt, er mußte Mesner werden..

Durch die Vertreibung der Häretiker erhielt nun Schnürpflingen Einwohner aus verschiedenen Nationen, von der Schweiz, Tirol, Bayern und diese wurden als Untertanen angenommen. Nach der von Albert Fugger in Schnürpflingen durchgeführten Reformation suchte er auch mit allen Kräften Balzheim (Unter Balzheim,O.A.Laupheim) zu reformieren, aber da er daran war, starb Baron Girardi zu Innsbruck. Nach dessen Tode aber leisteten die Lutheraner den Bestrebungen des Grafen Albert Fugger heftigen Widerstand und so blieb Balzheim heute wie damals lutherisch. (Aufgeführte Quellen: Pfarrbuch VIII,S.194,192,271,Pfarrbuch III . S.155 ff Archivum Secretarii Vene Capituli Laupheimensis unter Schnürpflingen)

Fuggersches Wappen

Vom Westfälischen Frieden bis zum Staatsvertr.1810

Anno 1724 sind die Grafen Fugger von Carolo VI. von Kirchberg vertrieben worden; anno 1735 den 26.0ktobr nahmen sie wieder Poßeßion, und wurde ihnen gehuldigt. Unser regierender Graf Adam Fugger wohnte mit seiner ganzen hochgräflichen Familie in Dietenheim. Schnürpflingen war nicht österreichisch - kirchbergisch, sondern Fuggerisch - dietenheimisch. Hiesiger Wirth holte das Bier zu Brandenburg (Pfarrbuch XIII,S.lo Pfarrarchiv Sehn)

Schnürpflingen wird Sitz eines Vogtes. Der erste Vogt war Brotam.
In Ammerstetten wohnt um die Mitte des 18. Jahrhunderts der Scharfrichter der Grafschaft Kirchberg (1761 - 1762) Der Scharfrichter hieß Johann Aubele.

Kaiser Josef II. belehnt Johannes Nepomuk Fugger und seine Frau Agnate mit dem Reichslehen Beuren. Im gleichen Jahr wird auch Ammerstetten fuggerisch. Alle drei Orte erscheinen nunmehr in den Verwaltungsakten und Rechnungen unter den anderen Orten der Grafschaft Kirchberg, mit den gleichen Pflichten wie diese wobei bei Beuren an der Weihung allerdings eigens vermerkt ist, daß es ein Reichslehen ist. (F.u...G.Fuggersches F.u.St. Archif Signatur 214,3)

Am 3. Feber 1769 starb seine päpstliche Heiligkeit. Clemens XIII. Aus diesem Anlaß wurde von Konstanz befohlen, täglich zwei Stunden zu leuten. Damit dise beschwernnüß dem Meßmer nicht allein aufgebürdet würde, seyen selben alle Tage zwei Haushaltungen sowohl auf den Mittag, als auf den abend zugegeben worden; so daß jede haushaltung zwei Stund getroffen. Auf den Abend sagten jederzeit diejenige, welche gelitten hatten, ihrem Nachbarn Morgen mußt du leithen. In Zeit drei Wochen ging die Reih zu Schnirpflngen herum; die 4 te wochen sollte Beyren jederzeit mit 2 bewohnern dem Mesmer fuccurieren, weilen aber das Filial zu weit von der Pfarrkirchen entfernt, befriedigte die Gemeind Beyren den Meßmer mit 32 kr.(Pfarrbuch VII,S 87)

In diesem Jahr herrscht überall eine furchtbare Hungersnot. Die Preise für Getreide stiegen so stark, daß ein großer Teil der Bevölkerung sich das tägliche :Brot nicht mehr kaufen konnte. Im Pfarrbuch ist diese Hungerzeit recht ausführlich beschrieben.

"Dieses jahr (das sogenannte Theure jahr) verdient ausführlich und in Teutscher sprach beschrieben zu werden, damit in spatigsten Zeiten die beträngte getröst we!den können, in Betrachtung, das Gott uns Menschen liebe auch zur Zeit, da Er uns mit zeitlichen Strafen heimsucht. Bis zur Stund (im Jener) ist niemand Hunger gestorben. Aus Liebe deren Nachkömmlinge will ich alle Bedenklichere Umständ ordentlich, gethreu und wahrhaft zu papier nimmen und alle Monat den Fruchtpreis beysetzen, bis dem aller höchsten Gott gefallen wird, beßere Zeiten zu schicken. Im Monat Jener war der Fruchtpreis Körn 3 fl 50 Kr."

Im Monat März, so schreibt Pfarrer Dilger, ist kein Roggen mehr zu kaufen, die Preise für die übrigen Getreidearten steigen weiter. Auch die Kartoffeln sind für die arme Leute unerschwinglich teuer geworden. „Elende Zeit für die arme Leith nähren sich hart, doch ist bis zur Stund niemand Hunger gestorben." Auf Betreiben des Pfarrers stellt der Graf zu Kirchberg der Gemeinde ein Stück Land von 2 Jauchert als Kartoffelland zur Verfügung mit der Bedingung, daß die Gemeinde jährlich 2 fl an die Herrschaft zahlen muß. Jeder Bürger bekam ein Stück Boden mit einer Breite von 100 Schuh und einer Länge von 60 Schritt diese Grundstücke sind von den jeweiligen Besitzern nicht verkäuflich, ein jeder Teil soll und muß zu jeder Zeit bei dem Haus bleiben. "Niemand kann sagen ob sie aigenthümlich oder leibfällig seyen. Die. gnädige Herrschaft potentiert obbesagte 2 fl jährlich von dem ganzen plaz, und der Burgermaister, nicht ein jeder einzler Gemeinde, ist bezahler, auf St. Martini Tag Für den gnädiglichen Konsens den Holzboden ausstocken zu dürfen, mußte die Gemeinde alsbald 5 fl bezahlen.

Nachdem der Herr. Forstmaister Heinrich Benegger als herrschaftlicher Comisarius disen Holzboden den Gemeindern, oder Bürgern allhier angewiesen hatte, wurde' auf bittliches ansuchen des Pfarrers zu Schnirpflingen auch anderen 9 Männern, die zwar Hauser Gatten, aber keine Bürger waren, ein Stück Holzboden angewiesen; diser plaz ligt für 3 bürgerliche Theil in allen erforderlichen Kösten: was 3 Bürger bezahlen, das nemliche bezahlen auch die 9 Männer. Dem Mesner und. denen 3 Hirten, als Vieh-, Pferde - und Schweinhirten hat die Gemeind ein Stuckboden von dem Gemeindplaz abgemeßen, zu allen Zeiten von allen Kösten frei. Der hiesige Miller wollte von diesem Boden sowohl für die Mühl als für sein aigen Haus des Conrad Ritter keinen Theil."

Nun wieder zu der allgemeinen Not. Ein altes Sprichwort sagt: Not macht erfinderisch.
Beim Erfinden von neuen Schlauheiten dürften schon in der damaligen Zeit. die Frauen den Männern überlegen gewesen sein. So schreibt Pfarrer Dilger im Pfarrbuch VII S.94 ff., daß im Monat April alle Mühlen leerstehen und die Stadt Ulm wurde geschlossen und den "Mezlern und Millern bei Strafe verboten, Lebensmittel an Fremdlinge herauszugeben."

Indessen verschafft gleichwohl die noth den Weibspersohnen so vihl wiz und Klugheit, das sie lernen, denen Mezlern für hoches Geldt abzuschwäzen, was für die Stadtlaith von dem Magistrat beygeschaft wirdt, und bey dem Thor herauszubringen was die Mannspersonen nicht vermögen." .
Die Not nam weiter zu. Den Leuten wurde Hoffnung gemacht, das in kurzer Zeit ungarischer Weizen kommen würde,. allein diese Hoffnung zerschlug sich bald, sodaß Pfarrer Dilger über seine Pfarrkinder schrieb :"Die Leith verliehren aus abgang der Lebensmittl und Forcht des Hungers nicht nur die Kräften, sondern auch die gesunde menschliche Farb. Doch ist bis zur Stund niemand Hungers gestorben.“
Endlich im April kommen in Günzburg einige Schiffe mit Frucht an. Die Leute liefen mit ihrem Gelde nach Günzburg und bettelten um Frucht "Wie die Leith das Geldt vorhingestreckt , und zugleich um Gottes willen gebetten um Körn, um Früchten: man wolle Sie doch bey ihrem Geldt nit Hungers sterben lassen.“

Herrschaft Kirchberg bekam eine größere Menge Roggen und verteilte dien auf die einzelnen Ortschaften. Schnürpflingen bekam im April 16 Mittlen und im Mai 18 Mittlen a.3 fl. Die die noch einige heimliche Vorräte hatten, verlangten für das Mittle Korn, Roggen, Gerste, 6 bis 7 fl. Die Armen können sich kein Brot mehr kaufen, sie backen selbst aus Körngrisch (Schrot) und müssen das Brot mit dem Rechen aus dem Backofen herausziehen. Wer noch von eigenen Früchten zu essen hat, gilt für reich, wenn er auch keinen Kreuzer Geld besitzt.

Die Herrschaft zu Kirchberg hilft den Leuten und stellt Saatgut; zur Verfügung.
Das Kloster Wiblingen tut sich vor allen anderen Herrschaften hervor. Jede Woche bekommen alle Armen Wiblingens für jede Haushaltung einen 3 pfündigen Laib Brot zu billigem Preis.(Das Pfund zu 2 Kreuzer, während es sonst 8 Kreuzer kostet) An jedem Samstag wurde an alle Armen,- auch nicht wiblingische Untertanen, der vierte Teil eines Laibes kostenlos verteilt. Der Zulauf soll so groß gewesen sein daß oft über zweitausend Personen gezählt wurden.

Ende des Monats Mai wurden in vielen Ortschaften Vorbereitungen getroffen, aus Italien Frucht herbeizuschaffen Auch Schn. stellte zwei Wagen. Ein Waagen wurde von der Herrschaft zu Kirchberg unentgeltlich gestellt, lediglich die Knechte und die Pferde des vierspännigen Wagens mußten verköstigt werden. Den zweiten Wagen stellte Gottfried Deiniger, Wirt von Schnürpflingen, ebenfalls kostenlos. Dieser war nachher sehr unglücklich, weil ihm auf der Rückreise seine beiden besten Pferde eingingen. Die Reise ging nach Trient. Hier bekamen sie allerdings keine Frucht und mußten eine Tagreise weiter, nach Rovoredo fahren. Am 9. Juni kam Bernhard Deiniger, der ältere Wirt dahier, von der Reise zurück. Er erzählte, daß ihm auf der Hin= und , Rückreise an die dreitausend Wagen begegnet seien, schier einer sei an dem anderen gefahren. Die beiden Fuhrwerke brachten im Ganzen 162 Mittlen Weiten und 14 Mittle Roggen. Der Preis kam nach Berechnung der Unkosten für das Mittle Weizen auf 6 fl 9 Kr.und für den Roggen auf 5 fl 50 Kr. Der Roggen wurde zum größten Teil verbacken das Brot an die armen Leute verkauft. Das Geschäft muß aber hinsichtlich der Bezahlung mit Unannehmlichkeiten verbunden gewesen sein, denn Pfarrer Dilger schreibt:

"Bis auf Jacobi flüßenden jahres mußte Herr Gloz (der Kaufmann in Trient) bezahlt seyn. Ich wünsche mir keine Gelegenheit mehr mit welschen Kaufleuten zu handeln.."
Mitten im Juli liefen die Leute auf die Felder um zu sehen, ob das Getreide schon reif sei. Das Korn wurde milchig und unreif geschnitten. Was an einem Tage geschnitten wurde, wurde den
nächsten Tag eingeführt, am Nachmittag gedroschen, ein Wenig gedörrt und am Abend in die Mühle getragen..."Das neie Brodt ist grün in der Farb und hart zu genießen."

Nach der Ernte trat keine Besserung ein, da durch den anhaltenden Regen im Monat Juni die Frucht stark gelitten hatte.

Auch in diesem Jahre hält die große Teuerung an. Dazu kommt noch eine furchtbare Krankheit, die rasch um sich griff. Sie wird das faule Fieber genannt. (Heute als Lungenpest bezeichnet)Im Monat März erfaßt diese heimtückische Krankheit auch unser Dorf. Oft sind in einem Hause 2 oder 3 Kranke, manchesmal werden an einem Tage 2,3,4 providiert. (Mit den hl.Sterbesakramenten versehen) Die Herrschaft von Kirchberg übersendet dem hiesigen Pfarrer ein Rezept gegen das faule Fieber. In diesem heißt es: "So bald ein Mensch von dem faulen Fieber angegriffen wirdt, bevor 24 Stunden verflossen l quintlein Rhabarbara,1/2 quintlein proparierten Weinstein in einem Thee genommen. Den.3. Tag darauf gibt man dem Kranken folgendes Trünkwasser nach genügen wie mehr je besser: zu 2 Maß Wasser werden genommen 2 Händ voll Gersten siedet selbe, schittet das Wasser darvon, tut aermahlso viI Wasser daran, laßt es siden, bis die Gersten aufspringt, alsdan gießt man es ab, thut einen Löffel voll Honig daran" und Weinessig sovil, bis das Wasser sauerlicht wirdt, hernach gibt man es dem Kranken nach belieben zu Trinken. Das Mittel soll guten Erfolg gezeigt haben. Im Juni ließ die Krankheit nach. Im August des jahres 1772 wird das sogenannte Conventionsgeld eingeführt. Da das ganze Land voll mit schlechtem GeLd war, wurde auf einem Convent beschlossen, neues Geld zu prägen. Da sich unter dem neuen Geld auch solches aus Kupfer befand, stand die Bevölkerung diesem zunächst abneigend gegenüber. Man konnte sich einfach nicht vorstellen, daß, man auch für Kupfergeld Waren kaufen kann. So kam es, daß man zunächst für Kupfergeld in Ulm kein Brot zu kaufen bekam. Später wurde das Geld gern gesehen.

und -man wünschte nur, mehr davon zu haben. Im Sommer verlieren sich auch die Quellen auf den Feldern, welche vor einigen Jahren zu Tage traten. Die Leute waren darüber sehr froh, denn das Wasser schadete den Feldern und Wiesen sehr. "In des Hansjörg Peteler, jetzt Johannes Laib seinem Acker nächst des Krautgarten flossen zwei so starke Bronnadern, das die Gemeindaispe zu einer slümpfe worden, und ohne vorher geöfneten Graben weder betretten noch betrieben hat werden können."
Weitere starke Quellen befanden sich noch in dem Ösch Kagenach gegen die Weihung zu, in dem Ösch Frauenholz und im Trillkhauo. Die stärkste von allen Quellen befand sich auf der Koblplatten.

Am 10 Mai zog gegen Abend ein schweres Unwetter am Himmel auf.Es entlud sich in der ganzen Gegend mit fürchterlicher Gewalt. In Elchingen schlug der Blitz in den Kirchturm ein, wobei 7 Glocken zerschmolzen. In einigen Orten wurden noch die Kirchen mehr oder weniger stark beschädigt. Hier in der Nähe, am Eichelenberg unweit des Weges der nach Dorndorf Führt, schlug der Blitz in eine Eiche und zerschmetterte sie nach den Angaben des Pfarrers in tausend Stücke. viele große Stücke Holz wurden aus der Wurzel gerissen und 40 bis 50 Schritt weggeschleudert.

In diesem Jahr herrscht großer Geldmangel. Viele verkaufen ihre Güter oft zu halben Preis.

Am 20. Mai fing es morgens 4 Uhr an zu schneien und schneite bis mittags 12'Uhr. Der Schnee lag schuhdick und richtete an Bäumen und in den Feldern großen Schaden an.

Durch Spenden konnte eine neue Sakristei gebaut werden. Die Spender waren: Bernhard Deininger 11 fl, Gottfried Deininger 5 fl, Antoni Regenbogen 5 fl. Sie gaben diese Spende mit der Bedingung, daß sie lebenslänglich bei der Messe auf dem Chor stehen durften. Sie erhielten von dem Pfarrer die Erlaubnis, doch so, daß sie'an den Marianischen Gottesdiensten oder wenn mehrere Geistliche kommen, denselben nicht hinderlich sein sollten.

Im Brachmonat (Juni) herrschte 12 bis 14 Tage ein "Nebel oder Rauch." Man konnte sich nicht erklären was es sei. Die Astrologen der damaligen Zeit nannten ihn einen Haarrauch. Die Leute jammerten und bangten um ihre Felder, jedoch wurde kein Schaden angerichtet.

Es wird berichtet, daß auch in Deutschland "Luftbäl" abgelassen werden, wo ein Mann "mitfahren" kann, aber nicht wohmin er will, sondern wohin ihn das Wetter treibt. Unter den Luftbällen sind die Freiballone zu verstehen. Die Franzosen unternahmen schon einige Zeit früher solche Versuche.

In diesem Jahr wurde die Kirche erweitert. Nach der Fertigstellung konnten sich die Leute nicht einig werden über die Verteilung der Stühle. Sie wurden daraufhin von Kanzleidirektor Merklin aus Oberkirchberg durch das Los verteilt, woraufhin alles zufrieden war.

Ende des Monats Oktober fiel tiefer Schnee. Dieser taute nicht mehr weg, Sondern blieb den ganzen Winter über bis in das kommende Frühjahr liegen. Noch zu Ostern des Jahres 1785 fuhr man mit dem Schlitten auf dem gleichen Schnee. Noch um den 20.April lag tiefer Schnee und viele Schwalben die schon zurückgekehrt waren, erfroren.

Am 220 April wird. hier das Schul und Mesnerhaus aufgerichtet. Dises Schul und Mesnerhaus stand auf dem heutigen vorderen Kirchhof und wurde später abgebrochen, da es die sicht auf die Kirche hinderte und schon halb verfallen war.

Im fernen Ungarn tobt der Krieg gegen die Türken. In allen österreichischen Landen wird eine Kriegssteuer erhoben. Da die Grafschaft Kirchberg ebenfals zu Österreich gehört, wird auch in unserem Ort diese Steuer erhoben.

Ende November setzte eine strenge, anhaltende Kälte ein, die nicht mehr nachließ. Am 24. Dezember fing es schon morgens an heftig zu wehen und zu schneien. Es schneite so stark, daß man kaum 4 –5 Schritte vor sich sehen konnte. Viele Leute, die an diesem Tage draußen waren, hätten sich in diesem Schneegestöber verirrt und die Gliedmaßen erfroren. In der Hl. Nacht konnte kein Mensch von Ammerstetten und Beuren die Mette besuchen, da alle Wege mannshoch verweht waren. Gleichzeitig setzte eine große Kälte ein. Menschen und Tiere waren in Gefahr zu erfrieren. Diese Kälte hielt bis Mitte Jänner 1789 an.(Pfarrbuch VII S.117, Pfarrbuch XIII S!4 Pfarrbuch XIV S.198

Die Fruchtpreise sind durch den Türkenkrieg hoch. Die Ernt in den letzten Jahren war gut, sodaß die Bauern die reichsten Leute im Lande sind. In allen Orten fordert nun der Spielteufel seine Opfer. Auch in unserem Ort ist das Kegelschieben große Mode.

Dabei wird um so hohe Einsätze gespielt, dass ein Bauer oft an einem Tag 8oo bis 1000 fl gewinnt - oder verspielt. Sogar Kinder spielen und verlieren oft bis 10 fl an einem Tag.

Für die Kirche wurde diesem Jahr eine Orgel gekauft. Sie.koste: 60 fl. Der Mesner lernte zur Not bei seinem Kollegen in Rot das Spielen.

In diesem Jahre kommt es zum Streit zwischen den Bürgern des Dorfes und der Herrschft. Grund dazu ist das Weidrecht. Nach dem Gesetz stand das Weidrecht nur der Herrschaft zu. Das Wild hatte sich aber in den letzten Jahren so stark vermehrt, daß es auf den Feldern großen Schaden anrichtete. Die Herrschaft verbot aber ihren Untertanen, lhre Felder mit Gewehr und Hunden zu hüten. Daraufhin beschwerten sich dise bei dem österreichischen Oberforstmeister Baron v. Osterberg in Bühl bei Günzburg. Dieser kam nach Schnürpflingen und besah den Schaden. Daraufhin mußte die Herrschaft den Geschädigten 150 fl bezahlen.

Die Bürger gaben sich jedoch nicht zufrieden und verlangten für sich das Recht, mit Gewehr und Hunden ihre Felder hüten zu dürfen. Das O. Amt Günzburg sagte ihnen volle Unterstützung zu. Der Herrschaft wurde angedroht falls sie nicht von sich aus das Wild abschieße, würde von Günzbgurg aus ein Jäger in die Gegend geschickt. Scheinbar blieb es aber bei der Drohung, denn die Herrschaft schoß das Wild nicht ab und es erschien aber auch kein Iäger. Jedoch herrschte keine Ruhe. Im Jahre 1792 kam es wieder zum Streit. (Siehe 1792) Ulrich Rafensteiner, Weber zu Beuren, verunglückte tödlich. Er half Getreide abladen. Als er mit der Arbeit fertig war, sprang er vom Heustock auf die Heubühne und stieß sich dabei die Zinken einer Heugabel in den Unterleib. Nachdem er mit den hl. Sterbesakramenten versehen war, starb er am selben Abend.

Für den Mesner wurde ein Klavier angeschafft. Es wurde ihm zur Pflicht gemacht, darauf fleißig zu üben.

Hier verdient ein Streit wiedergegeben zu werden, der sich im hiesigen Wirtshaus zutrug. Anton Regenbogen aus Beuren, der Anführer der Bauern im Streit mit der Herrschaft, er wurde der Kanzler genannt, saß im Wirtshaus und unterhielt sich mit dem Jäger und dessen Frau. Plötzlich fing er an über die Mutter Gottes, über Geistliche und Beamtezu. schimpfen. Die Ermahnungen von Seiten der übrigen Gäste nützte nicht viel, er schimpfte und tobte weiter. Mit den unflätigsten Schimpfworten bedachte er die Kirche, Pfarrer und die Herrschaft. Daraufhin wollten ihn die übrigen Bauern auf die Miste werfen, jedoch hinderte sie einer der Anwesenden aus Furcht daran,. So konnte der "Kanzler" seine Schimpfkanonade fortsetzen. Der Pfarrer sah sich veranlaßt, die Sache zu untersuchen und zu Protokoll zu nehmen und nach Oberkirchberg weiterzuleiten. Kanzleidirektor Merklin untersuchte noch einmal den Vorfall. Anton Regenbogen wurde verurteilt, 2 Stunden auf einer öffentlichen Gasse in Oberkirchberg im spanischen Mantel am Pranger zu. stehen. Außerdem wurde ihm verboten, künftig auf dem Chor zu stehen.(Siehe 1781) Das war für ihn eine größere Strafe, als auf dem Pranger stehen. (Pfarrbuch XIII,So216 ff)

Am 23. April wurden die Einwohner durch eine Feuersbrunst aufgeschreckt. Es brannte das sogenannte Amtmanns Hölzle und ein Teil vom "Sack". (Siehe Markungskarte) Alles rannte zur Bekämpfung. Es brannte zum Glück. nur das Bodenholz und Jungwald. Jedoch war die Rauchentwicklung so groß, .dass man glaubte, ein ganzes Dorf brenne. Aus allen Nachbarorten kamen die Leute mit Feuerspritzen zu Hilfe. Bis von Laupheim und Weißenhorn kamen die Menschen herbeigeeilt. Der hiesige Jäger Eustachi Mosmayer tat sich bei der Bekämpfung besonders hervor. Er schnitt Tannenwedel ab und schlug damit in das Feuer. Die Leute glaubten zunächst, daß das Feuer dadurch noch mehr verbreitet werden würde. Als sie aber sahen, daß der Jäger damit Erfolg hatte, griffen sie alle herzhaft zu und es gelang den Brand zu löschen. Nachträglich stellte sich heraus, daß ein junger Mann von hier beim Kühehüten einen Ameisenhaufen angezündet hatte und so den Wald in Brand steckte. Jedoch im Sommer erholte sich der Wald bald wieder so schön, daß man bald nichts mehr von dem Brand merkte.
In demselben Jahr brannten in Altheim 4 Häuser ab und die Bürger der hiesigen Gemeinde eilten zu Hilfe und konnten durch ihren Eifer einige in Gefahr geratene Häuser retten. (Pfarrbuch XIV,
S.34 ff) .

In diesem Frühjahr und Sommer zogen viele österreichische Soldaten auf dem Wege an die französische Grenze hier durch und machten auch im Ort Quartier. Die Soldaten benahmen sich höflich und zuvorkommend, sodaß keine Klage von der Bevölkerung zu hören war.

Wieder brachten die hiesigen Untertanen Beschwerde ein, wegen Wildschaden. Auch diesmal war Anton Regenbogen ihr Anführer. Das Kloster Wiblingen wollte den Forst in Kirchberg, Schnürpflingen und Rot kaufen. Der Vertrag war bereits geschlossen, jedoch mit der Bedingung, dass Wiblingen den Eustachi Regenbogen als Jäger in Kirchberg annehme. Da sich Wiblingen weigerte, wurde der Vertrag wieder hinfällig. Die verwittwete Gräfin Euphemia Fugger behielt daraufhin den kirchbergischen Forst und stellte Eustachi Regenbogen als Jäger an. Der Forst von Schnürpflingen und Rot wurde dem Grafen Joseph Fugger von Dietenheim für 21 Jahre überlassen. Er mußte dafür jährlich 200 fl bezahlen.
In diesem Jahr willigten. die Untertanen der Grafschaft ein, statt des Jagddienstes jährlich eine Entschädigungssumme zu zahlen. Die kleinen Leute hatten 30- die Bauern 45 Kreuzer zu zahlen. So wird auch der letzte früher üäbliche Frondienst, mit Geld abgetan.

Noch einmal macht Antoni Regenbogen aus Beuren von sich reden. Er verweigerte dem Mesner das sogenannte Mesnerkorn und veranlasste zwei weitere Bauern, das gleiche zu tun. Er wurde aber von der k.k. Regierung in Freiburg aufgefordert dem Mesner das Korn sofort auszuzahlen.
Im September, Oktober grasierte im Ort di e Ruhr. Viele Leute wurden krank, etliche starben.

Überall fürchtet man sich vor den Franzosen. Diese waren in Deutschland eingefallen. Bis im März Prinz Koburg die Franzosen bei Jülilbh und Mastrich schlug. Bis hier hörte man den Donner der Kanonen. Pfarrer Josef Dilger stiftet 4 Quatember- Messen. Darüber findet sich die Abschrift des Stiftungsbriefes der von Gräfin Eufemia Fugger und Graf Amseln Maria Fugger, unterzeichnet ist, im Pfarrbuch XIII,S.242

4 Quatembermessen zu Schnürpflingen
Wir Endes unterzeichneten Vormunde und Administratoren der Graf-Herrschaften Kirchberg und Weißenhorn zum appertinentis urkunden hiemit:
Demnach der derzeitige Pfarr, und Dekan zu Schnirpflingen H.Franz Joseph Dilger, vermög daselbigsten zwey Fabrick Rechnungen de annis 1791 und 1792.für jährlich abzuhaltende 4 Quatember-Messen ein Kapital pr hundert fünf und zwanzig Gulden mit nachstehenden Bedingnissen gestiftet hat, das Erstens von dem jährlichen Zins.a 4 pcto ein zeitlicher Pfarrer jedesmal an zu Martimi, als der Zeit der heiligen Rechnung, für jede Quatember-Messen dreußig Kreuzer, oder für alle vier zwei .Gulden, der Mesner für jede sechs Kreuzer, die Hausarme zu Schnirpflingen und Beyren als Pfarrgenossen welche der Quatember-Mess beiwohnen und in der Kirche für den Stifter ein Vaterunser, und ein Ave Maria still beten werden, in Sola Angaria Luciae in Gulden und die Kirchenf'abriken in Schnirpflingen den Überschuß des Zinses ad l fl 36 Kr beziehen.

Dagegen Zweytens. Ein zeitlicher Pfarrer zu Schnirpflingen verbunden seyn solle, jede der 4 Quatember Messen für den Stifter H.Franz Josef Dilger, dessen Eltern, Geschwistrige, und Blutsverwandte, auch die verstorbene Pfarrkinder zu applicieren und endlich Drittens. Das nach vollendeter nicht- gesungen- sondern gelesener heiligen Messe für den Stifter dessen Blutsverwandte und verstorbene Pfarrkinder, mit dem in der Kirche anwesenden Pfarrvolk ein Vater unser, und Ave Maria laut abgebettet, sodan entweder in der Kirche ad Jumbam, oder ad Sepulchrum Fundatoris ( nach Belieben des Herrn Pfarrers) der Psalm Miserere et deprofundiscum consueta oratione de anniversaria abgehalten, und tumbam unter dem Gottesdienst zwey gelbe Stumpen angezündet. werden sollen........."
Am ersten Juni fror das Wasser Zolldick. Die Bäume die gerade in der Blüte standen, wurden schwer beschädigt..

Pfarrer Dilger der sich um die Aufzeichnung der geschichtlichen Ereignisse sehr verdient gemacht hat, starb am 19. Dezember. (Pfarrbuch XIII S.16)

Es kommt zu Differenzen bei der Besetzung der Pfarrstelle. Nach Österreichischem Recht müßte die .Stelle zum Konkurs ausgeschrieben werden und die Intervalle Gefälle an den Religionsfond abgeliefert werden. Graf Amseln Maria Fugger verwandelt die vakante Stelle in eine reichsritterschaftliche und besetzt diese mit Pfarrer Deininger, der bereits unter Dekan Dilger als Vikar im Ort war. Die K.K. österreichische Regierung zu Konstanz protestierte dagegen, jedoch Graf Fugger beharrt auf seinem Recht und behauptet daß Schnürpflingen in der Frage der Pfarrerbesetzung nicht unter österreichischem Recht stehe. Beide Teile kommen einander entgegen, der Konkurs wird ausgeschrieben, es meldet sich aber nur Pfarrer Deininger. Er wird von, der K.K.österr. Regierung in Konstanz bestätigt. (Wttbg. Staatsarchiv Ludwigsburg, Fasz.1-599)

Wieder kommt es zu einem Streit, diesmal wegen zu hoher, bezw. ungerechtfertigter Steuern. Der Wirt Johann Reißer (Tafernwirt) und der Müller Josef Trautmann hatten Teile der sogenannten Burg und Kammergüter in Besitz. Diese waren von ihren Vorfahren von Graf Albert Fugger gekauft worden und waren steuerfrei. Sie waren nach ihrer Meinung nicht der Reichsritterschaft und nicht der Rittertruhe steuerpflichtig. Da sie nun steuer zahlen sollten, richteten sie eine Beschwerde an die Regierung. Darin heißt es wörtlich: "Die Steuerfreiheit war von jeher auf unseren Besitzen als vornehmlich herrschaftlichen Burg- und Kammeralgütern gegründet und diese Freiheit überging an uns durch Kauf- und Erbrecht."(Wttbg. Staatsarehiv Ludwigsburg, Fasz.4-600)
Leider finden sich keine Akten wie der Streit ausgegangen ist.

Ebenso richten die Gnadenhäusler ein Protestschreiben an die Regierung. Die Gnadenhäusler sollten wie alle anderen Bürger der Gemeinde Steuern zahlen, um die schulden die nach dem Rückzug der Franzosen im Jahre 1796 entstanden waren, zu tilgen. Da sie aber nacht altem Recht von allen Abgaben befreit waren, weigerten sie sich zu zahlen und kamen mit den Bürgern in Streit. Mit Schreiben vom 3. Mai 1800 wurde entschieden: Die Gnadenhäusler müssen alle Kriegslasten mittragen, das sind: Quartierskosten, Schanzen, vorspann u.s.w. Die Schulden müssen bezahlt werden. Ansonsten sind sie von allen Lasten befreit. (wttbg.Staatsarch. Ludwigsburg,Fasz.4-600)

Die Franzosen waren unter dem General Moreau bei Straßburg über .den Rhein gegangen und bis an den Lech vorgedrungen. Durch den Sieg des erzherzogs Karl bei Amberg und Naumark mußten sie sich wieder zurückziehen. Von Ulm aus zogen sie sich auf der Biberacher Straße zurück. (Chronik von Ulm, D.A.Schultes,Ulm 1937 S.350)

Es ist daher leicht verständlich, daß sie dabei auch Schnürpflingen berührten. Daß es so ist geht aus der Tatsache hervor, dass die Gemeinde nach ihrem Rückzug eine Schuld von 400 fl hatte.
Der derzeit älteste Einwohner Herr Reinhard Huber, der das 9o.Lebens-jahr bereits überschritten hat, erzählte mir, daß er sich noch gut auf die Erzählungen seines Großvaters .erinnern könne. Dieser hahe öfters erzählt, daß die Franzosen ihr Lager außerhalb des Dorfes bei den Krautgärten gahabt hätten. Im Dorfe habe zu dieser Zeit Hungersnot geherrscht. Die Kinder hielten sich sehr beim Franzo Lager auf, da die Soldaten sehr kinderlieb gewesen seien. Er erzählte auch, daß .die fremden Soldaten einmal zwei Schulbuben ein halbes Schwein geschenkt hätten. Die beiden mühten sich dann vergeblich," die schwere Last nach Hause zu befördern, was den Franzosen viel Spaß bereitete.

Johann Hartmann wurde zwangsweise zum K.R~ Militär übergeben. Er hatte mit einem hiesigen Mädchen ein Verhältnis, das nicht ohne Folgen blieb. Kanzleidirektor Merklin hatte Hartmann eigenmächtig dem K.R.Militär übergeben. Der Graf war mit der Handlungsweise des Kanzleidirektors nicht einverstanden und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 100 fl, die zusätzlich zu 50 fl an den Hartmann ausgehändigt wurden. Es gelang dem Grafen jedoch nicht, Hartmann vom Militär frei zu bekommen. (Wttbg.StaatsarchoLudwigsburg, Fasz.5-601)

In diesem Jahr kommt die Grafschaft Kirchberg und damit auch Schnürpflingen an Bayern. Alle Gebiete erhielt Bayern von Napoleon. Schnürpflingen blieb bis zum Jahre 1810 bei Bayern, in diesem Jahre kam es an Württemberg. (Staatsvertrag) In diesem Staatsvertrag wurde die Grenze zwischen Bayern und Württemberg an der Iller fest.

Schnürpflingen im 19. Jahrhundert

Zu Beginn des Jahres zog Napoleon mit seinen Armeen in den verhängnisvollen Krieg gegen Rußland. Auch Württemberg musste Soldaten für diesen Feldzug stellen. „Die Württemberger gehörten zum Armeekorps des Herzogs von Elchingen, Ney, und standen. Anfangs unter dem Befehl ihres Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Bei Heilbronn sammelten sich 12000 .Mann und marschierten am 11. März ab, durch Bayern, Sachsen, Preußen.(D.A.Scho1tes, Chronik von Ulm,S.406)Ein Schnürpflinger Bürger zog ebenfalls in diesen Krieg. Es war Joseph Högele. Er kam glücklich wieder heim. Högele nahm auch noch an den Befreiungskriegen teil und kämpfte bei Waterloo. Heute noch finden wir an der Westseite der Friedhofmauer, unmittelbar bei der Wasserleitung den verwitterten Grabstein dieses Kriegers in die Mauer eingelassen. Eine Vertiefung zeigt uns noch die Stelle, wo früher eine Tapferkeitsmedeille eingelassen war.

Im Zusammenhang mit der französischen Revolution schlossen mehrere europäische Monarchen ein Bündnis 'gegen Frankreich und Napoleon. Es kam zu den oben angeführten Kriegen.
Wahrend dieser Zeit hatte auch Schnürpf1ingen unter direkten und indirekten Folgen zu leiden. Zum Glück sind uns Aufzeichnungen aus dieser Zeit erhalten geblieben. Der damalige gräflich= fuggersche Revierförster Xaver Moßmayer, der einem alten Jägergeschlecht entstammt, der erste fuggersche Revierförster Moßmayer wurde bereits 1660 genannt, schrieb seine Erinnerungen nieder.
Diese wurden im Jahre 1927 von seinen Nachkommen in Druck gegeben und es erschienen 60 Exemplare. Die Broschüre trägt den Titel:
"Notizen aus meinem Leben" Über das'"' Jahr 1796 schrieb Xaver Moßmayer unter dem Titel': "Hergang bei der ersten Ankunft der Franzosen".

Im Jahre 1796,wo sich das französische Kriegsheer unter Anführung der Marschälle Moreau und Jourdan über den Rhein zog, kam ich mit den geflüchteten Gütern der regierenden Frau Gräfin Euphemia Fugger von Weißenhorn- auch zu meiner Sicherheit- nach Augsburg und verweilte dort bei mehreren Gräf1.=fuggerschen Herrschaften in dem Fuggerschen Hause bereits zwei Monate.
Von da aus reiste ich wieder nach Hause. Die österreichische Armee hatte ihren Rückzug vom Rhein angetreten und in Folge davon überschwemmte in kurzer Zeit hierauf das feindliche Kriegsheer unsere ganze Gegend und das ganze Schwabenland. Bei diesem Ereignis hörte ich in der Gegend von Brandenburg das erstemal starkes Kanonen= und Klein= Gewehr= Feuer und sah den General Moreau
(von Dellmensingen aus) mit vielen Leuten und Offizieren begleitet durch unseren Ort nach Brandenburg ziehen. Bei dieser ersten Affaire ist außer viel Schrecken Vorspann und Lieferungen beim Durchzug nichts bedeutendes vorgefallen.

Nachdem aber die französische Armee, besonders der General Jourdan an dar böhmischen Grenze von den Österreichern unter Anführung des Prinzen Karl und General Wurmser geschlagen wurde,. so war der Rückzug der Franzosen für uns schon gefährlicher, auch kränkender, denn am Grenzflusse machte man halt und wir wurden drei bis vier Tage hart mitgenommen. Ich hielt mich, doch nicht ohne Gefahr im Walde verborgen, bis der ganze Zug vorüber war und ich , bei Biberach den letzten Kanonendonner vernahm."

Bereits im Jahre 1800 erschienen die Franzosen in einem neuen Kriege wieder in unserer Gegend. Revierförster Moßmayer schrieb darüber folgendes: "Dieser Feldzug, wo die französische Armee das
zweitemal- in meinem Leben- den Rhein überschritt, war für unsere Gegend- besonders für mich- weit gefährlicher als der 1796; denn in diesem Jahr und Kriege wurden wir, nebst vielen Requisitionen und Vorspann, von dem Feinde 19 Tage lang beraubt und geplündert. Auch mir erging es so. Ich hielt mich viel im Walde auf mit dem hiesigen Herrn Pfarrer Deiniger, nachdem wir unsere Kostbarkeiten teils in den benachbarten Städten, teils in der hiesigen Kirchengruft zu bergen suchten, während wir Vieh und Schafe samt den Pferden mit uns in den Wald nahmen. Nebst dem hatte ich aber doch manche Lebensgefahr auszustehen; oft wurde mir die feindliche Pistole auf die Brust gehalten, um Speise und Trank mir zu erpressen, obwohl ich nichts mehr geben konnte. Diesen gefährlichen Erpressungen zu entgehen, verließ ich eines Tages meine Wohnung, und suchte Schutz in der Wohnung eines Holzsetzers (Christian Huber)Wie ich zu diesem kam fragte ich ihm, ob zu ihm auch so viele Soldaten kommen? Er sprach: Bisher wäre ihm noch keiner gekommen. Nun, dachte ich so kannst du doch einwenig ausruhen und legte mich aufs Kanapee (Sopha) mit dem Auftrag: Wenn die Franzosen kämen solle er mich wecken. Aber es stand nicht lange an, so meldete er mir die Ankunft derselben. Ich stand sogleich auf und sah, daß solche in der Richtung von Dorndorf und Weinstetten zahlreich ankamen und hörte Indes benachbarten Müllers Hof ein gewaltiges Hilfegeschrei von Weibspersonen. Bei dieser Wahrnehmung machte ich mich auf, und wollte meine Zuflucht wieder im
Walde suchen, in der Richtung Beuren zu. Allein es war vergebens, denn auch von daher kamen Franzosen Haufenweise - teils Kavallerie, teils Infanterie- in den Ort. In dieser Lage ging ich nun
wieder zurück in das Haus des Hozsetzers. Kaum aber war ich da angekommen, kam eine Weibsperson mit zwei Kavalleristen angesprungen und rief laut: Wo ist der Müller? Wo ist der Müller? Dieser Müller war damals der Bürgermeister. Der Holzsetzer sagte wie von mir geheißen, der Müller, der Bürgermeister ist nicht da. Er muß dasein, sagte ausdrücklich die Sibille Heß, denn er hat ja gesagt, er gehe zu euch herauf. Sowie die Soldaten sahen, dass das Weibsbild darauf bestand, stieg sogleich einer vom Pferd, und wie er mich in meinem langen, grünen Überrock wahrnahm, war er erfreut und schlug mir die Kappe vom Kopf, fiel mir in die langen Haare (zur selben Zeit trug ich noch einen schönen Zopf) fluchte mir zu in der Meinung, ich wäre der Bürgermeister, riß mich zur Türe hinaus und lieferte mich so auch den anderen seiner Kameraden in die Hände. Ach Gott, unter welche Unmenschen war ich geraten! Sie zerschlugen mir derbe den Kopf, rauften mir die Haare aus, nahmen mich zwischen ihre Pferde und ritten davon, mich bei den Haaren haltend, im Trabe, sodaß ich jeden Augenblick glaubte, ich werde von den Pferden zertreten. So ging dieser fatale Ritt fort auf dem Wege nach Beuren, dem Walde zu. Wohl bat ich diese Unholde öfters um Pardon und sagte ihnen halb französisch, sie hätten nicht den rechten, ich wäre nicht der Marr - oder Bürgermeister- sondern Jäger- chasseur- aber alles war vergebens, sie fluchten mir nur immer zu und forderten von mir den Tod drohend 10 Loisdors. Auf dieses Verlangen bestanden sie und führten mich sofort an einen abgelegenen Ort. Allda machten sie mit mir halt, zogen die beiden Säbel, setzten den einen mir auf den Kopf, den anderen mit der Spitze mir auf die Brust und sagten halb deutsch: vor die zum letzten Mal frag, vor die mit Dutzwit. Bezahl 10 Loisdors - vor die kaput. In dieser großen Gefahr und Todesangst leerte ich die Säcke und sagte: Meine Herren wenn sie stechen und hauen, ich kann ihnen nichts geben, kommen sie aber mit in dem Ort zu dem Bürgermeister, vielleicht hat der ein Geld. Auf dieses hin steckten sie die Säbel wieder ein und sagten: a la bonheur, nahmen mich bei den Haaren und ritten mit mir dem Dorfe zu. Sie brachten mich bis zu einem Hause, vor welchem viele Menschen, darunter auch der kleine Bürgermeister Dominikus Jaus, mit Heubinden und Habermessen beschäftigt waren.

Zu diesem rief ich, ob er kein Geld habe? diese zwei Soldaten wollten 10 Karoline von mir. Der aber schüttelte den Kopf, indem ich ihm ein zeichen gab und sagte: Ja meine Herren wir haben kein Geld, bei uns ist alles ausgeraubt. Auf dieses hin nahmen sie mich wieder fort, führten mich durch die sogenannte Schneckengasse, fluchten und schworen mir den tod, wenn ich ihnen nicht 100 Loisdors bezahle. Ich nahm alle meine Kräfte zusammen und bat sie in Gottes Namen mich loszumachen und suchte ihnen deutlich zu machen; daß sie nicht den Bürgermeister, sondern den Jäger vor sich hätten. Allein alles war vergebens. Sie schleppten mich wieder fort, dem Hause zu, wo sie mich gefangen nahmen. Am Wege waren einige Männer denen ich zurief und sagte, sie möchten doch sagen, wer ich sei. -Da liefen ein paar Männer nach und sagten: Meine Herren, ihr habt den unrechten, dieser ist unser Jäger, nicht der Bürgermeister. Nach mehreren Vorstellungen glaubten sie endlich, daß ich der Jäger sei ließen mich aber dennoch nicht los, nur behandelten sie mich gelinder und nahmen ihre Hände von meinen Haaren weg. Der Transport ging wieder der Schneckengasse zu. Da kamen uns zwei französische Husaren entgegen, diese sahen wohl in welcher Verlegenheit ich sei, und was mir bevorstehe. Sie redeten meine Transporteurs in ihrer Sprache an und nach ernsthaften Ausdrücken flohen meine Erzfeinde blitzschnell davon. Nun hielten meine Befreier, die beiden Husaren vor mir und fragten, was diese 2 Jagair von mir gewollt haben. Zehn Loisdors, sagte ich, die verfluchten Spitzbuben! Uns sagten sie, sie seien der Bürgermeister, sie haben Hafer und Heu gewollt und man habe ihnen keines verabfolgt-in-dem ich ihnen meine Behandlung und Gefahr so kurz wie möglich erzählt hatte, sagten die Husaren, kommen sie mit uns, 'es geschieht ihnen nichts wieder. Und so ging es abermals Dorfaufwärts. Da kam uns ein Infanterist entgengen mit einem Laib Brot auf dem Bajonett und einem päcklein Mehl unter dem Arm. Diesem lief ein armes Weib nach, dem es genommen wurde und bat um Gottes Willen um ihr Brot und Mehl. Die Husaren nahmen es dem Infanteristen ab, behielten es aber für sich. Ich dachte: Ihr seit um kein Haar besser, als die Anderen. Ich ging jetzt meiner liege weiter. Aber was geschah? Ich kam bis zum hiesigen Wirtshause, da war der ganze Hof voll Soldaten, einer davon rief mir plötzlich zu: Allons, Landsmann komm! Als ich aber darauf nicht achten wollte und weiter ging, nahm er das Gewehr und hielt auf mich zu und sagte ganz ernsthaft: Landsmann komm, oder vor dich kaput! Jetzt gab ich freilich Gehör und lief in Gottes Namen auf ihn zu und fragte, was er wolle. Er antwortete: Allons, Landsmann komm, trage die Schweine ins Lager! (Es liefen mehrere Schweine des Wirts im hofe herum) Ich bat ihn, mich damit zu verschonen und erzählte ihm, daß ich soeben die größte Lebensgefahr ausgestanden und arg misshandelt worden sei und noch einiges von meiner Geschichte. Auf dieses sagte der Soldat:
Warte Landsmann, wenn komm andere Bauer, vor dich passier! Nicht lange darauf kamen ein paar Männer, diese zwei wurden requiriert zum Schweine= Transport. Zu mir sagte der Soldat: Allons, komm jetzt Landsmann mit mir! Ich ging mit ihm; er führte mich in das Wirtshaus und durch dieses in ein langes Gebäude zu hinterst in das Branntweinstübchen, wo Milch in Scherben aufbewahrt oder versteckt war. Da sagte der Soldat zu mir:

Allons, Landsmann nimm da Milch vor die Kameraden, viel Durst! Ich nahm von diesen 4-5 Scherben Milch aufeinander und musste sie bis in den Hof tragen, wo die Soldaten davon tranken. Danach nahm ich diesen Soldaten der so ziemlich deutsch sprach, auf die Seite und bat ihn, mich um Gottes willen zu entlassen. Er nahm mich ganz freundlich bei der Hand, führte mich aus dem Gedränge der Soldaten und sagte: Jetzt Landsmann, lauf!......

Des anderen Tags kam ein benachbarter Forstknecht in mein Haus und sagte: Er bleibe nicht mehr hier, sondern gehe weiter ins Oberland, ob nicht einer von uns mit ihm gehen wollte. Hierzu hatte sich mein Forstknecht Jauden entschlossen. Er nahm zu der vermeintlichen Sicherheitsreise von mir ein gutes Gewehr, einen guten Hühnerhund und einen Büchsenranzen, auf welchem die Vorbuchstaben
J H standen, mit sich fort. Als nun diese beiden ihre Reise angetreten und mitten in meinem Revier durch den Nadelholzwald Bremelau (steht Bäuernlau) über die Waldstraße gehen wollten, kamen auf derselben (in der Richtung von Weihungszell oder von (Hörenhausen) zwei Franzosen gegen sie her, ein Reiter und ein Fußgänger. Wie sie da zusammentrafen, ritt der erstere auf die Jäger los. Der eine Forstknecht ergriff die Flucht, eines seiner beiden Gewehre fortwerfend, über die Waldstraße in einen jungen Waldbestand. Der Forstgehilfe Jaud hingegen reffte raffte noch das andere Gewehr auf und lief zurück in den Nadelhochwald. Der Reiter aber holte ihn geschwind ein und Jaud nahm eine starke Tanne zum Schutze, indem er bei der Verfolgung durch den Reiter immer sich um den Baum bewegte. Der Reiter aber nahm seine 2 Pistolen und drückte selbe auf den Jaud ab; dann zog er den Säbel weil seine beiden Schüsse fehlten, und suchte ihn in Stücke zu zerhauen. Nun fiel es dem Jaud erst ein, daß er 2 geladene Gewehre bei sich hatte und auch schießen könne er zog eines derselben ab, spannte es und stellte sich zur Gegenwehr.

Sowie der Reiter hinter dem Baum hervorkam, drückte er sein Gewehr auf ihn ab, Der Reiter stürzte sogleich und Jaud nahm seine Flucht ungehindert weiter. Der französische Infanterist, der in der Ferne den Hergang sah, lief davon in das nahe Dorf, verlangte ein Fuhrwerk und so wurde der geschossene französische Reiter weggeführt. Er soll an seiner Schußwunde, nach dem ihm das Blei ausgeschnitten worden war, gestorben sein.

Der Forstknecht Jaud kam zu Hirten, deren es im Walde viele gab und beauftragte einen davon, mich von diesem traurigen Hergang in Kenntnis zu setzen und dieser erzählte mir, daß Jaud geschossen habe, der Reiter abgeführt, Jaud selbst auch angeschossen sei und Blut ausspucke und ich mich wohl in Acht nehmen oder mich wohl gar aus dem Staub machen solle. Diese Nachricht war ein herber Schlag für mich, besonders da ich erwog, daß Jaud mein- Gewehr, meinen in der ganzen Gegend bekannten Hühnerhund und meinen Büchsenranzen mit meinem Namenszug mit sich fortgenommen hatte und der Bote nicht wußte! in welche Hände diese Stücke gefallen seien. Es ließ sich leicht denken, daß eine Untersuchung unausbleiblich kommen werde und ich infolge etwaigen Verdachts mein Leben verwirken könne. Mit diesen Gedanken umgehend zierte ich nicht lange und machte mich auf, nahm bei meiner Frau und Mutter Abschied und sagte ihnen nur noch: Ich gehe fort und niemand s6l1e'wissen, wohin ich gehe; doch werde ich mich in den ersten Tagen nicht weit vom Orte im Walde (oberhalb Beurens) aufhalten. Und so nahm ich noch ein paar Gulden Geld zu mir und ging meinen Weg weiter dem, nächsten Walde zu.

Des abends kam ich dort an, wo ich mehrere Hirten mit verstecktem Vieh und Pferden antraf und bei denselben in einer Hütte mein Nachtquarttier nehmen zu können glaubte. Nachts 10 Uhr aber kam ein Bote (Namens Johann Leinert von Beuren) bei den Hirten an und fragte, nach mir. Ich erkundigte mich bei ihm, was vorgefallen sei. Er antwortete mir: Es sei der Herr Pfarrer, meine Frau und die Mutter, auch der Jaud nach dem benachbarten Beuren (geflohen und so habe man ihn mit noch ein paar Boten ausgeschickt, mich zu suchen: ich möchte sogleich zu ihnen dorthin kommen. Nachdem ich mich versichert hatte, daß keine Franzosen vorhanden seien (er war ein redlicher Mann und Freund von mir), machte ich mich mit ihm auf und ging zu den Meinigen nach Beuren. Wie ich nun da angekommen, schickte ich ihn noch zuvor in das Wirtshaus, um nachzuforschen, ob alles sicher wäre. Als ich erfuhr, daß niemand als die Meinigen da wären, ging ich unerschrocken hinein und grüßte herzlich die Meinigen und fragte sogleich nach der Geschichte mit Jaud und dem Franzosen. Jaud erzählte mir nun die ganze Sache. Nun wurde beraten, was zu tun wäre, ob alles im Stiche zu lassen und weiter zu fliehen, oder unerschrocken zu bleiben und die kommenden Dinge des Schicksals abzuwarten. Da Jaud meinen Hühnerhund und Büchsenranzen noch bei sich hatte, entschlossen wir uns, nach Hause zu gehen, was wir in der Nacht zur Ausführung, brachten. Wir waren zu Hause nicht lange unbehelligt. Schon des anderen Tags kam eine Patrouille Franzosen von 40 Mann mit einem Offizier an meinem Hause vorbei, in das hiesige Wirtshaus. Da lässt sich wohl denken, daß mir bei diesem Einzuge das Herz gepocht hat, denn es stand nicht lange an, so kam schon der Offizier auf mein Haus zugegangen. Bei seinem Eintritt war er ganz höflich gegen mich, weshalb auch ich ganz zuvorkommend erwidert habe. Nun aber ging er die Nachforschung, die Untersuchung ganz sonderlich an und fragte, ob es in dieser Gegend auch viel Wild gebe, denn er sei ein großer Jagdfreund. Ich antwortete: Vor Anfang des Krieges habe es wohl ziemlich viel Wild gegeben, während des Krieges sei es wechselseitig von Freund und Feind stark beschossen worden. Er fragte weiter: Haben sie auch Gewehre bei der Hand und auch Schrot und Kugeln, um auf die Jagd zu gehen? Ja ich habe Gewehre und Schrot, aber nicht bei der Hand, war meine Antwort. Er: Machen sie die Schrote selbst oder beziehen sie sie aus der Stadt? Ich beziehe sie größtenteils aus der Stadt. ER: Wo sind denn die, Gewehre und der Schrot, daß ich auf die Jagd gehen kann? Ich: Meine Gewehre und -Schrot habe ich im Walde versteckt, um diese nicht verlustig zu werden.

Er: Nun, lassen sie solche abholen, damit ich auf die Jagd gehen kann. Auf dieses rief ich dem Forstknecht – dem Jaud - und befahl ihm, die Gewehre und Büchsenranzen im Walde abzuholen. Der Offizier schickte aber auch zwei Soldaten mit in den Wald, um die Gewehre und das übrige abzuholen, hauptsächlich darum, damit ihm nichts entginge Jaud und mit ihm die beiden französischen Soldaten brachten ihm die im Walde versteckten und verrosteten Gewehre samt Büchsenranzen und Schrotbeutel mit. Diese Schrote aber waren ganz klein und keines so groß, wie jene Schrote die dem geschossenen Soldaten ausgeschnitten waren. Als nun der Offizier die verrosteten Gewehre und die in keinem Verhältnis zu seinen, als Muster mitgebrachten und herausgeschnittenen Schroten stehen sah, stand er von ,der Untersuchung ab, beharrte aber dennoch darauf, abend in den Wald auf den Anstand zu gehen. Er ließ daher, da er von meinen verrosteten Gewehren keinen Gebrauch machen konnte, sogleich durch einen seiner Soldaten einen sehr schönen Zwilling, den er schon selber mitgebracht hatte, abholen und ging sofort mit meinem Forstknecht Jaud auf die Jagd. - Jaud stellte ihn auf einen guten Anstand, doch sagte der Offizier zu ihm: Wenn er nichts bekomme, werde er ihm 25 Arschprügel geben lassen. Zum Glück kam dem Offizier ein Has, den er auch erlegte. Mit, diesem Hasen kamen beide vergnügt nach Hause, und so war auch die geängstigte Untersuchung beendet. Die Untersuchungskommission verließ uns des anderen Tags wieder.

Nachdem viele Einquartierungen der Franzosen vorausgegangen, erhielten wir auf einmal ein starkes Belagerungskorps, der Festung Ulm. Der österreichische General Mack lag nämlich mit 25000 Mann in der Festung Ulm; daher erhielten wir ein ganzes Regiment Kavallerie und als Kommandeur den General Sebastian. Somit war unser Ort dicht mit Soldaten angefüllt. Ich erhielt in mein Haus 2 Offiziere, einen Oberleutnant und einen Major nebst sechs gemeinen Soldaten. Dieses Quartier dauerte aber zum Glück nur drei Tage, da der Genal Mack 25000 Mann 2 Kanonen durch Kapitulation schnell an die Franzosen übergeben hatte. Das Benehmen der Franzosen war, was man von Feinden nicht erwarten sollte, so ziemlich ordentlich. Doch läßt sich denken, da auch in kurzer Zeit die Lebensmittel für Menschen, und Pferde ganz aufgezehrt wurden, sodaß für die Soldaten schon Ochsen geschlachtet werden mußten. So geschah es, daß auch in meinem Hause für die Offiziere und Gemeinen solches Fleisch herbeigeschafft wurde und ehe dieses aufgezehrt war, kamen auf einmal Staffetten, daß Ulm übergeben War und die ganze Mannschaft von hier nach ulm ausrücken mußte. Es war am Kirchweih= Nachmittag 1805, da wir nichts mehr zu essen hatten, ging ich den Major bittlich an, er möchte mir von seinem ,übrigen Fleisch einen Teil zurücklassen, damit wir doch auch etwas zu essen hätten. Diese Bitte wurde mir nicht abgeschlagen; der Major übergab mir eine große Portion von ihrem Fleische, womit wir tags darauf auch Kirchweih halten konnten.

Was sich während dieser drei Tage zugetragen, kann ich nicht mit Stillschweigen übergehen: Es war in der zweiten Nacht ,welche sehr schauerlich und finster war, als ich mitten in der Nacht schlag 12 Uhr in ,meiner Kammer aus dem Bett mit wildem Geschrei geweckt wurde mit dem Ruf: Allo, Landsleute, auf, auf ! Nur geschwind macht Licht! Ich machte mich aus diesem Schreckensrufe sogleich aus dem Bett, machte Licht und trat so in die Stube wo die Offiziere schliefen hinein, sah dem Major schon mit Säbel umgürtet und sprach halb deutsch und halb französisch, mich bei dem arm fassend: Allo, geschwind komm, trois chevoux, drei Pfende sind gekrippt (gestohlen). Diese Offizieres-pferde waren alle in meiner Scheuer und ein gemeiner Soldat der den Dolmetscher machte, hatte den Vorfall angezeigt. Ich sah nun mit der Laterne nach und sah nun diese Plätze, wo diese Pferde standen, wirklich leer. Dabei fiel mir ein, weil es die ganze Nacht geregnet hatte und somit das Erdreich weich war, daß ich der Spur nachkommen könnte. Sie führte aus dem Garten zu einem Baum, wo drei Pferde mit Zeunen umwickelt waren. Ich sprach zum Major: da stehen drei Pferde, sind es nicht diese ?-Qui, (ja) sagte er und nun wurden, die Tiere wieder in die Scheune auf den alten Platz zurückgeführt. Der gemeine Mann sprach mit dem Offizier französisch, worauf der Offizier zu mir mit großem zorne ,sprach: Wo ist dein Karl? (Das war mein Forstknecht Jauden) - Allo, geschwind wo ist dein Kerl?- Ich weiß es nicht.- Da sagte der Soldat der deutsch konnte, dieser sei am Abend an der Leiter auf das Heu gestiegen.- Dieser Soldat mußte also zuvor auf französisch solches zum Offizier gesagt haben, daß dieser Mensch die Pferde ausgeführt habe, damit sie ein ander abführen und stehlen könne. Dadurch wollte der Soldat seine Nachlässigkeit in der Versorgung der Pferde decken. Auf dieses rief ich nun den Forstknecht Jaud, welcher auch wirklich im Heu, da kein anderer Platz für ihn vorhanden war, geschlafen hatte. Auf öfteres. Rufen kam er endlich aus dem Schlafe, gab Antwort-und kam noch halb schlafend an der Leiter herunter, nicht ahnend, was vorgefallen und seiner harrte.

Wie Jaud herunterkam, zog der Offizier den Säbel, nahm ihn beim Arm und hieb mit dem Rücken (was ich aber nicht gleich bemerkte) jämmerlich auf diesen ein, der natürlich fürchterlich geschrieen hatte. Auf dieses trat ich zum Offizier und bat ihn mit aufgehobenen Händen, er möge ihn nicht töten, dieser Mensch wäre ja unschuldig. Da gab er endlich nach und sagte mir, was dieser Soldat gesagt hatte. Jaud ging nun mit dem zerschlagenen Buckel davon. Der Offizier zog sich sofort auf sein Zimmer zurück, lud sogleich seine Pistolen und sagte nochmals: Dein, Kerl viel coujon, wenn er kommt, vor ihn kaput! Des selben Morgens machte meine Frau den Offizieren das gewöhnliche Frühstück und der Major lud mich wie bisher zum Essen ein. Ich sagte aber: 0 Herr Major, vor mich nicht Apetitt! Er sagte aber: 0 Monsieur chasseur vor dich brav Mann,' dein Kerl aber coujon (Spitzbub).
(Alle angaben in dem Abschnitt Schnürpflingen in den Koalitionskriegen" sind der Broschüre" Notitzen aus meinem Leben" entnommen. Die Schrift befindet sich im Besitz des Revierförsters Mosmayer in ,Rot)

In diesem Jahre wurde die neue Orgel aufgestellt. Sie kam an die gleiche Stelle, wo das alte kleine "Positiv- Örgelein" gestanden hätte. Sie kostete nach Akkord 336 fl. die alte, kleine Orgel wurde von dem Orgelmacher um 24 fl angenommen. Die neue Orgel wurde von dem Orgelmacher Kaspar Spindel von Schussenried verfertigt. Am 15. August konnte das erste Mal mit ihr gespielt werden.
Der Sommer dieses Jahres stand im Zeichen von zwei furchtbaren Hagelwettern. Am 15.' Juli, an einem Donnerstag, stieg am Horizont ein unheildrohendes Gewitter auf. Es kam aus Richtung Ehingen und zog weiter in Richtung Wiblingen. Ein furchtbares Hagelwetter setzte ein und vernichtete in den Nachbargemeinden Stetten, Dellmensingen, Hüttisheim, Altheim, Staig und Steinberg die gesammten Feldfrüchte Es fielen Schlossen in der Größe eines Hühnereies- und noch größer in Schnürpflingen entstand an diesem Tage nur geringer Schaden, Dorndorf wurde ganz, verschont. Bereits drei Tage später kamen wieder unheildrohende Gewitterwolken aus der gleichem Richtung. Über den gleichen Orten entlud sich wieder ein schrecklicher Hagelschauer und vernichtete vollends, was das letztemal noch nicht restlos zerstört wurde. Auch die Markung Schnürpflingen erlitt an diesem Tage. großen Schaden. In Dorndorf wurden an diesem Tage ebenfalls sämtliche Felder verwüstet. Die Teilgemeinde Beuren blieb an beiden Tagen ganz verschont.

Am 13. Mai setzte große Kälte ein, sodaß das gesamte Obst und der meiste Roggen erfrohr. Die Ernte war daraufhin schlecht.

Zwei ledige Burschen von hier standen vor Gericht. Es war dies der Anton Aubele von Beuren und Anton Jans von Schnürpflingen. Beide hatten auf dem Wege von Beuren nach Illerrieden eine Frau aus Bihlafingen überfallen und ausgeraubt. Während Anton Jans nur Beihilfe leistete, überfiel Anton Aubele die Frau, schnitt ihr den Beutel in welchem sie 8 fl hatte vom Rock und ging nach Dorndorf. Dem Jans gab er von seiner Beute 2 fl.

Im Frühjahr wurden durch einen württembergischen Geometer die Felder, Wiesen, Gärten und Waldungen vermessen.

In diesem Jahre herrschte im Dorfe rege Bautätigkeit. Neben dem Schulhaus das in diesem Jahr neu erbaut wurde, entstanden noch sechs weitere Häuser im Ort.

Das Schulhaus, das heute noch als solches verwendet wird, wurde mit einem Kostenaufwand von 2500 fl erbaut. Davon wurden vom Stiftungsrat 800 -fl- bewilligt. Beuren zahlte, 300 fl. Den Rest von 1400 fl, zahlte die Gemeinde Schnürpflingen. Die Maurerarbeiten führte Roman Dieman von Wiblingen aus. Zimmermeister war Ignaz Rieger von Steinberg. Die Schreinerarbeiten wurden von Joseph Schneider von hier ausgeführt.

Ein Mann, Namens Johannes Edel erhängte aus Melancholie im Stadel.

Ein sehr trockener Sommer ließ die Brunnen im Oberdorf austrocknen, sodaß man mit Fässern das Wasser in der Weihung holen mußte.

Durch anhaltenden Regen trat die Weihung über die Ufer und überschwemmte die Wiesen.

Acht Häuser des Weilers Ammerstetten, die bisher zur Pfarrei Staig gehörten, ,kamen durch bischöfliches Dekret an die Pfarrstelle Schnürpflingen. Die übrigen Häuser gehören wie schon erwähnt, nach wie vor zur Pfarrei Hüttisheim.

In diesem Jahr wurde das Pfarrhaus gründlich überholt, man kann fast sagen, neu erbaut. Die gesammten Baukosten betrugen 3353 fl.. Ebenso wurden gründliche Reparaturen an der Kirche vorgenommen, die einen Kostenaufwand von 3600 fl erforderten.

In diesem Jahretritt eine Kartoffelkrankheit auf, als trockene oder als nasse Fäule bezeichnet. Die Kartoffeln Verfaulten zum größten Teil schon auf dem Feld, die übrigen im Keller. Die Folge davon war eine Knappheit an Lebensmitteln, die in vielen anderen Gebieten und Ländern den Hungertod von tausenden von Menschen zur Folge hatte.

In diesem Jahre verschwand ein Brauch aus dem Dorf um den es uns heute fast leid tun könnte. Alljährlich um die Weihnachtszeit zog der Kirchenchor von Haus zu Haus um sich eine Entschädigung für seine Bemühungen zu ersingen. Dabei sollen „Dinge vorgekommen sein, die gegen Anstand und gute Sitte verstoßen" . Deshalb setzte der damalige Pfarrer durch, daß den Sängern und Sängerinen von sofort ab eine Entschädigung von 25 fl jährlich gezahlt wurde. Wenn auch gewisse Dinge passierten, so hat es vielleicht an der nötigen Führung und Beratung gefehlt, um aus dem Bettelsingen einen schönen Weihnachtsbrauch zu machen. Wie herrlich wäre es, käme heute in der Weihnachtszeit die Sänger und würden die Menschen mit Liedern erfreuen. In vielen Gegenden Deutschlands und Österreichs ist dieses Weihnachtssingen heute noch zu Hause.

In Folge der Kartoffelkrankheit herrschte im ganzen Lande ein großer Mangel an Lebensmitteln. Der Württembergische Staat musste allein 4 Mill. Gulden an Unterstützungen für die Notleidenden zahlen. Erst nach Einbringung der Ernte die in diesem Jahr gut ausfiel, wurde die Ernährungslage besser.
Während der Erntezeit ereignete sich im Ort ein bedauerlicher Unfall. Am Sonntag den 7. August ging Joseph Eiberle aus dem Bierschank nach Hause. Unweit des Bierschankes begegnete ihm sein Freund Benedikt Mattheis von Beuren, der bei dem Forstwart Xaver Moßmayer von hier das Weidwerk lernte. Sie spaßten miteinander wie es bei jungen Leuten vorkommt. Dabei entlud sich das Gewehr des Benedikt Mattheis und die ganze Ladung ging dem Joseph Eiberle in den Oberschenkel. Am Samstag darauf starb der Verletzte unter furchtbaren Schmerzen an Starrkrampf, im 21. Lebensjahr. Benedikt Mattheis entging der Strafe, weil der Verunglückte noch kurz vor seinem Tode die Unschuld desselben beteuert hatte.
Der .genannte Xaver Moßmayer enstammt einem alten Jägergeschlecht, das bereits im 17. Jahrhundert genannt wird.

Einige Jünglinge gründeten eine Kapelle um an Festtagen in der Kirche zu spielen.

Das alte Schulhaus, welches auf dem heutigen vorderen Friedhof stand, wurde niedergerissen. Es war schon arg zerfallen und drohte einzustürzen . Seit dem Bau des neuen Schulhauses hatte es seine Bestimmung verloren und diente lediglich den Hirten als Unterkunft. Der freie Platz wurde zur Vergrößerung des Gottesackers verwendet.

Dieses Jahr ist wohl das Schrecklichste in der Geschichte des Dorfes. Am 24. April entstand hier eine furchtbare Feuersbrunst die innerhalb 1/2 Stunde 21 Gebäude einäscherte. Es war ein stürmischer Frühlingstag. Um die Mittagszeit entstand in dem Hause des alten Müllers Anton Zweifel ein Brand. Man erzählte, eine alte Frau habe Fett ausgelassen, dabei unvorsichtig hantiert und so das Haus in Brand gesetzt. Jedoch ist diese Annahme nicht bestätigt. Noch ehe die ersten Leute zu Hilfe eilen konnten, brannten bereits vier Häuser. Da in dieser Zeit noch viele Häuser mit Stroh gedeckt waren, fanden die Flammen reiche Nahrung.

Die meisten Männer waren an diesem Tage in Ulm auf dem Markt. zudem herrschte in jenem Jahr große Trockenheit, sodaß Wassermangel die Löscharbeiten fast unmöglich machte. Innerhalb einer halben Stunde standen 21 Häuser in Flammen. Retten konnten die unglücklichen Menschen außer dem Vieh fast nichts.

Der damalige Pfarrer hat im Pfarrbuch XIV Seite 89 dieses Ereignis aufgezeichnet.: Ich eilte nun soviel ich konnte, nach Hause und ließ im Pfarrhof alle Fensterläden schließen, sicher erwartend, der ganze Ort, werde ein Raub der Flammen werden. Sogleich wurden in aller Schnelligkeit die Kostbarkeiten der Stiftung, Monstranzen, Kelche, Meßgewänder und Rauchmantel zusammengepackt und unten im Pfarrgarten in der Nähe des Weihers in Sicherheit gebracht. Von den meinigen Sachen konnte ich nur wenig retten, denn alles war mit der Rettung der eigenen Habe beschäftigt.

Auf einmal drehte sich der Wind und wehte vom Süden her, da trat der Revierförster von Kirchberg, Karl Gendorfer in den Pfarrhof und sagte: Jetzt ist es hohe .Zeit Herr. Pfarrer, daß sie den Pfarrhof verlassen, sonst kommen sie nicht mehr hinaus. Alsbald ergriff er mich am Arm, führte mich hinaus und brachte mich an einen sicheren Ort. Infolge des veränderlichen Windes war der Pfarrhof in großer Gefahr, und er Würde auch, wenn die Läden nicht geschlossengewesen wären, unfehlbar abgebrannt sein; denn die Hitze war derart groß, daß die Fenster im Pfarrhof trotz geschlossener Läden fast alle sprangen, der Gartenzaun abbrannte und alle Pflanzen und Gartensträucher zugrunde gingen. .Auch die Kircne war in sehr großer Gefahr, zwischen zwei mächtigen Feuern eingeengt. Schon brannte die Sakristeitür, das Christusbild im Kerker, und oben im Turm war die Hitze so mächtig, daß es kein Mensch mehr aushalten konnte. "Das Missionskreuz auf dem Gottesacker brannte ab, auch viele Grabkreuze und hölzerne Denkmäler wurden teils ganz, teils teilweise zerstört.
Die Not der Abgebraten war sehr groß. Es fehlte ihnen an allem: An Kleidung, Wohnung und Nahrung. In den wenigen nicht abgebrannten Häusern wurden sie bereitwilligst aufgenommen. Einige fanden auch Unterschlupf in Beuren und Ammerstetten.

Von allen Seiten stand man den Unglücklichen bei die ersten welche in derNpot beistanden, waren dje Bürger Laupheims. Schon am zweiten Tage kamen von dort her 2 Wagen mit Stroh und 2 'Wagen mit Heu. Der Neue Bauer in Wangen schickte 63 große Laib Brot und 5 Sr. Weißmehl u.s.w.
Die abgebrannten Gebäude sind folgende:
Das Haus des Anton Zweifel, Karl Huber, Anton Scheck, Johann Georg Zeiler, Haus und Stadel des Joh. Jans, das Haus der Creszentia Miller, des Joh. Glanz, der Witwe Rosina Renner, der Narzis Ziesel, des Karl Jans, des Ledovik Huber, des Stephan Rieger, das Wohn und Pfründhaus des Matthias Laib, das Haus des Georg Aman, des Johannes Frank, des Joh. Georg Jans (Baderschneider) , Haus und Stadel der Witwe Anna Nohr, das Haus des Johannes Schäfhold, des Josepf Schneider, der Pfarrstadel. Außerdem wurden noch einige Häuser stark beschädigt: Das Haus des Joh. Georg Glanz, des Joh. Babtist Jans, des Viktorian Hagel, des Anton Huber.

Nur 2 Familien waren in der Mobilarversicherung: Anna Nohr und Joseph Schneider. Viele waren mit niedrigen Sätzen in der Feuerversicherung. Der Wiederaufbau. der zerstörten Häuser ging rasch vonstatten. Es wurde ermöglicht, durch die allseitige Unterstützung von außen. Hauptsächlich stellte der Graf Raymund Fugger den Abbrändlern zu niedrigem Preis das Holz zur Verfügung. In der Herbeischaffung der Baumaterialien wetteiferten die Bewohner der ganzen Umgebung. Schon am 20 Juli waren bereits wieder 20 Häuser unter Dach.

Die gesamten eingegangenen Geldspenden betrugen 1777 fl 28 Kr.
Alle Häuser wurden wieder auf der Brandstätte aufgebaut. Nur Karl Jans verkaufte seine Brandstätte an Viktorian Hagel und erbaute sich sein Häuschen jenseits der Weihung, am Wege nach Dorndorf.

Im Monat Januar brachen unter den Kindern die Masern aus. Die Schule mußte geschlossen werden, einige Kinder starben an dieser Krankheit.

Im diesem Jahre wurde auch die Kapelle an der Straße nach Ammerstetten durch die Witwe Anna Schneider erbaut.

Bei einem Gewitter schlug der Blitz in die Scheune des Hieronymus Nohr ein und diese brannte, ganz ab.

Es ereignete sich ein seltsames Naturereignis. Am 20. Januar herrschte ein gewaltiger Sturm, der fast in einen Orkan ausartete. Abends um 6 Uhr kam plötzlich ein heftiges Gewitter, wie es in den Sommermonaten nicht heftiger hätte sein können. Im August des gleichen Jahres war wieder ein heftiges Gewitter, das großen Schaden an den Feldfrüchten und an den Häusern anrichtete. In einigen Gemeinden hagelte es derart, daß viele Leute die im Freien überrascht wurden, so übel zugerichtet wurden, dass man sie versehen mußte.

Dieses Jahr stand im Zeichen des deutsch- französischen Krieges. Auch aus Schnürpflingen waren vier Männer in diesem Krieg. Es waren dies: Alois Trautmann, Joh. Georg Frank, Joh. Zeiler und Nicolaus Huber von Ammerstetten.

In der Nacht vom 26 auf den 27..Oktober wütete hier ein furchtbarer Sturm, der namentlich in den Wäldern großen Schaden anrichtete.

Wieder richtete ein schreckliches Gewitter großen Schaden an den Feldern an., Am härtesten wurde Ammerstetten betroffen.

In den Wintermonaten grasierte unter den Kindern der Scharrlach, Einige Kinder starben. Dem Müller Schnell starben drei Knaben im Alter von 3,4,8 Jahren.

Dieses Jahr zeichnete sich durch einen besonders milden Winter aus. Zu Weihnachten blühten Veilchen und Goldlack.

Zu den bereits vorhandenen 6 Wirtschaften kamen in diesem Jahr noch 2 weitere hinzu. Der alte Müller Martin Baur eröffnete die Wirtschaft "Zum deutschen Reich". In Ammerstetten entstand die Wirtschaft "zur Krone".

In der Nacht vom 27. auf den 28. August brannte in Ammerstetten das Haus des Johannes Laib ab. Der frühere Besitzer Stefan Baur , mußte seinerzeit das Haus verkaufen, da er kurz vor dem Gant (Versteigerung) stand. Aus Reche zündete er das Anwesen an. Der Brandstifter wurde noch am gleichen Tage bei seiner Schwester in Bronnen verhaftet und legte ein Geständnis ab. Das Schwurgericht in Ulm verurteilte ihn zu einer Strafe von 4 1/2 Jahren Zuchthaus.

Der Gastwirt Kuhn baute in diesem Jahr ein neues Bräuhaus. Es wurde im Jahre 1951 niedergerissen, nachdem es schon Jahre vorher stillstand, und an seine Stelle kam ein modernes Wohnhaus. Das Bräuhaus, sowie das an seiner Stelle stehende Wohnhaus gehört zum Gasthaus zum Kreuz.

Die Gemeinde entschloß sich, einen Leichenwagen zu kaufen. Bisher wurden die Toten mit einem Leiterwagen zum Friedhof gefahren. Die Anschaffung war notwendig, da die Entfernung der Filialgemeinden immerhin rund 2 km beträgt.

Nach vielen und langwierigen Bemühungen wurde mit dem Bau der neuen Kirche begonnen. Näheres siege. unter Geschichte der Kirche.

Dieses Jahr zeichnete sich durch große Nässe aus. Die Bauern wussten nicht, wie Sie die Ernte einbringen sollten. Noch in der Woche vom 5.- 10. Oktober hat man den Hafer und Öhmd eingeführt. (Pfarrbuch vom Jahre 1881 an)

Schnürpflingen Beuren Ammerstetten
1823. . . . . . . . . . . . . . . . . 336. . . . . . . . . . . . . .143
1824. . . . . . . . . . . . . . . . . 336. . . . . . . . . . . . . .144
1825. . . . . . . . . . . . . . . . . 336. . . . . . . . . . . . . .144
1826. . . . . . . . . . . . . . . . . 341. . . . . . . . . . . . . .145
1827. . . . . . . . . . . . . . . .. .349. . . . . . . . . . . . . .142
1840. . . . . . . . . . . . . . . . . 368. . . . . . . . . . . . . .169. . . . . . . . . . . . . . . 70

Der Brand des Jahres 1852

1852

Dieses Jahr ist wohl das Schrecklichste in der Geschichte des Dorfes. Am 24. April entstand hier eine furchtbare Feuersbrunst die innerhalb 1/2 Stunde 21 Gebäude einäscherte. Es war ein stürmischer Frühlingstag. Um die Mittagszeit entstand in dem Hause des alten Müllers Anton Zweifel ein Brand. Man erzählte, eine alte Frau habe Fett ausgelassen, dabei unvorsichtig hantiert und so das Haus in Brand gesetzt. Jedoch ist diese Annahme nicht bestätigt. Noch ehe die ersten Leute zu Hilfe eilen konnten, brannten bereits vier Häuser. Da in dieser Zeit noch viele Häuser mit Stroh gedeckt waren, fanden die Flammen reiche Nahrung.

Die meisten Männer waren an diesem Tage in Ulm auf dem Markt. zudem herrschte in jenem Jahr große Trockenheit, sodaß Wassermangel die Löscharbeiten fast unmöglich machte. Innerhalb einer halben Stunde standen 21 Häuser in Flammen. Retten konnten die unglücklichen Menschen außer dem Vieh fast nichts.

Der damalige Pfarrer hat im Pfarrbuch XIV Seite 89 dieses Ereignis aufgezeichnet.: Ich eilte nun soviel ich konnte, nach Hause und ließ im Pfarrhof alle Fensterläden schließen, sicher erwartend, der ganze Ort, werde ein Raub der Flammen werden. Sogleich wurden in aller Schnelligkeit die Kostbarkeiten der Stiftung, Monstranzen, Kelche, Meßgewänder und Rauchmantel zusammengepackt und unten im Pfarrgarten in der Nähe des Weihers in Sicherheit gebracht. Von den meinigen Sachen konnte ich nur wenig retten, denn alles war mit der Rettung der eigenen Habe beschäftigt.

Auf einmal drehte sich der Wind und wehte vom Süden her, da trat der Revierförster von Kirchberg, Karl Gendorfer in den Pfarrhof und sagte: Jetzt ist es hohe .Zeit Herr. Pfarrer, daß sie den Pfarrhof verlassen, sonst kommen sie nicht mehr hinaus. Alsbald ergriff er mich am Arm, führte mich hinaus und brachte mich an einen sicheren Ort. Infolge des veränderlichen Windes war der Pfarrhof in großer Gefahr, und er Würde auch, wenn die Läden nicht geschlossengewesen wären, unfehlbar abgebrannt sein; denn die Hitze war derart groß, daß die Fenster im Pfarrhof trotz geschlossener Läden fast alle sprangen, der Gartenzaun abbrannte und alle Pflanzen und Gartensträucher zugrunde gingen. .Auch die Kircne war in sehr großer Gefahr, zwischen zwei mächtigen Feuern eingeengt. Schon brannte die Sakristeitür, das Christusbild im Kerker, und oben im Turm war die Hitze so mächtig, daß es kein Mensch mehr aushalten konnte. "Das Missionskreuz auf dem Gottesacker brannte ab, auch viele Grabkreuze und hölzerne Denkmäler wurden teils ganz, teils teilweise zerstört.

Die Not der Abgebraten war sehr groß. Es fehlte ihnen an allem: An Kleidung, Wohnung und Nahrung. In den wenigen nicht abgebrannten Häusern wurden sie bereitwilligst aufgenommen. Einige fanden auch Unterschlupf in Beuren und Ammerstetten.

Von allen Seiten stand man den Unglücklichen bei die ersten welche in derNpot beistanden, waren dje Bürger Laupheims. Schon am zweiten Tage kamen von dort her 2 Wagen mit Stroh und 2 'Wagen mit Heu. Der Neue Bauer in Wangen schickte 63 große Laib Brot und 5 Sr. Weißmehl u.s.w.
Die abgebrannten Gebäude sind folgende:
Das Haus des Anton Zweifel, Karl Huber, Anton Scheck, Johann Georg Zeiler, Haus und Stadel des Joh. Jans, das Haus der Creszentia Miller, des Joh. Glanz, der Witwe Rosina Renner, der Narzis Ziesel, des Karl Jans, des Ledovik Huber, des Stephan Rieger, das Wohn und Pfründhaus des Matthias Laib, das Haus des Georg Aman, des Johannes Frank, des Joh. Georg Jans (Baderschneider) , Haus und Stadel der Witwe Anna Nohr, das Haus des Johannes Schäfhold, des Josepf Schneider, der Pfarrstadel. Außerdem wurden noch einige Häuser stark beschädigt: Das Haus des Joh. Georg Glanz, des Joh. Babtist Jans, des Viktorian Hagel, des Anton Huber.

Nur 2 Familien waren in der Mobilarversicherung: Anna Nohr und Joseph Schneider. Viele waren mit niedrigen Sätzen in der Feuerversicherung. Der Wiederaufbau. der zerstörten Häuser ging rasch vonstatten. Es wurde ermöglicht, durch die allseitige Unterstützung von außen. Hauptsächlich stellte der Graf Raymund Fugger den Abbrändlern zu niedrigem Preis das Holz zur Verfügung. In der Herbeischaffung der Baumaterialien wetteiferten die Bewohner der ganzen Umgebung. Schon am 20 Juli waren bereits wieder 20 Häuser unter Dach

Die gesamten eingegangenen Geldspenden betrugen 1777 fl 28 Kr.
Alle Häuser wurden wieder auf der Brandstätte aufgebaut. Nur Karl Jans verkaufte seine Brandstätte an Viktorian Hagel und erbaute sich sein Häuschen jenseits der Weihung, am Wege nach Dorndorf.

Schnürpflingen im 20. Jahrhundert

Dies fünf Jahre könnten wir als die Brandjahre bezeichnen. Es verging kein Jahr, wo nicht ein Haus oder eine Scheune abbrannte.

Am 5. Mai brannte das Haus des Schmieds Ott in Ammerstetten bis auf die Grundmauern ab. Kinder waren die, Urheber dieses Brandes. In der gleichen Woche, am 10. Mai, brannte die Scheune des Bauern Johann Georg Völk ab. Brandstiftung wurde als die Ursache vermutet.
Im August 1902 brannte das Wohnhaus des Söldners Herrmann in Ammerstetten ab. Die Brandursache blieb ungeklärt.

Am sogenannten "gompigen Donnerstag", dem Donnerstag vor dem Faschingsdienstag, des Jahres 1903 brannte die Scheune des "Oberen Bauern" Schick in Ammerstetten ab. Brandursache ungeklärt.
Am 17. Mai 1904 brannte das Haus des Schuhmachers Wilbo1d in Schnürpf1ingen ab. Kinder hatten in der unmittelbaren Nähe des Hauses ein Feuer gemacht, das auf das Gebäude übergriff.
Zur Abwechslung brannte im Jahre 1905 das Armenhaus in Beuren nieder. Ein Knabe hatte es angezündet. Es wurde nicht mehr aufgebaut, sondern man riß in Schnürpflingen das Armenhaus nieder und baute ein neues auf.

Im Jahre 1906 brannte die Heuhütte des Boten Trautmann von hier nieder. Brandstiftung war die Ursache. (Pfarrbuch von 1881 ab) . "

1910

In diesem Jahr wurde bei Beuren ein neuer Weihungskanal gegraben. Dabei stieß man auf ein Gräberfeld. Man vermutet, dass es sich um den alten Friedhof handelt. (Förster Bailer, Schnürpflingen) Siehe auch unter 1951

Der erste Weltkrieg

Im August 1914 brach nach glücklichen Friedensjahren der erste Weltkrieg, aus. Vier Jahre sollte dieses Morden der Völker in Atem halten. Für das deutsche Volk war es eine Zeit schwerster Entbehrungen. Mit der Länge des Krieges wuchs auch die Not.

Durch die Blockade der Feindmächte wurde Deutschland von den Außenmärkten abgeschnitten. Ein außerordentlicher Mangel an Nahrung und Bekleidung trat ein. Da die meisten Männer zu den Waffen gerufen wurden, mußten die Frauen die Felder bestellen und waren für die Erziehung der Kinder allein verantwortlich.

Wenn auch Schnürpflingen nicht direkt unter Feindeinwirkung zu leiden hatte, so kehrte doch in vielen Familien bitteres Leid ein. Gleich am ersten Mobilmachungstag mußten 70 Männer der Gemeinde einrücken.

Die Zahl der Gefallenen betrug im Laufe der vier Kriegsjahre 36, die der Vermißten 3 (Pfarrbuch ab 1881).
In den Geburts= und Sterberegistern merken wir die Einwirkungen des Krieges.
Geburten Sterbefälle
1914 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21. . . . . . . . . . . . . . . . 17
1915. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .16. . . . . . . . . . . . . . . . 19
1916. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13. . . . . . . . . . . .. . . . .17
1917. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10. . . .. . . . . . . . . . . . .14
1918. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13. . . . . . . . . . . . . . . . 10
1919. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17. . . . . . . . . . . . . . . . . 6
1920. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 . . . . . . . . . . . . . . . . .3

Die Angaben sind den Geburts= und Sterberegistern des Bürgermeisteramtes Schnürpflingen entnommen.
Die Zahlen zeigen den Geburtenrückgang während des ersten Weltkrieges an.
Die Nachkriegsjahre waren sehr bewegt. In politischer, wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht herrschten große Spannungen. Näheren Aufschluß darüber gibt jedes Geschichtsbuch. Nicht unerwähnt soll die Inflation bleiben. Das Geld wurde entwertet, sodaß im November 1923 1000.000.000.000 (1 Billion) Papiermark in 1 Rentenmark umgetauscht wurden.

Ein schwerer Sturm richtete besonders in den Wäldern großen Schaden an. Im Fuggerschen Revier wurden umgeworfen.

Am 6.Juni 1926 trat in Folge eines wolkenbruchartigen Regens die Weihung über die Ufer. Sie überschwemmte das ganze Tal und setzte auch die Häuser welche an der Weihung stehen unter Wasser. Menschenleben waren nicht zu beklagen.

Um die Ziegen des Medardus Konrad, zu retten, wurde ein Scheunentor als Floß benutzt. So fuhr man zu dem hause und brachte die Tiere in Sicherheit.

In diesem Jahre wurde die Schwesterstation errichtet. Die Gemeinde kaufte das Privathaus des Josef Kögel und richtete darin zwei Säle und Schwesternwohnung ein. Am 20. Juni zogen zwei Schwestern des Klosters Reutte in aller Stille ein. Die Schwestern erfreuten sich bald großer Beliebtheit. Vor allem, weil nun bei Krankheitsfällen jemand zur Hand war. Heute gehört die Schwesternstation zum festen Bestandteil des Dorfes.

Der strenge Winter 1928/29 richtete überall großen Schaden an. Einigen Leuten ist der Most in den Kellern gefroren, sodaß die Fässer gesprengt wurden. Anderen erfroren Kartoffeln und Rüben, vom Schaden an den Obstbäumen ganz zu schweigen. Besonders stark hatte auch das Wild unter der Kälte zu leiden.

Ein schwerer Sturm richtete wiederum besonders in den Wäldern großen Schaden an. Am 23. November wurden im fuggerschen Revier rund 25000 fm Holz umgeworfen.(Rev. Förster Bailer,Schnürpflingen).

Plötzlich einbrechende Költe verursachte am 23.0ktober heftigen Schneefall. 70 cm Schnee lag an diesem Tage. Es entstand Schaden an den, Bäumen, die noch zum großen Teil Laub trugen..
Zum Teil war noch Obst an den Bäumen.

Der Nationalsotialismus kommt an die Macht. Eine Partei hat die gesamte Macht in den Händen (NSDAP) Reichspräsident Paul von Hindenburg ernannte den Führer der NSDAP zum Reichskanzler. Näheres in den Geschichtsbüchern.
In der Gemeinde wurde die Molkerei erbaut.
Als weiteres Bauprojekt wurde der Bau der Wasserleitung durchgeführt. Bis zu dieser Zeit waren die Einwohner auf die im Dorfe vorhandenen Brunnen angewiesen, die bei Trockenheiten öfters versagten.

Anfangs September brannte das Anwesen der Witwe des Karl Huber -vollständig ab. Die Brandursache, ist nicht bekannt.

Im ganzen Lande herrschte unter dem Klauenvieh die Maul- und Klauenseuche. Kein Haus blieb davon verschont. Einige Kühe, Kälber, Schweine fielen der Seuche zum Opfer.

.Noch sah man allenthalben die Opfer des ersten Weltkrieges und schon brach ein neuer Krieg aus. Er sollte in seiner Grausamkeit alles bisher dagewesene in den Schatten stellen. Es wurde ein totaler Krieg, in dem es kein hinterland mehr gab, sondern nur Front. Auch die Zivilbevölkerung blieb nicht verschont.

Die Flugzeuge warfen ihre Bombenlast auf Städte und Dörfer. Die Bewohner der größeren Städte wurden vielfach evakuiert und auf das Land gebracht. Auch Schnürpflingen bekam Leute aus den West- gebieten.

So groß anfänglich die Erfolge der deutschen Wehrmacht waren, so machte sich mit der Zeit doch immer mehr die erdrückende Übermacht des Gegners bemerkbar. Am meisten machte sich die Überlegenheit in der Luft bemerkbar. Mächtige Bombengeschwader flogen fast täglich in das Reich ein und überschütteten die Städte mit einem Bombenhagel. Der 16. Dezember 1944 brachte auch Ulm den ersten großen Angriff. Kaum hatten die Sirenen geheult, da krachten auch schon die ersten Bomben. 1/2 Stunde dauerte der Angriff und die gesamte Innerstadt war ein Trümmerhaufen. Das Münster entging jedoch der Zerstörung.

Der Vormarsch der Alliierten trug nun den Krieg auch zu Lande nach Deutschland herein. Das schreckliche Morden näherte sich seinem Ende.

Am 24. April morgens 9 Uhr 15 Minuten fuhren die ersten amerikanischen Panzerspähwagen von Bihlafingen her in das Dorf ein. Die deutschen Soldaten hatten sich in der vorhergehenden Nacht zurückgezogen, trotzdem man zuerst Schnürpflingen verteidigen wollte. Amerikanische und französische Truppen zogen durch den Ort über Beuren, Dorndorf, Illerrieden nach Vöhringen.
Beim Einzug der alliierten Truppen wurde auf dem Kirchturm die weiße Fahne gehisst.

In Beuren wurden etwa 10 Schuß mit dem Maschinengewehr auf das Haus des Georg Aubele abgefeuert, denn in der Scheune hatten sich zwei deutsche Soldaten versteckt gehalten. Als die Panzer heranfuhren, bekamen es die beiden mit der angst zu tun und sprangen über den Hof auf das Haus zu. Die Mannschaft des ersten Fahrzeuges hatte diesen Vorgang beobachtet und eröffnete sofort das Feuer. Getroffen wurde zum Glück niemand.

Eine kleine amerikanische Einheit machte hier im Ort Quartier. Einige Familien mußten sofort ihre Wohnhäuser räumen und bei bekannten oder Verwandten Unterkunft suchen.
Schwere Artillerie ging im Oberdorf und gegen Abend vor allem bei Beuren in Stellung und nahm die deutschen Stellungen im Bayrischen, jenseits der Iller, unter Feuer.

Nach der bedingungslosen Kapitulation am 9. Mai wurde Deutschland in vier Zonen eingeteilt. Im Wald zwischen Schnürpflingen und Bihlafingen ging die Zonengrenze zwischen der amerikanischen und französischen Zone. Die Grenze wurde schaff überwacht und es war nur gestattet, mit einem Passierschein die Grenze zu passieren.

Das Jahr 1946 brachte die traurigste Erscheinung der Nachkriegszeit, das Heer der Heimatvertriebenen aus dem deutschen Osten. In bestialischer Weise wurden diese Menschen von Haus und Hof vertrieben und in die Westzonen transportiert Millionen wurden von Tschechen, Polen und Russen, Ungarn, Rumänen und Jugoslawen grausam ermordet.

Auch nach Schnürpflingen kamen sehr bald "Flüchtlinge". Am 13. März kam der erste Transport im Dorfe an und wurde auf die einzelnen Häuser aufgeteilt. Die meisten der Flüchtlinge waren
Sudetendeutsche, ca 40 Personen kamen aus Ungarn.

Nun standen diese Menschen,einst selbst Besitzende, als Bettler vor den Türen der westdeutschen Bevölkerung.

Die Ernährungslage in den Nachkriegsjahren war katastrophal. Besonders schlecht wurde es im Frühjahr und Sommer des Jahres 1947l Man konnte von einem Hungerjahr sprechen. Pro Person gab es folgende Mengen an Nahrungsmitteln (pro Monat) für Erwachsene:.
6000 gr Brot, 200 gr Fett,300 gr Fleisch, 185 gr Käse und die gleiche Menge Nährmittel. In Scharen kamen die Städter auf das Land um zu „hamstern" .Es war beschämend, wie die Menschen gleichsam als Bettler von Haus zu Haus zogen. Gleich schlecht stand es mit Kleidern und Gebrauchsgütern aller Art.

Erst die Währungsreform vom 20. Juni 1948 änderte mit einem Schlage das Bild. Mit dem neuen Geld füllten sich fast über Nacht die Schaufenster der Geschäftsleute und man bekam schon lange entbehrte Dinge wieder zu sehen und zu kaufen. Allerdings fehlte jetzt das Geld dazu.

Als Abschluß des Kapitels seien die Geburts= und Sterbefälle während des Krieges aufgeführt.
Geburten Sterbefälle
1938. . . . . . . . . . . . . . . . 9. . . . . . . . . . . . . . 12
1.939. . . . . . . . . . . . . . . 12. . . . . . . . . . . . . . 10
1940. . . . . . . . . . . . . . . . .7. . . . . . . . . . . . . . . 7
1941. . . . . . . . . . . . . . . .13. . . . . . . . . . . . . . 10
1942 . . . . . . . . . . . . . . . 11. . . . . . . . . . . . . . . 8
1943. . . . . . . . . . . . . . . . 4. . . . . . . . . . . . . . . 6
1944 . . . . . . . . . . . . . . . . 9. . . . . . . . . . . . . . 10
1945. . . . . . . . . . . . . . . 12. . . . . . . . . . . . . . 15
1946 . . . . . . . . . . . . . . . 12. . . . . . . . . . . . . . 18 +
+ Unter den 18 Sterbefällen des Jahres 1946 befinden sich 12 Gefallene des letzten Krieges, von denen erst nachträglich die Todesnachricht eintraf.

Auch dieser Krieg forderte viele Opfer. Die Gemeinde hat in diesem Kriege 25 Gefallene und 16 Vermißte zu beklagen. Aus der Gefangenschaft sind alle ehemaligen Soldaten zurückgekehrt.

Schnürpflingen 1950

Fünf Jahre nach dem Kriege hat sich das Land schon wieder gut erholt. Das normale Leben ist wieder eingekehrt. Selbstverständlich merkt man noch überall, daß wir einen verlorenen Krieg hinter uns haben. Hauptsächlich hat Deutschland unter den Spannungen zwischen Ost und West zu leiden.
Im Ort befinden sich heute 215 Neubürger (Flüchtlinge). Die Gesamteinwohnerzahl beträgt demnach nach der Volkszählung vom September 1950 841 Personen.

Viele Leute fahren soweit sie nicht Bauern sind, täglich mit dem Omnibus in die Stadt Ulm zur Arbeit. Ein kleiner Teil arbeitet im Ort in verschiedenen Handwerksbetrieben.
Am Karsamstag wurde am Schulhof die Linde gepflanzt.

Im März wurde, nachdem der Gemeinderat bereits im vergangenen Jahr den Beschluß gefaßt hatte, die Korrektion der Weihung begonnen. Die Firma Keller-Bau aus Ulm wurde mit der Durchführung der Arbeiten beauftragt.

Die Gemeinde mußte tief in die Tasche greifen, denn die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 60000 DM. Durch ERP Kredite und Zuschüsse von Seiten des Landes und des Landesarbeitsamtes konnte die Finanzierung gesichert werden. Die Anlieger zahlten insgesamt 3000 DM für dieses, Projekt, Trotzdem musste sich die Gemeinde zu einer Schuldaufnahme von 5000 DM entschließen.
Dieses Projekt ist eine besondere Leistung für eine Gemeinde, die überwiegend aus Kleinlandwirten besteht und zudem noch über keine Nebeneinkünfte verfügt, wie etwa andere Gemeinden, die durch Holzverkauf aus gemeindeeigenen Wäldern , beträchtliche Erlöse erzielen.

Ein Kran, zwei Dieselloks mit zahlreichen Loren sind ständig im Betrieb. Insgesamt 16 Arbeiter beschäftigt die Firma Keller- Bau, Ulm, bei der Weihungskorrektion. Nach Fertigstellung soll das Flussbett eine Breite von 7m haben. Die abgeschrägten Ufer werden mit Grasnarben bepflanzt. Die Gesamtlänge der Korrektion beträgt zwischen Schnürpflingen und Beuren ca. 1,2 km. Im Zuge der Arbeiten wird auch eine Brücke erneuert und der Zufahrtsweg zu dieser Brücke verlegt, um eine möglichst gerade Anfahrt zu haben. Mit Bedauern sehen die Kinder auch den Mühlkanal schwinden, in dem sie in den Sommermonaten badeten.

Bei den Arbeiten am letzten Abschnitt der Weihungskorrektion bei der Teilgemeinde Beuren ist man auf ein Gräberfeld gestoßen. Die Weihung durchfließt das Gräberfeld in einer Länge von etwa 20 Metern. Es befindet sich etwa 50m unterhalb der Straße nach Beuren führt.

Schon im Jahre 1930 war man bei Ausbesserungsarbeiten an der Weihung fast an der gleichen Stelle auf menschliche Skelette gestoßen. Damals wie heute handelt es sich bei diesen Funden um die Gräber des alten Friedhofes von Beuren. Er stammt sicher aus der Zeit, da Beuren noch ein Pfarrdorf war. Als man mit dem Bagger das Bett der Weihung verbreiterte und vertieft wurde, fand man massive Eichensärge und zahlreiche Knochenreste.

Das Vereinsleben im Dorf ist sehr rege. Zu nennen sind folgende Vereine: Männergesangsverein "Cäcilia", Kirchenchor, beide unter der Leitung von Lehrer, Seybold., der Fußballverein, die katholische Schwabenjugend, die Ortsgemeinschaft der Neubürger im Landesverband der vertriebener Deutscher, Schützenverein.

Die freiwillige Feuerwehr zählt zur Zeit 28 Mann. Sie steht unter dem Kommando von Karl Aubele. Eine Motorspritze gehört zu ihrer Ausrüstung.

Die ärztliche Betreuung besorgen verschiedene Ärzte aus den Nachbargemeinden. Ein Zahnarzt aus Hüttisheim hat hier in dem Hause des Reinhard Huber eine kleine Praxis eingerichtet und
ordiniert zwei mal wöchentlich.

Acht Gasthäuser zählt Schnürpflingen zusammen mit den beiden Teilgemeinden. Es sind diese: Gasthaus zum Kreuz, Besitzer Anton Zoller, Gasthaus zum Deutschen Reich, Besitzer Pauline Högele, Gasthaus zur Traube, Besitzer Josef Isser, Gasthaus des Bernhard Funk, des Josef Jans, Gasthaus zum Kegel Besitzer Andreas Laib, Ammerstetten, Gasthaus z. Hirsch, von Neidlinger Jos. Beuren: Gasthaus zum Jägerhaus, Besitzer Karl Heim.

Das Amt des Bürgermeisters bekleidet zur zeit Alfred Jans. Der Gemeinderat setzt sich zur Zeit wie folgt zusammen: Laib Josef, Huber Josef, Jans Sebastian, Glanz Albert, Zimmermann Alois, Aubele Hans I, Aubele Hans II (beide Beuren)' Schick Benedikt (Ammerstetten)

Bei der Bundestagswahl vom 14. August 1949 verteilten sich die Stimmen folgendermaßen:
Zahl der Wahlberechtigten. . . . . . . . . . . . . . . . . .552
Zahl der insgesamt abgegebenen Stimmen . . . . . 474
Zahl der ungültigen Stimmen. . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Zahl der gültigen Stimmen . . . . . . . . . . . . . . . . . 467
Davon entfielen auf die einzelnen Parteien:
Christlich Demokratische Union ( CDU ). . . . . . 389 Stimmen
Sozialdemokratische Partei ( SPD ). . . . . . . . . . . . 21 Stimmen
Demokratische Volkspartei ( DVP ). . . . . . . . . . . . .1 Stimme
Kommunistische Partei ( KPD ) . . . . . . . . . . . . . . . 1 Stimme
Notgemeinschaft. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .55 Stimmen
Insgesamt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .467 Stimmen
Wahlbeteiligung = 86%
Aus dem Abstimmungsergebnis erkennen wir auch die derzeitige politische Einstellung der Bevölkerung.

1928. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .668 Einwohner
1936. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .665 Einwohner
1939. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .635 Einwohner
1945. . . . . . . . . . . . . . . . . . .655 Einwohner
1950. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .841 Einwohner

Huber Reinhard (91), Gnadmann Viktoria (87), Heim Martin (85), Heim Xaver (84), Aubele Agatha (84), Hennig Karolina (82), Bailer Kreszentia (81), Isser Magdalena (81), Nohr Josef (81),
(Nach Angaben des Bürgermeisteramtes Schnürpflingen)

Bäcker. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
Bauunternehmen . . . . . . . . . . . . . .1
Friseure. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Gastwirte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Gemischtwarenhändler. . . . . . . . . 4
Metzger, bezw. Fleischhändler. . . 1
Polsterer und Tapezierer. . . . . . . . 1
Schlosser und Schmiede. . . . . . . . 3
Schneider, Schneiderinnen . . . . . .4
Seegrasspinnerei. . . . . . . . . . . . . . 1
Schreiner. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Schuhmacher. . . . . . . . . . . . . . . . . 1
Transport und Verkehrsgewerbe. . 1
Zimmermann . . . . . . . . . . . . . . . .1
Wagnerei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1
Uhrmacher . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1
Korbmacher.. . . . . . . . . . . . . . . . . .1

Südlich des Dorfes, unweit des Sportplatzes, am rande eines Wiesentales, ist am Waldrande ein künstlich aufgeworfener Erdhügel. Über seine Geschichte ist nichts bekannt, Jedoch hat der Volksmund eine Sage um ihn gewoben.
Danach stand vor Zeiten ein Schloß auf diesem Hügel, welches unterging. Mit dem Schloß gingen auch die Schätze unter. Sie ruhen nun tief in der Erde. Zwei Männer versuchten einmal die Schätze zu heben. Jedoch damit hat es eine besondere Bewandnis. Man darf dabei nicht sprechen. Die beiden Männer gruben nun und legten eine schwere Kiste mit Geld frei. Sie mühten sich, diese Kiste an das Tages-licht zu fördern. Weil sie aber so schwer war, sagte einer der beiden Männer: "Lupf !" In diesem Augenblick verschwand die Kiste wieder in dem Boden.
(Nach mündlicher Überlieferung)

Der Bau ersten Kirche zu Schnürpflingen liegt im Dunkel. Jedoch im Jahre 1352 ist mit Sicherheit eine Kirche im Ort. Otto Besserer soll der Stifter dieser Kirche gewesen sein. Es war eine spätgotische Kirche. Der Unterteil des gotischen Turmes ist noch heute erhalten (Pfarrbuch VIII und Kunstverein der Diözese Rottenburg) Eine genauere Beschreibung der Kirche kann nicht gegeben werden. Im Jahre 1435 hat die Heiligenpflege von dem Herren von Griesingen, die auf dem Hofgut Bergbök in Hüttisheim wohnten, den Groß= und kleinzehnten von Beuren mit Beistimmung des bischöflichen Ordinariats zu Konstanz und der Grafen von Kirchberg angekauft und der Pfarrstelle in Schnürpflingen einverleibt.
Zum Pfarrsprengel gehörte ursprünglich nur Schnürpflingen und Beuren da die Parzelle Ammerstetten seit den ältesten Zeiten teils nach Hüttisheim, teils nach Staig eingepfarrt war. Durch Dekret der bischöflichen Ordinats Rottenburg vom 17. Mai 1839 und des K. katholischen Kirchenrats vom 11. Dez. 1839 wurden diejenigen neun Familien von Ammerstetten, welche bisher zur Pfarrei Staig gehörten, aus diesem kirchlichen Verbande entlassen und der Pfarrei Schnürpflingen einverleibt. Der übrige Teil der Einwohner von Ammerstetten blieb weiter in kirchlicher Gemeinschaft mit der Gemeinde Hüttisheim.

Das Patronatsrecht besitzt bis auf den heutigen Tag der Graf Fugger Kirchberg. (Gemeinde. Güterbuch 1)
Sie spätgotische Kirche wurde im Jahre 1721 mit einem Kostenaufwand von 900 fl. erneuert. Im Jahre l784 wurde die Kirche mit einem Kostenaufwand von 260.0 fl erhöht und erweitert. (O.A.Laupheim, S. 232 ff)
Über den Kirchenumbau im Jahre 1784 finden wir im Pfarrbuch VII folgende Aufzeichnungen: Die Kirche wurde um 7 Schuh höher gemacht und um 12 Schuh länger gemacht, ferner ein neuer Dachstuhl aufgesetzt. Der Baumeister war Joseph Rieß von Gutenzell. Gemalt hat die Kirche in einem Sommer Leo Merkel von Stetten. Er bekam für seine gesamte Arbeit 300 fl. „Die Altäre wurden alle drei gerückt, als der Choraltar weiter für sich, die Neben Altär auf die Seiten, wonbey wir das Unglück hatten, das der Neben Altar ex partre Evangelii eingestürzt, mithin bis auf ein weiteres die hl. Meß ara portatili mus gelesen werden." Da die Bürger nach dem Umbau wegen der Verteilung der Sitze nicht einig werden konnten, wurden diese durch das Los von Kanzleidirektor MerckI von Oberkirchberg verteilt.
Zu dieser Zeit befanden sich drei Glocken auf dem Turm. Die größte der Glocken stammte aus dem Jahre 1485. Die Inschrift bestand aus "uralten gotischen Buchstaben". Sie lautete : Ave Maria gratia plena Dominus Tectum!" Das merkwürdigste an dieser Glocke war, daß sie keine Krone hatte, sondern durchbohrt war. "Die alte Pfarrkinder erzehlen, das durchbohren seye geschehen durch den alten Jäger allhier Matheis Moßmayer, welcher insgemein der alte Hiesl genannt wurde, von Geburt ein Tyroler.“
Die zweite Glocke war aus dem Jahre 1778. Das Material stammte aber von der alten Glocke, die in dem gleichen Jahr zersprungen war und umgegossen wurde. Sie trug die Aufschrift: Jesus Nazaremus Rex Judeorum, trug auf einer Seite ein Kruzifix und auf der anderen Seite ein Bild der Mutter Gottes, sowie den Namen des Glockengießers. Sie wurde am 25. August in Wiblingen von Abt Roman zu Ehren des Hl. Franciscus Xaverti geweiht, welcher als Schutzpatron gegen die Unwetter in der ganzen Grafschaft Kirchberg und im Besonderen in Schnürpflingen verehrt wird.

Die kleinste der drei Glocken wurde 1587 gegossen und zwar von Wofgang Aidhart in Ulm Auf ihr waren die Namen. der vier Evangelisten und das besserscbe Wappen zu sehen. Da nicht genau feststeht, wann Schnürpflingen evangelisch wurde, kann auch nicht mit Sicherheit angenommen werden, daß diese Glocke in der evangelischen Zeit gegossen wurde. Soweit jedoch aus den vorhandenen Aufzeichnungen zu entnehmen ist, dürfte es der Fall sein.
UIm war zu dieser Zeit schon evangelisch.(Pfarrbuch VII)

Im Jahre 1879, am 6. März, wurde der neuerrichtete Kreuzweg von Herrn Dr. Hofele Präceptoratskaplan in Biberach eingeweiht. "Die Stationen - Nischen sowie Ölbergnische samt Gottesackermauer wurden auf Kosten der Stiftung hergestellt; dagegen die Stationsbilder sowie die Statuen und das gesamte Innere des Ölberges durch freiwillige Beiträge errichtet und die Kosten gedeckt. Der Ölberg ist Geschnitzt von Bildhauer Dörr in Saulgau, gemalt von Faßmaler Eichhorn in Mergemtheim. Die Stationsbilder hat Lehrer und Maler Freudenreich in Ochsenhausen gemalt. (Pfarrbuch XTI)
Im Frühjahr 1884 zersprang die mittlerste Glocke. Es war die Gleiche, die im Jahre 1778 zersprang und im gleichen Jahre umgegossen wurde. Da die Glocken in der Tonlage nichtüberein -stimmten, wurde der Beschluß gefaßt, vier neue Glocken anzuschaffen und die selben daranzugeben. Der Auftrag zum Guß der vier neuen Glocken wurde dem Glockengießer Zoller in Biberach erteilt. Am 26. Febr. 1885 wurden die neuen Glocken geweiht. Die Glocken hatten die Töne; g, h, d, e.

Ebenfalls im Jahre 1885 wurde der Neubau des Gotteshauses beschlossen, da das alte zu klein geworden war. An Maria Verkündigung des Jahres 1886 wurde zum letztenmal in der alten Kirche Gottesdienst gehalten. Anschließend wurde das Allerheiligste in die Notkirche, welche sich im Pfarrstadel befand, gebracht. Die Abbrucharbeiten an der alten Kirche und die Aufbauarbeiten bei der neuen Kirche gingen ohne Zwischenfall vor sich. Lediglich am 18. Juni des Jahres 1886 hätte leicht ein Unglück geschehen können. An diesem Tage schlug der Blitz in den alleinstehenden Kirchturm, wo 15 Arbeiter Schutz gegen das Unwetter gesucht hatten. Zum Glück zündete der Blitz nicht und auch die Arbeiter kamen mit dem Schrecken davon ,bis auf einen, der einige Tage den rechten Fuß gelähmt hatte.

Am 11. November des Jahres 1888 wurde die neue Kirche eingeweiht. Folgen wir jetzt am besten einem Zeitungsausschnitt," den wir im Pfarrbuch finden.
"Heute wurde die neuerbaute Pfarrkirche in Schnürpflingen durch Hrn. Dekan Nagel von Baltringen eingeweiht. Der Ort war reich beflaggt, der Kirchplatz und der Weg zu und von der Notkirche welche der Hr. Ortspfarrer Müller in seiner Scheune mit vielem Geschicke eingerichtet hatte und von wo das Saktissimum in feierlicher Prozession abgeholt wurde, mit Tannenbäumchen sehr hübsch geschmückt....... Die Kirche ist im romanischen Stil erbaut, sie ist einschiffig und im Licht 26,20 m lang, 12 m breit und 10,20 m hoch, mit flacher Decke abgeschlossen, welche gleich den den übrigen Teilen eine einfache, würdige Bemalung noch erhalten wird. Der prächtig gewölbte Chor - halbkreisförmige Apsis- ist im Licht 7m breit, 6,3m tief und bis zum Gewölbescheitel 9,75 m hoch und wird durch fünf gemauerte Fenster von Glasmaler Hecht in Ravensburg erhellt. Das Schiff der Kirche erhält sein Licht durch acht untere und zehn über ihnen stehende Fenster (Lichtgaden). Drei große Portale führen zur Kirche, welche durch ihre schön gearbeiteten Beschlägteile dem Beschauer imponieren; Verfertiger derselben ist Schlossermeister Manz in Laupheim. Das Gestühl im Chiffe, das für 400 Erwachsene und 120 Kinder Sitzplätze bietet, ist sehr hübsch in Forchenholz von Kunstschreiner Winter in Biberach ausgeführt. Die Empore hat außerdem Platz für 120 Personen. Der Hochaltar, die Chorstühle, der Chorabschluss und die Kanzel sind von Bildhauer Müller in Saulgau gefertigt und dienen der Kirche zu großer Zierde. Die beiden Seitenältäre sollen im Laufe des Winters gefertigt werden. Die prächtige Orgel mit 14 klingenden Registern ist von Gbr. Link in Gingen geliefert. Der Erbauer dieses Gotteshauses ist Regierungsbaumeister Werkmann in Laupheim."
Im Jahre 1890 entstand das Deckengemälde und die Wandgemälde, ausgeführt von Kunstmaler Fraidel aus Söflingen. Im Chor ist ein Bild, das Maria Krönung darstellt (nach Schaudolph).
Das Hauptdeckengemälde zeigt die Bergpredigt, während an den Seitenwänden des Schiffes die Werke der Barmherzigkeit dargestellt sind.

Am 25. Juni fand die Einweihung der Kirche durch Bischof Dr. Wilhelm v. Reiser, verbunden mit der Firmung statt.
So findet der Leser die Kirche auch heute noch vor. Nicht unerwähnt soll die spätgotische Muttergottesstatue bleiben, die Kunstwert besitzt. (Siehe Bilderbeilage) Sie entstammt der Ulmer Schule um 1450. (Nach Prof. Dr. Weise, Kunsthist. Institut der Universität Tübingen)
Ferner verdient der alte gotische Taufstein Beachtung, der wohl auch aus dem 15. Jahrhundert stammt.
Die Gemälde an den drei Altären stammen noch aus der alten Kirche. sie wurden von Maler Huber aus Weißenhorn ausgeführt. (gest. 1830)

In der Sakristei befinden sich vier wertvolle Glasmalereien. Sie stellen die Wappen der Grafen von Kirchberg, der Besserer, und der Herren von Junkher dar.(Siehe Wappenbeilagen) Auf der Empore hängt das Wappen der Grafen Fugger von Kirchberg, der Patronatsherrschaft.

1. Herr Michl
Wann er nach Schnürpf1ingen kam ist ungewiß. Wir wissen von ihm nur das Todesjahr. Der Name
Michl ist sicher nur der Vorname.
Gestorben 1460
2. Martin Haas
Auch von Ihm ist nur das Todesjahr bekannt.
Gestorben 1509
(proklamiert 20.07.1481 / installiert 25.08.1481)
3. Michael Hörlin
Er ist der Pfarrer, der bei dem ersten Versuch die Gegenreformation
durchzuführen., eingesetzt wurde. Von ihm wissen wir nur, wann er als Pfarrer hier eingesetzt wurde. Wie lange er blieb ist unbekannt. Er wurde jedenfalls von den Schweden vertrieben.
4. Franz Mayer
Von ihm wissen wir weder den Tag da er in Schnürpflingen eingesetzt wurde, noch sein Sterbejahr.
5. Martin Beier
Auch von ihm wissen wir keine Daten.
6. Christian Schwarzmann
Von ihm ist nur das Sterbejahr bekannt. Gestorben 1667
7. Franz Mayr
Sein Sterbejahr ist unbekannt.
Eingesetzt 1667
8. Franz Harsch
1673 - 1675
9. Conrad Gretener (Das schweizer Herrle)
In Schnürpflingen von 1675 - 1681
10.Jakob Fischer
Eingesetzt 1681, gestorben 1708
11. Felix Karl Stengl
1708 - 1735
12.Jakob Stempfl
Nach Schnürpflingen gekommen 1733, gestorben 1764
13.Franz Joseph Dilger
Eingesetzt 1764, gestorben 1793
Ihm verdanken wir den größten Teil der Aufzeichnungen in den Pfarrbüchern.
14. Karl Bernhard Deiniger
1793 bis 1818
15. Johannes Wöhr .
In Schnürpflingen von 1818 bis zu seinem Tode 1843
16. Johann Babtist Laub
In Schnürpflingen von 1845 bis 1869
17. Karl Müller
1869 - 1902
18. Norbert Messerschmid
1902 - 1914
19. Karl August Baur
1914 - 1932
20. Friedrich Fischer
1932 – 1939
21. Karl Gog
1940 - 1944
22. Josef Reutlinger
1944 – 1973 (19. März)
(Pfarrbuch XIII, Series Parochorum, Pfarrarchiv Schnürpflingen)
Anmerkungen:
23. Bruno Panus
07.10.1973 – 28.08.1983
24. Blaz Stefek
11.12.1983 bis zu seinem Tode am 24.01.2002
25. Stefan Möhler

Michael Sutorius 19.01.1479
Martin Nürnberger 29.02.1480 rekt.
Michael Nürnberger 25.03.1481

Wappen Junkher

Die Entwicklung des bäuerlichen Rechts

(Sämtliche Angaben sind aus dem Buch: „Der Bauer im heutigen Württemberg", von Theodor Knapp, entnommen.
Tübingen 1919

Was für uns heute als Selbstverständlichkeit erscheint, nämlich ein freier Bauer auf freier Scholle, war vor 200 Jahren noch ein Traum, dessen Verwirklichung für unmöglich gehalten wurde. Die heutige Generation macht sich kaum noch Gedanken über den mühseligen Weg des Bauern vom Leibeigenen zum freien Bauern. Die geschichtliche Entwicklung des bäuerlichen rechts verdient daher in die Ortschronik aufgenommen zu werden. Im ehemaligen Österreichisch= Schwaben war es viel öfter als wie im alten Württemberg der Fall, daß zwischen Landesherr und Untertan noch ein Dorfherr stand. In der Regel war der Dorfherr ein mitglied des hohen oder niederen Adels. In unserem Gebiet waren alle Gebiete vom Hause Österreich als Lehen oder Pfand vergeben unter Vorbehalt der Landeshoheit. So zum Beispiel auch die Grafschaft Kirchberg, zu der unser Dorf gehörte, die von Kaiser Maximilian I. an Jakob Fugger als Mannslehen verkauft wurde.

In der Grafschaft befanden sich noch mehrere Ortsadelige. Der jeweilige regierende Graf besaß die hohe Gerichtsbarkeit, während der Ortsadelige die niedere Gerichtsbarkeit besaß. So z. bsp. in Schnürpflingen die Besserer. Unter der hohen Gerichtsbarkeit verstand man, daß die Herrschaft, etwa die Fugger, das Recht hatten, schwere Vergehen, z. bsp. die Verurteilung zum tode, aussprechen konnte. Der Dorfadelige hatte die niedere Gerichtsbarkeit, das heißt, er durfte nur bürgerliche Streitfälle und leichtere Vergehen richten.

Der Bauer dieser Zeit war ohne eigentliches Recht, der Willkür seines Herrn ausgesetzt. Die erste Bresche in diesem Zustand schlug das Untertanpatent Kaiser Joseph II. Dieses gab dem Untertanen das Recht, sich gegen seinen Herrn beim Oberamt, oder bei der Regierung und Kammer, oder sogar beim Kaiser zu beschweren. Ansonsten aber hatte der Adel noch alle Rechte.

Der Gerichtsherr hatte das Recht, die Richter oder mindestens den Vorsitzenden des Gerichts zu ernennen oder doch zu bestätigen und die Gerichtsgefälle, namentlich die Geldstrafen ganz oder teilweise zu beziehen. Je abhängiger die Gemeinde, desto umfassender ist, die Befehlsgewalt der Herrschaft. "Diese Befehlsgewalt, meist verbunden mit der mehr oder ,weniger ausgedehnten Gerichtsgewalt, zuweilen aber auch von ihr getrennt, wurde als Dorfherrschaft oder als Vogtei, der
Inhaber als Dorfherr, Vogtherr oder Vogt bezeichnet Häufig war auch der adelige Dorfherr zugleich Patron und hatte das Recht, Die Pfarrstelle zu besetzen. In Schnürpflingen ist der Patron der Kirche Graf Fugger.

Die Schulmeisterstellen wurden vielfach auch vom Dorfherren besetzt oder, was auf das gleiche herauskam, von dem Dorfgericht unter dem Vorsitz des herrschaftlichen Atmannes.

Die Untertanen waren verpflichtet, der Herrschaft Dienste Zu leisten. Es waren dies meist Abgaben oder Fronen. Die Abgaben waren in den einzelnen Herrschaften verschieden, teils hart, teils milde. Es kam auf die Person des Herren an. Was aber allgemein als hart empfunden wurde, war das Fronen, d. h. die Herrendienste. Es gab verschiedene Arten Z.Bsp. Zug= oder Fuhrfronen, auch Spann= und Mähndienste und Handfronen. Oft bestand eine Anordnung., die die Frondienste auf, eine bestimmte Anzahl von Tagen im Jahr, festsetzte, es gab aber auch , die sogenannten ungemessenen Fronen, d.h., der Herr konnte, jeden Tag; die Dienste seiner Bauern in Anspruch nehmen. Auch bei der Jagd hatte der Herr das Recht, die Dienste seiner Untertanen in Anspruch zu nehmen. Etwa die Stellung von Fuhrwerken, Treiberdienste etc.

Wir können uns gut vorstellen, daß das Fronen von jeher von, den Bauern als eine Last empfunden wurde und sie daher von frühester Zeit an versuchten, diese Last abzuschütteln, oder doch wenigstens zu mildern. So fanden wir schon im 16. Jahrhundert statt der Fronen die sogenannten Fron= oder Dienstgelder. (Siehe Chronik unter 1792) Dabei wußten die Herrschaften oft geschickt, ihre Vorteile wahrzunehmen.

Die gleiche Last wie das Fronen war für jeden Grundstücksbesitzer der Zehnten. Das waren Abgaben, die er entweder an die Kirche, oder auch an weltliche Stellen zu entrichten hatte. In Schnürpflingen war der Zehnten in Besitz der Kirche. (Siehe unter 1435)

An erster Stelle stand der große Zehnten. Das waren alle Hauptfrüchte wie: Dinkel, Roggen, Hafer u.s.w.
Dann gab es noch den kleinen Zehnten. Das waren fast a11e Früchte, die im Topf gekocht wurden Z.Bsp. Erbsen, Linsen, Kraut, Rüben, aber auch Hanf und Flachs.

Zu erwähnen sind außerdem noch der Obst= und Heuzehnte. Beide standen oft unter dem kleinen Zehnten.
Ein wichtiger Zehnten war der Blutzehnten. Er betraf alle jungen tiere.

Woher stammt nun der Name Zehnten ? "Meist war den Zehntpflichtigen streng verboten ihre Früchte vom Feld wegzuführen, ehe der Zehnte erhoben war. Zuweilen hatten sie das Recht, ihn selbst auszuzählen, gewöhnlich aber war das Sache des herrschaftlichen Zehntknechts, der mit einer Stange auf das Feld kam, die Garben abzählte und jedes mal die Zehnte umstieß. Vom Getreide kam, dann der Name auf alle anderen Abgaben.

In den meisten Fällen war es so, daß der Bauer nur einen Teil des bebauten Grundes sein eigen nannte. Der übrige Teil, oft der größte, gehörte dem Herrn und dieser überließ ihn dem Bauer nur lehensweise. Der Bauer hatte dafür gegenüber seinem Grundherren gewisse Verpflichtungen. Sie bestanden in jährlichen Abgaben, die mit Früchten, Geflügel, Eiern, Wachs, Öl u.s.w. abgegolten wurden, manchmal auch mit Geld. Die Abgaben mußten zum Teil auf dem Gut des Pflichtigen abgegolten werden, insbesondere Geldzinse, die dann Gatterzins hießen, weil der abholende Bedienstete nicht den Hof betreten durfte, sondern sich den zins durchs Gatter= Gitter reichen lassen mußte. Eine besondere Abgabe an den Herrn war die Fastnachtshenne. Sie sollte den Bauern daran erinnern, daß er nicht Eigentümer des Grundstückes ist.

Ging das Gut an einen neuen Besitzer über, so merkte man erst recht die Abhängigkeit gegenüber dem Grundherren. Hier scheiden sich die Lehen in 2 Gruppen. In Erb= und Fallehen.

Das Erblehen war ein erblich verliehenes Gut. Starb der Bauer, so mußte sein Nachfolger sich neu belehnen lassen. Dabei mußte an den Grundherren eine Abgabe geleistet werden. Die Abgabe aus der Hinterlassenschaft eines Bauern wurde häufig der Fall genannt, genauer gesagt, der Güter= oder gutfall. Er konnte oft aus dem besten Pferd, oder der besten Kuh bestehen.

Die Fallehen hingegen waren von der Gnade des Herren abhängig. Starb nämlich der Bauer, so konnte der Herr das Gut einziehen und es an einen anderen Bauern übergeben. Übernahm es der Sohn des Bauern, so mußte er den Handlohn neu aushandeln.

"Der Unterschied zwischen Grundherrschaft und Leibeigenschaft ist schon im Namen gegeben; die Grundherrschaft haftet am Boden, gleichviel wer ihn besitzt, die Leibeigenschaft haftet an der Person, gleichviel was sie besitzt."

Dem Leibherren standen nur ganz bestimmt begrenzte Rechte an dem Leibeigenen zu, und wenn er ihn verkaufte, vertauschte, verschenkte, was er allerdings konnte, so hieß dies nichts anderes, als daß er gerade di e Rechte die er bisher gehabt hatte, einem anderen abtrat. „Im Gegensatz zu Rußland, wo der Leibherr die volle Verfügungsgewalt über die Leibeigenen hatte.

"Die Leibeigenschaft war erblich und zwar ging sie nicht vom Vater, sondern von der Mutter auf sämtliche Kinder über."

Es war aber in besonderen Fällen ein Loskauf gestattet. Umgekehrt konnte aber auch ein Freigeborener leibeigen werden, nämlich durch freiwillige Ergebung. Dies geschah häufig in der
Absicht, von dem Leibherren ein Gut zum Lehen zu bekommen.

In der Regel mußte der Leibeigene dem Leibherren alljährlich eine kleine Abgabe leisten. Bei den Frauen, bestand die Leibabgabe, gewöhnlich in der Leibhenne. Das einträglichste Recht bestand in dem Anspruch an die Hinterlassenschaft des Leibeigenen. Dieses Recht beschrenkte sich jedoch im allgemeinen auf einen Teil des Vermögens des Leibeigenen. Die Leibeigenschaft bestand, von Ausnahmen abgesehen, bis in das 19. Jahrhundert. Sie war Gegenstand heftigster Angriffe, bis sie unter König Wilhelm I. aufgehoben wurde.

Alle Einrichtungen wie sie bisher aufgeführt wurden, blieben bis zum Ausbruch der französischen Revolution 1789 bestehen. In Baden wurde die Leibeigenschaft schon 1783 von Markgraf Karl Friedrich aufgehoben. Der württemb. König Friedrich I. war nicht bauernfreundlich eingestellt. Aber sein Sohn Wilhelm I. war dafür um so bauernfreundlicher. Allerdings wurde auch unter seiner Zeit die Entlastung der Bauern durch das Hinzukommen der Gebiete Neuwürttembergs erschwert.

König Friedrich I. hob im Jahre 1809 die Patrimonialgerichtsbarkeit der fürstlichen, gräflichen und adeligen Gutsbesitzer auf. Bestehen blieb nur das Patronatrecht. Auch die Beseitigung der Leibeigenschaft wurde gegen den Wiederstand des Adels begonnen.

Im Jahre 1816 starb König Friedrich I. Sein Nachfolger Wilhelm I. betrachtete die Befreiung des Bauernstandes als seine vornehmste Aufgabe. Es kommt zu den 2 Edikten vom 18. Nov.1817
Im ersten Edikt wird die Leibeigenschaft mit Wirkung vom 01.01.1818 aufgehoben. Den Leibeigenschaftsherren muß eine einmalige Entschädigung gezahlt werden. Im 2. Edikt werden die
Fallehen aufgehoben. Den Fallehensbesitzern steht es frei, das Eigentumsrecht an ihrem bisher leibfälligen Gut zu erwerben. Außerdem werden gewisse Grundabgaben für ablösbar erklärt. Im Jahre 1836 erscheinen drei Gesetzentwürfe über die Umwandlung und Ablösung der Fronen, über die Entschädigung der berechtigten Gutsherrschaften für die aufgehobenen leibeigenschaftlichen Leistungen und über die Ablösung der Beden und anderer älterer Abgaben.
Der Adel wurde vom Staat entschädigt, während die Bauern ihre Ablösungsschulden in Jahresraten abzahlen durften.

Am 14. April 1848 unterzeichnete König Wilhelm I. das Gesetz betreffend die Beseitigung der auf dem Grund und Boden ruhenden Lasten. Das Ablösungskapital samt den 4% Zinsen konnte in Zeitrenten binnen einer längstens 25=jährigen Tilgungsfrist abgetragen werden.

Am 17. Juli 1849 folgt das wichtige Gesetz über die Ablösung der Zehnten. Der Gesamtbetrag der nach dem Zehntgesetz erlegten Ablösungssumme belief sich auf 48 Mill. Gulden. Insgesamt wurden mehr als 68 Mill. Gulden als Ablösungen gezahlt. Durch diese Gesetze wurden die Adeligen nicht nur materiell geschädigt, sondern noch viel mehr ideel. Die Grundlage ihrer Herrenstellung gegenüber den Bauern, die Grundherrschaft war vernichtet; kein Bauer nahm mehr sein Gut von ihnen zum Lehen, keiner ihnen mehr Abgaben zu zahlen.

Articul aus den Schnirpflingischen Gerichtsordnern

Staatsfilialarchiv Ludwigsburg.

In dem Jahre als man zahlt von der Geburt Christi unseres Herrn 1457, hab ich Eberhard Besserer, Burger in Ulm, meiner eigenen Leuthen, Hintersässen und Unterthanen zue Schnirpflingen, dem Dorf Nutz und Frommen Bedacht zu werben, auch künftigen ihren Schaden zuwenden, damit gross Uebel vermieden werde und in Künftig ihre Sitz und Wohnung desto freundlicher und baß beieinander haben mögen, solches angesehen hab ich gesetzt und geordnet, setz, ordne und mache in ewige Zeiten
hinfüro zu halten, nach dem und das von meinen Altfordern an mich kommen ist, und aus den alten Büchern gezogen hab, dem ist also:

Erstlich von der grossen Frevel wegen hab ich gesetzt, wer der ist, der den andern in dem Dorf Schn. Zwing und Bännen darzu gehörend mit gewaffneter Hand freventlich Schlägt und wundet, also dass das ein Flisend Wund ist, oder die Meisslens oder Heftens bedarf, und sich das Kündlich erfind, der jeglicher ist und soll alsdann einem Herren des Dorfes Schn. unablässig zu rechter Pön verfallen sein zu geben 10 Pfund und 5 Schilling Rotweiler, deren thun allweg drei, vier Haller Landswährung.

Welcher den andern an der vorgerührten Ende einem mit gewaffneter Hand freventlich schlägt, er wunde ihn oder er wunde ihn net, er wird blutrünstig oder nit, derjeglicher ist verfallen unablässig zu bezahlen drei Pfund und fünf Schilling Rotwieler einer Herrschaft.

Welcher der ist ,der über ein zuckt, es sei Messer, Schwert. Spiiss oder ander Waffen, schneidend oder unschneidend, wie die genannt seind, er schlag oder stech nach ihm oder nit, derjeglicher ist einer Herrschaft unablässlich verfallen zu geben fünf Schilling Rotweiler. Schlägt er ihn aber mit ungewaffneter leerer Hand, er werde blutrüntsig oder nit, derjeglicher ist auch fünf Schilling Rotweiler einer Herrschaft verfallen zu geben.

Von des grossen Unrechts wegen hab ich gesetzt bestiglich zu halten wer der ist, der eines Ammans Gebot zu Schn. so er ibm gebietet, muetwilliglich oder freventlich verachtet, derjegliche ist alsdann von 33 Stund an einer Herrschaft verfallen zu geben, als dick er das thuet als dick 13 Schilling 4 Haller, Ulmer Währung.

Von des kleinen Unrechts wegen das ich bleiben wie das von alter herkommen ist, doch so möcht das als freventlich zugehen, dass sich ein Gericht darüber erkannte, dass ein solcher mehr und grösseres verschuldt hätte bei solcher ihrer Erkanntnus solles aber bleiben.

Wer auch dem anderen zu Schn. In Zwing und Bännen darzu gehöret, an einem Schaden ergreiffet, derjeglicher ist alsdann einer Herrschaft daselbst als dick er das thuet, als dick verfallen zu geben 13 Schilling 4 Häller Ulmer Währung. Beschehe es aber, dass solcher Schaden als gross wäre, dass sich ein Gericht daselbst erkennt, dass solcher Schade höcher und mehr zu büessen wäre, als sie auch thun und auch Gewalt haben sollen, so mögen sie ein jeglicher solchen, der also Schaden getan hätte, wohl strafen nach dem und der Schaden an ihm selles wäre, nach ihrer Erkanntnus mit Recht. Es möcht auch ein jeglicher vorgeschriebne Sach und Frevel, so, gefährlich und freventlich sein, dass die nach ihrer Gestalt wohl höcher und mehr gestraft werden soll, denn vor unterschieden ist, alles nach eines Gerichts zu Schn. Erkanntnus. Arglist und Gefährde in diesem allem gänzlich ausgescheiden. Welcher auch mit dem andern zu Schn. rechtet, und dazu kommt, dass seinem Widerthail ein Aidt erthailt wird, will er dann seinen Widerthail des Aidts nicht entheben, so soll er von Stund an, als dick das beschieht, also dick einem Amann daselbst 3 Schilling Häller verfallen zu sein geben und alle vorgerührte Sachen gehalten werden, bei den Pönen, so darauf gesetzt sein, ohn alle Gefährde.

Staatsfilialarchiv Ludwigsburg
Copia.
Freyhait Brieff, Ton Kayser Maximiliano, wegen des gerichtzwangs zue Schnirpflingen, welcher Eitel Hansen Besserern von Ulm erthailt worden.
Anno 1510 .
Wür Maximilian von Gottes Genaden erwehlter Röm. Kayser, zue allen Zeiten Mehrer des Reichs, in Germanien, zue Hungarn, und Dalmatien, Croatien König, Ertzherzog zue Oesterreich, Hertzog zue Burgundt, Brabant, und Pfalzgrave etc. bekennen offentlich mit diesem Brieff und thuen kundt allermenniglichen, dass uns unser und des Reichs lieber, getrwer Eitel Hanß Besserer, Burger zue Ulm, fürgebracht hat ,wie der gerichts-Zwang zue Schnirpflingen, mit allen Gebotten, Verbotten, Straffen, Fräflen und anderen Obrigkheiten ihme und sonst niemandt anderem zuegehöre, und bishero einem jeden uff sein Begehren daselbst zue Schnirpflingen fürderlichst ,und außträglichs/gestatten/rechtens/ und verholfen habe, so begen sich aber in etlichen geringeren und schlechteren Sachan, dass die Uhtelsprechern daß obgemeldeten Gerichts in demselben khein Uhrtel schöpfen oder geben wollen, sie seyen denn alle einhelliglich beyeinander gesamblet, dardurch dann die Partheyen, dieweil etlich derselben Uhtelsprechern ihrer leibsnahrung und Geschäften halber zue Zeiten nicht anheims sein, noch an ogemelten Gericht sitzen mögen, zue Verzug und Verhinderung des Rechtens und zue merklichen Schaden gebracht und geführt werden, darzue war er einen oder mehrere umb ein Frevel in obgedachtem seinem Gericht fürnehmen, so vermeinen der oder dieselben, Ihnen euf seine Klag nicht zu antworten es seien dann die andren Partheien, so mit ihnen gefrevlet, gegenwärtig, deshalben das Uebel nit gestraft werde, auch ihm zu Abbruch und Nachteil seiner Obrigkeit reiche, und uns darauf demütiglich angerufen und gebeten ihm hierin mit unserer Kayserlichen Hilf gnädiglich zu erscheinen.
Wann unsnun als Röm. Kayser, das Recht zu fürdern und das Uebel zu strafen, auch einen jeden bei seiner Obrigkeit zu handhaben gebührt, so haben wir angesehen solch sein demütig ziemlich Beten, auch die getreue und nütze Dienst, so er uns und dem Hl. Reich bishero gethan hat und hienfüro wohl thun mög und soll, und darum mit wohlbedachtem Mueth, tuethem Rath und rechtem Wissen geordnet gesetzt, ordnen, setzen, meinen und wollen, von Römischer Kayserlicher Macht wissentlich mit dem Brieff, dass nun hinfüro an dem gemeltem Gericht zu Schnirpflingen in allen bürgerlichen und anderen Sachen, ausgenommen die das Malefiz betreffend durch den meisten Teil der Uhtelsprecher desselben Gerichts Uhrtek geschöpft, gesprochen, geöffnet und in allen ihren Inhaltungen, vollkommen und kräfftig seien, gerecht gehalten und vollzogen werden sollen, in aller massen als ob dieselben von allen verordneten und gesetzten Uhrtelsprechern berihrts Gerichts gesprochen und geschöpft wären, darzu dass ein jeder, so Frevel an gedachtem Gericht beschlagt würdet, uff das Klägers anrufen und begehren, in rechten Antworten, und sich auf des Gegenwärtigkeit, so mit ihm gefrevelt hat nit weigern noch Audflucht suchen, oder behelfen solle in keiner Weis, doch uns und dem Reich an unsren Obrigkeiten, und sonst menniglich an seinen Rechten unvergriffenlich und unschädlich, und gebieten darauf Richtern, und Urthelsprechern obgemeldtes Gericht zu Schn. gegenwärtigem und künftigen, ernstlich mit diesem Brief und wollen, daß sie nun fürohin für ewige Zeiten, nach Inhalt obberührt unserer Ordnung und Satzung richten urteilen und handeln und sich deren nit widern, sondern gestracks nachkommen nnd geleben sollen, bei unserer und des Reichs schweren Ungnaden und Strafen zu vermeiden ungefehrte, mit Urkund dieses Briefs, besiegelt mit unserem Anhangenden Insiegel, geben zu Fuessen am 26. Tag des Monats Juli nach Christi Geburt 1510, unseres Reiches, des Röm. im 25. und des hungarischen im 21. Jahr.

Dass diese Copia dem rechten Original als seines Inhalts gleichlautend, das attestiere und bezeuge ich, Luwig Dieninger, offner und an dem Hochlöbl. Kays, Cammergericht immatrikulierter Notarius, mit dieser meiner Hand und Unterschrift.
Actum Schnürpflingen, den 28. August a 0

Vertrag zwischen Besserer - Sch. und Fugger - Kirchberg von 1572
Erbteilung zw. Eitel Hans und Eitel Hieronymus Besserer 1604
Staatsfilialarchiv Ludwigsburg:
Copia
Schnirpflingischen Vertrags zwischen der Grafschaft Kirchberg uffgericht Anno 1572.
der Abthailung beeder Gebrüeder Eitel Hansen und Eitel Hieronymi der Besserer, Schnürpflingen betr.
Anno 1604 den 26.Juni haben wir beede Gebrüeder in unserer Vergleichung unserer eigentümlichen Güter und anderer Gefällen halber auf nachfolgende Weise uns miteinander verglichen:
1. ) Der alten Frauen ausgesetztes:
Was anlangt die edle, ehr- und tugendsame Frau Anna Besserin, geborene von Rhierheimb, unsere fr. viel geliebte Frau Mutter, seind derselbigen von unserem Vermögen 7000 fl, so unvertheilt geblieben, an etlichen Zinsbriefen auf die Seite gelegt worden, welche Zinsbrief oder Hauptobligationes Eitel Hanse, als dem älteren Bruder, intreuen Händen und zu verwahren übergeben worden, und sein solche 7000 fl. an nachfolgenden Posten gelegen: bei der Pfalz Neuburg dessen Datum auf Mi,chaelis 4000 fl
dgl. “ “ 28.0kt. 1000 fl
dgl. „ „ 10.Nov. 1000 fl
ein Zinsbrief von Balthas. und Beatus
Gebrüedern von Gültlingen auf Lichtmess 1000 fl Und dieweilen wir beide Gebrüeder unserer Mutter auch einen Widum zu geben schuldig und aber mir in der stadt Ulm eine Behausung, in welcher ihr die Zeit hero beliben wollen, als ist ihr durch mich Eitel Hansen, weil ich solche Behausung von meinem fr. lieben Hieronymus vermöge des Übergabsbriefs an mich gelöst, solche Widum ihr auf ihr Leibleben lang zu geben bewilligt worden.
3. ) Sonsten betr. Sch. samt Zugehörungen haben wir Brüder uns folgendermassen verglichen:
Was die beiden Behausungen belangen, ist das alte Haus samt dem Reitstall auf 5 Pferd welchen er alleinig zu nutzen oder zu bestellen wie zugleich beide Städel, beide Viehstell, samt einem anhängenden Kälberstall, das Wagenhaus, Schweinställ in bei der Wettin samt dem Blatz zwischen des Vogts und Georgen Peterlens Behausung, welchen er seines Gefallens benutzen oder wiederum mit einer Gastbestallung oder anderen seines Beliebens nach zu bauen vermag.
Die in der Hofraitin aber liegende Behausung Ställ und Scheuern sollen von ihm noch den seinigen keineswegs nicht breiter oder länger, aber doch wohl höher gebaut werden.
Hingegen und hinwiederum ist Eitel Hieronymus die neue Behausung samt derselben Anstöss bis an Eitel Hansen Stadel samt dem Blaz auf welchem zuvor des Vogts Haus und Hundstell gestanden, samt seinem der Zeiten gewöhnlichen Wäschhaus und Schaffställen dergestalten, dass er solche seines Gefallens auch nutzen und niessen aber ingleichen nicht länger oder weiter, aber wohl höher seinem Belieben nach verbauen lassen soll und mög, eingeräumt und zugeeignet worden, zudem kommt er von Eitel Hans 800 fl zu Verbesserungen. Die Fronfästen sind unverthailt geblieben und sollen zur Abstrafung des Uebels gemeinsam gebraucht und sauber und rein gehalten werden.
4. ) Schlossbaw :
Dieser ist so verglichen worden, dass jeder seine Aecker, die er von Anfang je und allweg gebaut, auch fürder behalten und seines Gefallens niessen solle.
5. ) Heuweiher :
Dieser wurde in zwei Tagwerk Mads auseinander abgemessen, verpfählt und der obere Teil bei dem unteren See zu Beuren E.H. ,der untere Teil von der Verpfählung bis zu der Aspen und von da den Graben hinab bis an die alte Weihung E.H. zugeteilt worden.
6. ) Pfannenstühl:
Welches jährlich ein Wechselmad verbleiben solle und hat anno 1605 E.H. das Ohnmad zu nutzen gehabt und E.H. das Blätzlin im Weiher und die Hertin.
7. ) Saumenweiher:
Dieser ist E.H. zugeteilt, das Hasenmad aber E.H. zuerteilt worden.
8.) Spital- und Mühlmad:
E.H. bekommt auf sein Begehren das Spitalmad, dagegen E.H. das Mühlmad.
9.) Pfarrmad :
Dieses ist verpfählt und der obere Teil so an Baumgarten stosset, und sich vermög der Unterpfählung bis an Georg Mayer, Becken, Garten erstreckt, E.H. und der untere Teil so sich gegen den Oeschbach endet, E.H. zugeteilt worden.
10. ) Baumgarten:
Deswegen ist nichts mehr vermeldt.

11. ) Die Collatur betr.
Es wird ausdrücklich vereinbart, dass solche allzeit mit einem Evangelischen Priester oder Lehrer und wann alsdann zu dem Ministerie gehugsam qualifiziert und tauglich, von beiden Herrschaften besetzt und zugleich verhalten werde.
12. ) Gerichtsstab:
Dieser soll abwechselnd jährlich auf die eine oder die andere Herrschaft kommen. Wann nun ein Gericht erneuert werden soll, wie es jährlich zu Geschehen hat, so sollen beide Herrschaften miteinander für den Anfang vier Richter wählen, diese sollen dann die anderen acht Richter erwählen, so lang und viel, bis das Gericht mit 12 Richtern besetzt seien, und soll der Gerichtseid den Richtern von der Herrschaft, so dazumal den Stab antrifft, wie billig vorgelesen und gegeben werden.
13. ) Strafe und Frevel:
Jeder soll sein Gebot und Verbot nach Fleckens Recht und Gewohnheit desgleichen Strafe und Frevel so sich auf seinen Gütern zutragen würde, einig und allein haben, was aber gemeine Verbot, so durch einen allgemeinen Amtmann verboten würden, oder Schlaghändel so sich untereinander in der Gemeind oder ausserhalb des Oetters begeben sollten, sollen selbige nach altem Brauch und des Fleckens Recht und Gerechtigkeit nach beiden Herrschaften zugleich zu strafen gebühren.
14. ) Zapfengeld und Schlaghändel im Wirtshaus:
Der Wirt hat das Zapfengeld vierteljährlich, oder entsprechend anderen Bestimmungen der Herrschaft zu erlegen, die es hälftig teilen; wenn sich nun Schlaghändel auf der Herberg zutragen, so leichtlich geschehen kann, sollen diese nach Fleckens Recht und Gerechtigkeit bei den Herrschaften zugleich gebühren, alles nach der Gerichtordnung.
15. ) Frohn - und Dienstbarkeiten:
Jeder der Gebrüder soll diese auf seinen Gütern haben und suchen; sollte sich aber auf der Hotraite ein notwendiger und unvermeidlicher Baufall begeben, so soll jeder auf diesen baufall die ganze Frohn zu gebrauchen haben.
Küchen- und andere Gülten, auch Großzehnt:
Die Gülten und Großzehnten sind auf einem besonderen Zettel vermerkt worden, welche zu mehrerer Bekräftigung von beiden Brüdern unterschrieben und besiegelt wurden. Gleichen Verstand soll es haben mit dem Winterzehnten in den Gärten ausserhalb Georgen Mergen und Friedrich Rueßdorffs Garten, bei welchem das dritte Jahr, so sie im Brach liegen, beiden Herrschaften der Zehnten gleich gebühren soll.
17. ) Kleinzehnten:
dieser soll jeder bei den ihm zugeteilten Gütern oder bei denen, bei denen er den Großzehntem und die Gülten hat, empfangen.
18.) Gült auf den Widumgütern:
Auf diesem möchte die Pfarr mit der Zeit wiederum die Gült besuchen. Sollte nun unverhoffterweise ein Fall eintreten, so soll die Gült von dem Bruder, den es trifft, dem anderen erstattet werden. Ebenso
soll es gehalten werden mit den erkauften Heiligen Gülten, dafür das dafür aufgelegte Geld über kurz oder lang wider sollte erstattet werden.
19. ) Leibfällige Güter:
Diese, deren zu Schn. und Beuren nur drei , sind nämlich Jakob Hänßlins Hof zu Beuren, Michael Schenkhen und Friedrich Rueßdorffs beede allhir zu Schn., sollen sollte sich über kurz oder lang ein Fall begeben, von beiden Herrschaften miteinander eingenommen, die Leibeigenschaft aber jeder behalten solle, wie er sie anfangs gehabt.
20. ) Leibigne Leuth:
Dafür wird eine besondere Leibsverschreibung zwischen beiden Brüdern aufgestellt. Spätere Fälle sollen jeweils besonders verglichen werden.
21. ) Eisengült, Dienstheu und Beiwohnungsgeld:
Sie wollen bei einer jährlichen gemeinen Jahresrechnung verrechnet und von jedem Teil zugleich eingenommen werden.
22. ) Jagbarkeit:
Das Jagen soll insgemein und durch gleiche Unkosten sowohl auch gemein Fang besucht werden. Wenn die Feldgeschöss und Fuxgruben gerichtet werden, so soll dem, der sie legt oder richt, von jedem Stuck ein benennt Jagerrercht und im gleichem von jeder Herrschaft erstattet werden. Die Vogelherd sollen Jedem auf sein Gefallen, aber auch auf seine eigene Unkosten in dem befugten Bezirk zu besuchen freigestellt sein.
23. ) Fischwasser:
Das F. oberhalb der Mühlin bis zu dem Untermark oberhalb Beuren welches das Kirchbergische und Bessersche Wasser scheidet, samt der alten Weihung, da sie wieder in die rechte Weihung lauft, daselbst ein Pfahl meines und meines Bruders Fischwasser scheidet, geschlagen ist E..H. Und der unter Teil, so sich bis auf das Untermark gegen die Wiblingische und Steinbergische Weihung erstreckt, ist E.H. zugeteilt worden.
24. ) Die Mühlen:
Die Mühlin allhier ist gegen der Mühlin zu Zell verglichen worden. Die zu Zell samt Zugehörung ist E.H., die zu Schn. samt den zugehörigen Gütern E.H. zugeteilt worden. Der verpfählte Umbruch aber
an der letzteren, so gegen E.H. Fischwasser liegt, gehört noch E.H. Der andere Umbruch samt dem Grassboden und dem kleinen Gärtlin jenseits der Weihung ist E.H. zu der Mühle und der Hofraitin zugehörig.
25. ) Beuremer Sommer und Wintergülten, Klein- und Großzehnt:
Dieses 1604. Jahr soll E.H. allen sömmerigen Groß- und Kleinzehnten, wie auch alle Habergülten einsammeln. Dagegen soll E.H. die ganze Roggengült samt allem Winterzehnten erhalten. So wird künftig jedes Jahr abgewechselt.
Von den zur Éinsammlung des Zehnten bestellten zwei Zehntknechten soll jeder seinen bestellen und belohnen, aber nicht, wenn der andere Bruder etwas gegen den Knecht hat. Daher soll jeder Bruder
seinen zu bestellenden Zehntknecht vorher dem anderen namhaft machen.
Die jährliche Eisendienst und Heugeld aber sollen bei der gemeinsamen Jahresrechnung verrechnet werden.
26. ) Hozmarkung Tüllkhau:
Der Teil, der den langen Weg nach bis an Hans Jörgen v. Freyberg zu Achstetten Holz von oben des Prälaten von Wiblingen Hölzern an bis an Schn. Feld zu dem Pfahl, so auf dem Weg bei Michel Schenkhen Acker st ht, und von solchem Pfahl allen andern Pfählen, so in allen zwei sind, stracks von gemelten Herren Prälaten nach erstrecken. E.Ha. Der andere gleich anstoßende Teil bis zu des Tüllkhau und wiederum vorgemeldtem Herrn Prälaten und des Heilieg allhier Untermark E.Hy. zugeteilt worden.
27. ) Mühlhalden:
Diese ist aus verschiedenen Ursachen kreuzweis geteilt worden. E.Ha. Teil beginnt bei dem Kugelberg und des oberen Müllers Mad und erstreckt sich dem Mad nach bis auf den Eckpfahl, von da bis wieder auf den mittleren Kreuzpfahl, von da an den Pfählen am langen Weg hinab der weiten Fallen zu erstrecken, dann an dieser hinauf bis auf die Untermarkung, so die Mühlhalde und die Dorndorfer Gemeind scheiden, bis wiederum auf dem mittleren Pfahl, durch die Mühlhalde dem vorgenannten mittleren Kreuzpfahl zu erstreckt. Diese beide, als unteren und oberen Erbteil, sind E. Ha. Das übrige E.Hy.
28. ) Khagenach:
Diese ist auch kreuzweis verteilt worden. Der Teil von E.Ha. beginnt an dem Eck bei dem Spitalmad und erstreckt sich dem Graben am untern Kreuth hinum nach bis auf den Pfahl, so nicht weit vom gemeldtem Graben steht, von gemeldtem Pfahl das Khag nach hinauf den Pfählen nach bis auf die Grueb, in welcher zwei Kreuzpfähl und von an den anderen Pfählen nach gen Schn. Feld zu. Der ander
ihm zuerteilte Eckteil fangt an unten bei des Wirts Mad, diesen nach bis zu dem Pfahl nicht weit von dem Mad von da an den Pfählen nach, so den breiten Weg dem Khagen nach geschlagen, bis wieder auf vorgemeldte beide Kreuzpfähl, von da den langen Weg den anderen Pfählen nach bis auf den obersten und letzten Pfahl in dem Teuch nicht weit von dem alten Ulmer Weg. Das übrige gehört E.Hy.
Weutte Fallen und Mülhlhölzlin.
Diese beiden sind mit allen ihren richtigen Untermarken E.Ha. dagegen beim Schleiffengumpen selbiges Hölzlin und das beim Beuremer Furcht E.Hy. zugeteilt worden.
Berlinensche Verwandtschaft betr.
Staatsfilialarchiv Ludwigsburg.
Bei Frau Anna Regina von Berlichingen geborene Besserin von Schn. liegen in einem Trüchlein neben vielen brieflichen Sachen 115 Permentin besiegelte, wiewohl mehrteils vermodert und in einem feuchten Gewölb der Frauen Anzeig nach übel verdorbene Brief; zu Urkund hat sich die Frau selbst Unterschrieben und ihr Petschaft aufgedruckt zu Biberach alten Kal. 27.April 1632

Siegel Berlichingen-Besserer Anna Regina von Berlichingen, geborene Besserin von Schnürpflingen.

Markungskarte

Der Gulden oder Gülden war ursprünglich eine Goldmünze und wurde Florenus (Fl. fl.) genannt, weil er zuerst im 13. Jahrhundert in Florenz geprägt wurde. Später auch Silbermünze. Ende des 15. Jahrhunderts vielfach nur Rechnungsmünze.